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Fertigungskosten Windturbinen am laufenden Meter

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Unerforschtes Marktumfeld

Vier statt dreizehn Modelle - Rotoren für Siemens-Offshore-Windmühlen Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

GE, der ewige Konkurrent der Münchner, betreibt die einzige europäische Fertigung für Windkraftanlagen in Salzbergen in Niedersachsen. Gut 1.000 Mitarbeiter beschäftigen die Amerikaner dort. Konzernchef Jeff Immelt hat Deutschland neben China als einen der wichtigen Wachstumsmärkte des Mischkonzerns benannt, auch wegen der Energiewende. Doch im Windgeschäft müssen die Amerikaner wie alle anderen kämpfen. „Wir arbeiten in einem immer schwierigeren Marktumfeld“, sagt Stephan Ritter, Europa-Chef für erneuerbare Energien bei GE. Vom Offshore-Geschäft lassen die Amerikaner gleich ganz die Finger. Das sei noch zu unerforscht, heißt es im Konzern.

Der Marktanteil von GE liegt in Deutschland im niedrigen einstelligen Bereich. Bis 2014, so Ritter, soll er zweistellig sein. Die Nase vorn in Deutschland haben immer noch Siemens und Enercon.

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Nachhilfe für Chinesen

Ritter und seine Mannschaft in Salzbergen arbeiten derzeit mit zwei Plattformen, ausschließlich für Windkraftanlagen an Land: eine für Turbinen mit 1,6 Megawatt und eine für Anlagen mit 2,7 Megawatt. Die Fließbandfertigung hat GE schon 2003 eingeführt. „Jeder Arbeitsschritt ist getaktet“, sagt Ritter, „wir waren damals die Ersten, die das gemacht haben.“ Um die Kosten zu drücken, lassen sich die Amerikaner außerdem von japanischen Managementexperten beraten.

In Arbeit
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Im Büro des Werksleiters hängen Kalligrafien mit Leitmotiven, wie sie typisch sind für hoch effiziente japanische Fabriken. „Ändere nie den Produktionsplan, ziehe durch, wozu du dich verpflichtet hast.“

Die Zeit für Siemens, GE und Co. drängt. Goldwind, einer der größten Hersteller aus China, hat den ehemaligen Repower-Manager Jussen als Berater engagiert. Er soll für das Unternehmen ein Servicekonzept für Windkraftanlagen entwickeln. Schaffen es die Chinesen, diese große Schwäche auszumerzen, werden Deutsche und Amerikaner die Industrialisierung des Windanlagenbaus noch weiter vorantreiben müssen.

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