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Gas-Tarife im Vergleich Gasanbieter-Wechsel spart bis zu 900 Euro im Jahr

Welche Anbieter in den 100 größten Städten mit fairen und günstigen Gastarifen überzeugen Quelle: imago images

Wechseln Haushalte ihren Gasanbieter, können sie besonders viel sparen. Unser exklusives Ranking zeigt, welche Anbieter sich mit fairen und günstigen Konditionen auszeichnen.

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Mal eben die Gasrechnung halbieren? Was wie das Gewinnspiel eines aufmerksamkeitsheischenden Radiosenders klingt, ist Alltag. Zumindest in Schwerin, der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns. Eine Familie mit zwei Kindern und 18.000 Kilowattstunden Gasverbrauch im Jahr könnte statt 1844 Euro hier knapp 940 Euro zahlen, also gut 900 Euro weniger. Dafür müsste die Familie nur vom Grundvertrag der lokalen Stadtwerke zum Konkurrenten eprimo in den Tarif eprimoGas PrimaKlima wechseln. Im ersten Jahr lägen die Gaskosten dann etwa halb so hoch. Selten war es so einfach, viel Geld zu sparen.

Valerian Vogel, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox, überrascht die hohe Ersparnis nicht. Zwar sei der Vorteil beim Anbieterwechsel deutschlandweit im Jahresvergleich leicht zurückgegangen. „Allerdings ist die Differenz zwischen Grundversorgungstarif und günstigem Angebot immer noch viel größer als zum Beispiel beim Strom“, sagt Vogel.

Schwerin mag ein Extrembeispiel sein, weil die lokalen Stadtwerke hier besonders hohe Preise aufrufen. Aber eine satte Ersparnis ist für alle, die noch vom lokalen Grundversorger beliefert werden, auch anderswo garantiert. Im Schnitt der 100 größten deutschen Städte würde eine Familie mit zwei Kindern im ersten Jahr 450 Euro sparen, wenn sie vom Grundtarif des Grundversorgers zum günstigen Angebot mit Bonus wechselt. Und noch immer beziehen 19 Prozent der Haushalte mit Gasanschluss ihr Gas tatsächlich im Grundtarif des Grundversorgers, hat die Bundesnetzagentur ermittelt. In aller Regel ist dieser Tarif besonders teuer. Etwa jeder zweite Haushalt wird zwar vom Grundversorger beliefert, hat aber wenigstens einen anderen Tarif abgeschlossen. Doch auch hier bleibt noch Sparpotenzial: So unterbietet der günstigste Konkurrent den attraktivsten Tarif des Grundversorgers im Schnitt der 100 Städte um 230 Euro. Nur rund 30 Prozent der Haushalte sind bereits Kunde eines alternativen Anbieters, also nicht der Stadtwerke vor Ort. Dabei ist die Auswahl an Anbietern groß genug. Im Schnitt können Privathaushalte laut Bundesnetzagentur zwischen 98 verschiedenen Gaslieferanten wählen.

Ein exklusives Ranking der WirtschaftsWoche mit Daten des Vergleichsportals Verivox hat die besten aus rund 3900 Gastarifen für die 100 größten deutschen Städte aufgespürt. Da es im mit Fernwärme versorgten Flensburg keine Gasanschlüsse für Haushalte gibt, wurde Landshut zusätzlich ins Ranking der 100 größten Städte aufgenommen. Die ausgewählten Tarife zeichnen sich nicht nur durch günstige Preise, sondern auch faire Konditionen und Service aus. Einfluss hatten zum Beispiel Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist, Preisgarantien und deren Umfang, Kontaktmöglichkeiten und Onlineservices. Anbieter, deren insgesamt am Markt verfügbaren Tarife nach diesen Kriterien im Durchschnitt nicht wenigstens mit gut bewertet worden sind (das entspricht einer Note 2,3 auf einer Skala von 1 bis 5), wurden ausgeschlossen. Auch die einzelnen, im Ranking aufgeführten Tarife mussten wenigstens die Note 2,3 schaffen, sonst wurden sie nicht berücksichtigt. Tarife mit Vorauskasse oder festen Abnahmemengen flogen ebenfalls aus der Auswahl.

