Frankreichs Kernkraftwerke stehen still Deutscher Strom gegen Frankreichs Blackout

Eine Kältewelle gefährdet Frankreichs Stromversorgung, denn einige Atomkraftwerke sind derzeit nicht am Netz. Deutsche Netzbetreiber helfen mit Stromexporten – und wappnen sich für den Härtetest.

So weit sind andere Länder mit der Energiewende
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In Frankreich gehen die Lichter aus. In rund 330 öffentlichen Gebäuden ließ Paris am Mittwoch die Außenbeleuchtung abschalten. Auch der französische Atomstromversorger EDF empfahl seine Kunden, die Rollläden zu schließen. So soll aus den oft schlecht gedämmten Wohnungen nicht allzu viel Wärme entweichen.

Stromsparen lautet dieser Tage die Losung in Frankreich. Die Temperaturen im Nachbarland liegen derzeit um rund sechs Grad unter dem langjährigen Mittel. Das zwingt die Energieversorger in die Knie. Weil derzeit mehrere Atomkraftwerke in Frankreich wegen aufgedeckter Unregelmäßigkeiten beim Bau beziehungsweise wegen Wartungsarbeiten stillstehen, kämpft die Grande Nation gegen den Blackout. Gesteigert wird die Gefahr durch die Heizsysteme: Rund sieben Millionen Haushalte heizen in Frankreich mit Strom.

Dass in Frankreich nicht längst die Lichter ausgegangen sind, ist den Stromlieferungen der Nachbarländer zu verdanken. So leitet etwa Spanien große Mengen Strom an Frankreich. Und auch deutsche Netzbetreiber leisten Erste Hilfe für die Abwendung des Blackouts. Während Befürworter der Energiewende bereits den Erfolg der Erneuerbaren gegenüber den Atommeilern feiern, stellen sich die deutschen Netzbetreiber jedoch auf schwierige Tage ein. Denn der Höhepunkt der Kälte stellt die deutschen Übertragungsnetzbetreiber in diesen Tagen vor einen Härtetest.

Der Netzbetreiber Amprion sprach gegenüber der WirtschaftsWoche angesichts der aktuellen Lage in Frankreich von „Herausforderungen bei der Netzsteuerung, die jedoch beherrschbar sind“. In der Hauptschaltleitung von Amprion in Brauweiler nahe Köln überwacht der Übertragungsnetzbetreiber derzeit mit Argusaugen das 11.000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz. Journalisten können die Hauptschaltleitung dieser Tage nicht besuchen. Zu „angespannt“ sei die Situation, teilte Amprion der WirtschaftsWoche mit. Einen „unkontrollierten Ausfall des Netzes“ in Frankreich oder Deutschland hält Amprion jedoch für „derzeit sehr unwahrscheinlich“.

Das Netz von Tennet grenzt zwar nicht unmittelbar an das französische. Dennoch bereitet der größte deutsche Übertragungsnetzbetreiber „verstärkte Maßnahmen zu Ende dieser Woche“ vor. „Wir stimmen uns eng mit den anderen deutschen Übertragungsnetzbetreibern sowie europäischen Netzbetreibern ab, damit die Kapazitäten auf den Leitungen nach Frankreich optimal genutzt werden können“, teilte Tennet gegenüber der WirtschaftsWoche mit.

Die Bundesnetzagentur bestätigt die Einschätzung der Netzbetreiber. So sei die Versorgungslage in Frankreich zwar „angespannt“, aber „nach unserer Meinung beherrschbar.“ Zudem seien laut Bundesnetzagentur die deutschen Übertragungsnetzbetreiber „in der Lage, die Stabilisierung des französischen Stromnetzes zu unterstützen“. Eine Gefährdung der Stromversorgung in Deutschland durch die Situation in Frankreich stehe laut Bundesnetzagentur nicht zu befürchten.

Um den zusätzlichen Strombedarf zu decken, hat Deutschland im Lauf dieser Woche 1600 Megawatt aus Reservekraftwerken im Bundesgebiet und Österreich abgerufen. Das entspricht der Leistung von rund eineinhalb Atomkraftwerken. Gero Lücking, Geschäftsführer des Hamburger Ökostrom Anbieters Lichtblick, erkennt einen Sieg der deutschen Energiewende: „Die frühzeitige Entscheidung in Deutschland für die Energiewende und die damit verbundene Diversifizierung bei der Erzeugung rettet Frankreich in der aktuellen Situation die Versorgungssicherheit.“

Am Wochenende sollte sich die Stromversorgung in Frankreich bereits wieder entspannen. Einerseits sollen die Temperaturen wieder ansteigen, andererseits verbraucht die Industrie am Wochenende weniger Strom. Schon bald sollte Paris also wieder erstrahlen können.

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