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Finanzanlage Investoren stecken Milliarden in grüne Energie

Der Versicherer Allianz will massiv in erneuerbare Energien investieren. Warum Wind- und Solarparks weltweit zur attraktiven Finanzanlage werden.

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Offshore-Windpark vor der deutschen Küste Quelle: dpa

Erneuerbare Energien gewinnen die Gunst der Investmentmanager: Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will Europas größter Versicherer, die Allianz mit Sitz in München, ihr Geschäft mit erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Die Konzerntochter Allianz Capital Partners plane, in den nächsten drei Jahren eine Milliarde in grüne Energien zu investieren, heißt es in dem Bericht.

Seit 2005 haben die Münchner 300 Millionen Euro in Solarkraftwerke und 1,7 Milliarden Euro in Windparks gesteckt. Nun soll das Grünstrom-Portfolio des Versicherers schneller wachsen denn je. Erstmals könnte laut dem Bericht auch ein Offshore-Windpark hinzukommen – wahrscheinlich in Frankreich, weil es dort für Meereswindstrom langfristige Tarife gebe.

Einsparmöglichkeiten bei Offshore-Windparks

Investoren und internationale Organisationen wollen Erneuerbare Energien

Die Nachricht aus München passt zum globalen Stimmungswandel in der unter Investoren und internationalen Organisationen. Erst am Sonntag versprach Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank, massiv in Erneuerbare Energien zu investieren – und den Bau von Kohlekraftwerken nur noch in „Umständen extremen Bedarfs“ finanziell zu unterstützen.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa

Mehr Gelder in grüne Energien

Auch die Statistik spricht für eine Trendwende: In den ersten drei Quartalen des Jahres flossen 16 Prozent mehr Gelder in grüne Energien als im Vorjahreszeitraum, berichten die Analysten der Marktforschungs- und Nachrichtenagentur Bloomberg New Energy Finance (BNEF). Nach zwei Jahren sinkender Investments gehe es 2014 nun wieder aufwärts. „Wir rechnen zum Jahresende mit einem Plus von zehn Prozent gegenüber 2013“, sagt Angus McCrone, Chefredakteur bei BNEF.

Es ist vor allem der jüngste Preisverfall für Wind- und Sonnenstrom, der die grünen Geldanlagen nun so attraktiv macht. Lange waren Strom aus Wind- und Solarkraftwerken auf Einspeisevergütungen angewiesen – für jede erzeugte Kilowattstunde Strom zahlte der Stromkunde eine verbindliche Summe Geld. Wurden die Vergütungen seitens der Politik gekürzt, brachen ganze nationale Solarmärkte zusammen. Doch das ändert sich gerade.

Windstrom ist preiswerter als jener aus neuen Kohlekraftwerken

Laut einem Bericht der US-Investmentbank Lazard vom September sind Solar- und Windstrom in den USA auch ohne staatliche Unterstützung schon heute günstiger als Atomenergie. Windstrom ist sogar preiswerter als jener aus neuen Kohlekraftwerken. Spätestens 2017 soll das auch für Solarenergie gelten. „Das öffnet neue Märkte für diese Technologien”, sagt BNEF-Experte McCrone, „etwa in den Entwicklungsländern, zum Beispiel Südamerika, Südasien und im Mittleren Osten.“

Auch angesichts der weltweit niedrigen Zinsen suchen Anleger nach neuen Investment-Möglichkeiten. „Grünstrom-Projekte in Europa und Nordamerika bieten risikoarme Renditen“, sagt Mc Crone, „die deutlich höher sind als solche anderer Anlageklassen wie Staatsanleihen oder hoch bewertete Unternehmensanleihen.“ Das Risiko ist deshalb gering, weil die Erzeugungskosten für Solar- und Windstrom nicht von schwankenden Rohstoffpreisen abhängen und zugleich der Preis meist für Jahre im Voraus vereinbart wird.

Die 15 aussichtsreichsten Windparkprojekte vor Deutschlands Küsten

China investiert

Vieles spricht darum dafür, dass der Geldsegen für grüne Kraftwerke erst ganz am Anfang steht. Eine Schlüsselrolle spielt China. Allein im dritten Quartal hat das Land laut BNEF 20 Milliarden Dollar in grüne Energien gesteckt, davon 12,2 Milliarden Dollar in Solarkraftwerke. Laut einem neuen Bericht der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) steigt der Energieverbrauch in China bis 2030 um 60 Prozent. Der Anteil von Wind, Solar und Co. am Energiemix dürfte bis dahin bei jetzigem Ausbautempo von 10 Prozent auf 16 Prozent wachsen.

Das ist den internationalen Experten zu wenig. Laut Bericht könnte das bevölkerungsreichste Land der Erde seinen Anteil an erneuerbaren Quellen schneller steigern, auf 26 Prozent im Jahr 2030 – und dabei sogar unter dem Strich Geld sparen. 145 Milliarden Dollar müsste das Land dazu in den Ausbau von Ökokraftwerken stecken. Das Mega-Investment könnte mehr als 200 Milliarden Dollar Kosten vermeiden, darunter Gesundheitskosten, die verschmutzte Luft verursacht, und Ausgaben für Emissionsrechte.

Energie



Saubere Kraftwerke

Laut BNEF-Schätzung werden saubere Kraftwerke bis 2030 weltweit 5,5 Billionen Dollar an Kapital anlocken. Die Summe ähnelt dem Kapital, das weltweit in Öl- und Gasunternehmen investiert ist: 4,7 Billionen Dollar. Angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel diskutieren institutionelle Anleger zunehmend, ob sie ihr Vermögen aus diesem Sektor abziehen sollen.

Zwar werde es für die Investoren „hart, Ersatz zu finden, der die gleichen Renditen bringt“, befürchtet McCrone. Denn gegenüber fossilen Energieträgern seien erneuerbare dann doch ein margenschwaches Geschäft. Aber: Für Versicherer wie die Allianz sind die grünen Renditen offenbar schon gut genug.

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