Bei den höheren Verbrauchsstufen ab 12.000 Kilowattstunden und Tarifen mit Neukundenbonus landete die innogy-Tochter eprimo mit ihrem Tarif eprimoGas Prima Klima in den meisten Städten vorne. Nur Single-Haushalte, mit nur 5000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, fahren mit dem Tarif HalPlus Erdgas Regio+ vom Anbieter EVH besser. Hinter EVH stehen die Stadtwerke Halle. Viele wechselnde Haushalte entscheiden sich für einen Anbieter, der zwar nicht bei ihnen, aber anderswo der lokale Grundversorger ist – so wie die Stadtwerke Halle. Bei Verivox liegt die Quote bei etwa 50 Prozent und ist zum Vorjahr um 17 Prozentpunkte gestiegen. „Offenbar sind Markenbekanntheit und Vertrauen wichtige Einflussfaktoren“, sagt Verivox-Experte Vogel.

Die fairsten Gasanbieter
Welche Anbieter in den 100 größten Städten mit fairen und günstigen Gastarifen überzeugen
Kategorie: Normalgas mit Bonus
Anbieter/
Tarif*
Top-
Platzierungen
**
Preis 1. Jahr
(in Euro)
***
Ersparnis
(in Euro)
****
Tarif-
Rating
*****
Single
(5000 kWh/Jahr)
EVH/
HalPlus Erdgas Regio+
90312,16150,382,0
Knauber Erdgas/
Knauber Erdgas Sicher 12
51344,92110,592,2
Stadtwerke Tübingen/
TüGas Online / TüGas 2019-2020
48337,67133,012,2 / 2,3
Paar
(12.000 kWh/Jahr)
eprimo/
eprimoGas PrimaKlima
61638,55304,152,3
EnBW/
EnBW Erdgas Online
52646,50292,482,0
Yello Strom/
Gas Basic
51643,88299,112,2
Familie, 2 Kinder
(18.000 kWh/Jahr)
eprimo/
eprimoGas PrimaKlima
97901,21445,112,3
EnBW/
EnBW Erdgas Online
87895,15450,362,0
SE Sauber Energie/
Sauber Gas Smart
58891,89436,872,3
Großfamilie
(20.000 kWh/Jahr)
eprimo/
eprimoGas PrimaKlima
97993,16485,032,3
Yello Strom/
Gas Basic
95995,80480,042,2
EnBW/
EnBW Erdgas Online
82987,49494,732,0
* gewertet wurde der günstigste Tarif eines Anbieters je Verbrauchsstufe und Stadt, ausgeschlossen wurden: 1. Tarife mit Vorauskasse/Kaution, 2. Anbieter mit einem durchschnittlichen Tarif-Rating schlechter als 2,3 sowie 3. Tarife mit einem Rating schlechter als 2,3;
** Anzahl Top-3-Platzierungen in den 100 größten Städten; 3 Durchschnitt in Städten mit Top-3-Platzierung;
**** durchschnittliche Ersparnis in Städten mit Top-3-Platzierung gegenüber dem Grundversorgungstarif des lokalen Anbieters;
***** in Schulnoten von 1,0 (sehr gut) bis 5,0 (mangelhaft); bewertet wurden Vertragsbedingungen (wie Preisgarantien, Laufzeit, Kündigungsfrist) und Kundenservice (etwa Erreichbarkeit, Onlineportal)
Daten: www.verivox.de
Quelle: WirtschaftsWoche; Stand: September 2019

Leicht verdientes Geld

Bei den Tarifen ohne Bonus landet der Anbieter Grünwelt mit seinem Tarif Grüngas Classic besonders oft vorne. Hinter Grünwelt steht das Unternehmen Gas.de, das eng mit dem Stromanbieter Stromio verbandelt ist. Stromio genießt bei Verbraucherschützern nicht den besten Ruf. Wiederholt gab es etwa Beschwerden über versteckte Preiserhöhungen. Für Gas.de zeigen Beschwerdeportale wie Reclabox aber keine auffälligen Beschwerdewerte an.

