WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Fukushima In der Seele Samurai

Seite 2/2

Der Motor des neuen Geschäftsplanes

Erneut Austritt von hochradioaktivem Wasser in Fukushima

Seitdem der studierte Ingenieur Sudo bei Tepco mitmischt, ist er im Unternehmen als „Sparteufel“ gefürchtet: Er drängt zum Beispiel auf mehr internen Wettbewerb zwischen den 15 Wärmekraftwerken, die den Ersatzstrom für die ruhenden Atommeiler produzieren. Der Chef jeder Anlage soll seine Erzeugungskosten offenlegen und die anderen Kraftwerke unterbieten.

Sudo ist aber vor allem der Motor hinter dem neuen Geschäftsplan vom Januar dieses Jahres. Der verpflichtet das Management von Tepco und seinen Tochterfirmen, die Kosten bis 2022 um 37 Milliarden Euro zu senken – 40 Prozent mehr als vorher geplant. Dazu muss der Energieriese Immobilien und Beteiligungen verkaufen, außerdem müssen Aufträge öffentlich ausgeschrieben werden, und schließlich soll Tepco mit anderen Versorgern eine Einkaufsgemeinschaft für Flüssiggas bilden.

Ein Kulturschock

Sudo weiß, dass er vor allem die Mentalität der Manager verändern muss, wenn er Erfolg haben will. „Dass Tepco nach dem Grundsatz der Risikovermeidung betrieben wird, war für mich ein Kulturschock“, sagt er. Tepco-Manager arbeiten wie Beamte, denn der Konzern hat das Versorgungsmonopol für den mit 36 Millionen Menschen weltgrößten Ballungsraum Tokio und kann bisher alle Kosten auf den Strompreis umlegen.

Diese Denke will Sudo den Tepco-Managern austreiben. Deshalb ließ er vor seinem Amtsantritt alle Vorstandsmitglieder einen Aufsatz schreiben. Auf einer DIN-A4-Seite sollten alle ihre Vorstellungen von der Zukunft des Konzerns formulieren. Mit den Ergebnissen war Sudo so unzufrieden, dass er alle Aufsätze mit „ungenügend“ bewertete und an die Autoren zur Überarbeitung zurücksandte. Nun geht das Prozedere in die zweite Runde.

Um den Kulturwandel zu beschleunigen, will Sudo die Veteranen im mittleren Management mit ihren hohen Gehältern möglichst schnell loswerden. Dabei kennt der Ex-Stahlmanager keine Skrupel: 500 höhere Mitarbeiter, die bei der Katastrophe älter als 50 Jahre waren, hat er zur Arbeit nach Fukushima abkommandiert – ohne Rückfahrkarte. In die Leitungsjobs aufrücken soll die Generation der 40-Jährigen.

Große Hilfe vom Staat

Bei seinem Kampf bekommt Sudo kräftige Schützenhilfe von der Regierung. Der staatliche Entschädigungsfonds stockt seinen Etat in diesem Jahr um fast das Doppelte auf 63 Milliarden Euro auf und darf vom Sommer ab erstmals auch Kredite für die laufenden Arbeiten im AKW Fukushima vergeben. Die japanischen Steuerzahler übernehmen damit einen Teil der jährlich 700 Millionen Euro Folgekosten von Fukushima. Tepco müsste sich das Geld sonst von Anlegern besorgen.

Energie



Darüber hinaus übernimmt der Staat zwei gewaltige Kostenblöcke, die Tepco bisher allein schultern sollte: die Dekontaminierung der Region Fukushima und den Bau von Zwischenlagern für die dabei anfallenden radioaktiven Abfälle. Tepco spart damit auf einen Schlag 26 Milliarden Euro. Der Steuerzahler soll dem Konzern so helfen, bis 2016 an den Kapitalmarkt zurückzukehren.

Sudo sieht sogar die Chance, aus der Fukushima-Tragödie noch Profit zu schlagen: Er will das bei den Aufräumarbeiten gewonnene Know-how weltweit vermarkten. Vermutlich mit Erfolg: Im Februar kamen Vertreter von 26 US-Firmen für zwei Tage nach Tokio, um mit Mitarbeitern von 50 japanischen Unternehmen über die Stilllegung und Sanierung von Reaktoren zu diskutieren.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%