Die Rangliste der Biogas-Tarife wird vom Anbieter Montana angeführt, einem seit Jahrzehnten am Markt aktiven mittelständischen Familienunternehmen der Familie Koburger aus Grünwald. Auch hier sind die Beschwerdestatistiken unauffällig. Biogas, das zum Beispiel aus der Vergärung von Biomasse entsteht, spielt im Markt aber keine große Rolle. Nur eine einstellige Prozentzahl der Wechsler bei Verivox schließt einen Biogas-Tarif ab. Im Ranking werden Tarife geführt, in denen wenigstens zehn Prozent des Gases derart „bio“ ist. Sogenannte Klimagas-Tarife – bei denen der CO2-Ausstoß zum Beispiel durch den Kauf von Zertifikaten oder durch Investitionen in Umweltschutzprojekte ausgeglichen werden soll – überzeugen mehr Kunden. Etwa einer von fünf Verivox-Wechslern entscheidet sich für einen solchen Tarif. Im Ranking werden diese Tarife gemeinsam mit den herkömmlichen Gastarifen ohne CO2-Ausgleich geführt. Zu diesen Tarifen zählt zum Beispiel der eprimo-Tarif Prima Klima. Der Anbieter verspricht, in die Aufbereitung von sogenanntem Grubengas zu investieren. Grubengas ist Methan, das aus stillgelegten Steinkohlezechen austritt. Methan ist besonders umweltschädlich, deutlich schädlicher als Kohlenstoffdioxid. Daher soll mit dem Klimaschutzprojekt vermieden werden, dass das Methan in die Atmosphäre gelangt.

Ob Kunden eher einen Tarif mit oder ohne Bonus abschließen sollten, ist ein ewiger Glaubensstreit unter Sparfüchsen. Klar ist: Bonustarife sind meist im ersten Jahr besonders günstig. Im zweiten Jahr – ohne den Neukundenbonus – steigen die Kosten dann automatisch. Kunden müssten unter Umständen erneut wechseln, um weiter zu sparen. Tarife ohne Bonus verteuern sich nicht automatisch. Aber auch hier kann der Anbieter die Preise, je nach vereinbarter Preisgarantie, erhöhen. Bei Preiserhöhungen des Anbieters steht Kunden allerdings immer ein Sonderkündigungsrecht zu. Im Endergebnis können Kunden, die auch ein jährlicher Wechsel nicht schreckt, durchaus auf Bonustarife setzen. Verbraucher, die eher einen dauerhaft günstigen Tarif wünschen, sollten zumindest Tarife mit hohen Boni meiden. Diese verteuern sich nach dem Wegfall des Bonus stark und wären dann unattraktiv.

Die fairsten Gasanbieter
Welche Anbieter in den 100 größten Städten mit fairen und günstigen Gastarifen überzeugen
Kategorie: Normalgas ohne Bonus
Anbieter/
Tarif*
Top-
Platzierungen
**
Preis 1. Jahr
(in Euro)
***
Ersparnis
(in Euro)
****
Tarif-
Rating
*****
Single
(5000 kWh/Jahr)
Knauber Erdgas/
Knauber Erdgas Sicher 12
84352,10107,602,2
eprimo/
eprimoGas PrimaKlima
77355,60106,572,3
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12
36350,00104,001,7
Paar
(12.000 kWh/Jahr)
Grünwelt/
Grüngas Classic
96689,14253,482,3
Knauber Erdgas/
Knauber Erdgas Sicher 12
86694,71249,242,2
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12
40698,93260,791,7
Familie, 2 Kinder
(18.000 kWh/Jahr)
Grünwelt/
Grüngas Classic
96965,03377,552,3
Stadtwerke Flensburg/
Flensburg exzellent
67966,34362,722,1
Maingau Energie/
Maingau Gas Regio
57977,15366,641,8
Großfamilie
(20.000 kWh/Jahr)
Grünwelt/
Grüngas Classic
971059,40421,512,3
Stadtwerke Flensburg/
Flensburg exzellent
781057,84407,112,1
Maingau Energie/
Maingau Gas Regio
521073,58404,781,8
* gewertet wurde der günstigste Tarif eines Anbieters je Verbrauchsstufe und Stadt, ausgeschlossen wurden: 1. Tarife mit Vorauskasse/Kaution, 2. Anbieter mit einem durchschnittlichen Tarif-Rating schlechter als 2,3 sowie 3. Tarife mit einem Rating schlechter als 2,3;
** Anzahl Top-3-Platzierungen in den 100 größten Städten; 3 Durchschnitt in Städten mit Top-3-Platzierung;
**** durchschnittliche Ersparnis in Städten mit Top-3-Platzierung gegenüber dem Grundversorgungstarif des lokalen Anbieters;
***** in Schulnoten von 1,0 (sehr gut) bis 5,0 (mangelhaft); bewertet wurden Vertragsbedingungen (wie Preisgarantien, Laufzeit, Kündigungsfrist) und Kundenservice (etwa Erreichbarkeit, Onlineportal)
Daten: www.verivox.de
Quelle: WirtschaftsWoche; Stand: September 2019

In den kommenden Monaten ist am Gasmarkt eher mit weiter steigenden Preisen zu rechnen. Dabei hätten die Gasanbieter eigentlich Spielraum für Nachlässe. Denn ihre Einkaufspreise sind in den vergangenen Monaten um mehr als die Hälfte gesunken. Und die vom Anbieter beeinflussbaren Preisbestandteile (Einkaufs- und Vertriebskosten sowie die eigene Gewinnmarge) machen beim Gas rund die Hälfte des Gesamtpreises aus, während sie zum Beispiel bei Strom nur für etwa ein Viertel des Gesamtpreises stehen. „Anstiege und Senkungen im Gasgroßhandel kommen aber oft erst Jahre später beim Verbraucher an“, erklärt Verivox-Experte Vogel. Erst zur übernächsten Heizperiode könnte Gas dann wieder günstig werden, erwartet Vogel, wenn die Einkaufspreise weiter nachgeben.

Unabhängig vom allgemeinen Trend gibt es zwischen den einzelnen Städten große Preisunterschiede. Hier können sich zum Beispiel lokale Faktoren auswirken, wie Netzentgelte oder die Konkurrenzsituation. Am wenigsten müsste die Familie mit zwei Kindern und 18.000 Kilowattstunden Gas-Jahresverbrauch beim günstigsten Anbieter (eprimo) in Berlin zahlen, knapp 800 Euro. Die Ersparnis durch den Anbieterwechsel wäre hier aber geringer als in Schwerin. Gegenüber dem Grundtarif des Berliner Grundversorgers Gasag würde der Haushalt rund 470 Euro im Jahr sparen. Am wenigsten lohnt sich der Wechsel für eine Familie in Bielefeld. Schon die lokalen Stadtwerke Bielefeld sind relativ günstig, sodass der Wechsel zum günstigsten Lieferanten (hier EnBW) nur noch 230 Euro zusätzliche Jahresersparnis bringen würde.

Aber auch das wäre leicht verdientes Geld.

Die fairsten Gasanbieter
Welche Anbieter in den 100 größten Städten mit fairen und günstigen Gastarifen überzeugen
Kategorie: Biogas* ohne Bonus
Anbieter/
Tarif**
Top-
Platzierungen
***
Preis 1. Jahr
(in Euro)
****
Ersparnis
(in Euro)
*****
Tarif-
Rating
******
Single
(5000 kWh/Jahr)
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12 Biogas
99395,5567,921,7
SE Sauber Energie/
Sauber Gas Bio 10
97392,7070,732,2
Naturstromhandel/
Naturstrom Biogas 10
50416,3057,102,2
Paar
(12.000 kWh/Jahr)
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12 Biogas
100772,92172,541,7
SE Sauber Energie/
Sauber Gas Bio 10
98786,20160,222,2
Baywa Ökoenergie/
Ökogas 12 Bioflex 10
65800,07128,691,8
Familie, 2 Kinder
(18.000 kWh/Jahr)
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12 Biogas
1001087,44258,271,7
SE Sauber Energie/
Sauber Gas Bio 10
981119,23227,202,2
Baywa Ökoenergie/
Ökogas 12 Bioflex 10
701139,28184,611,8
Großfamilie
(20.000 kWh/Jahr)
Montana Energieversorgung/
Montana Garant 12 Biogas
1001195,19283,431,7
SE Sauber Energie/
Sauber Gas Bio 10
971231,44245,122,2
Baywa Ökoenergie/
Ökogas 12 Bioflex 10
711251,91199,691,8
* nur Tarife mit mindestens 10% Biogasanteil
** gewertet wurde der günstigste Tarif eines Anbieters je Verbrauchsstufe und Stadt, ausgeschlossen wurden: 1. Tarife mit Vorauskasse/Kaution, 2. Anbieter mit einem durchschnittlichen Tarif-Rating schlechter als 2,3 sowie 3. Tarife mit einem Rating schlechter als 2,3;
*** Anzahl Top-3-Platzierungen in den 100 größten Städten; 3 Durchschnitt in Städten mit Top-3-Platzierung;
***** durchschnittliche Ersparnis in Städten mit Top-3-Platzierung gegenüber dem Grundversorgungstarif des lokalen Anbieters;
****** in Schulnoten von 1,0 (sehr gut) bis 5,0 (mangelhaft); bewertet wurden Vertragsbedingungen (wie Preisgarantien, Laufzeit, Kündigungsfrist) und Kundenservice (etwa Erreichbarkeit, Onlineportal)
Daten: www.verivox.de
Quelle: WirtschaftsWoche; Stand: September 2019
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