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Gasleck Ölmulti Total am Rande der Katastrophe

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Erinnerungen an das BP-Desaster 2010

Höchste Alarmstufe auf der Bohrinsel

„Keine Explosionsgefahr“, lässt Total dennoch verlauten. Ein Total-Sprecher beschrieb die Lage als ernst, aber stabil. „Ja, es besteht Explosionsgefahr“, betonen hingegen der Experten wie Stephan Lutter von der Umweltstiftung WWF. Deshalb hat die Küstenwache längst eine Zwei-Meilen-Sperrzone für Schiffe und eine Drei-Meilen-Zone für Flugzeuge eingerichtet. „Man hat alles abgeschaltet, was irgendwie Funken schlagen kann“, sagt Lutter.

Das Szenario erinnert fatal an die Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Im April 2010 kam es nach einem Gasaustritt zur Explosion auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“, die zum BP-Konzern gehörte. Nach der Explosion sank die Plattform und aus einer Tiefseebohrung strömte monatelang Öl. Unabhängige Berechnungen gehen davon aus, dass bis zur vollständigen Schließung des Bohrlochs etwa 700 Millionen Liter (4,4 Millionen Barrel) in den Golf von Mexico geflossen sind. Der Vorfall gilt als eine der größten Ölkatastrophen aller Zeiten.

Die größten Ölreserven der Welt
Eine Frau trocknet Wäsche auf einer Erdöl-Pipeline Quelle: ASSOCIATED PRESS
Libyen Quelle: REUTERS
Logo von Rosneft Quelle: ITAR-TASS
Ölraffinerie in den Vereinigten Arabischen Emiraten Quelle: AP
Ktar Quelle: REUTERS
Kuwait Quelle: REUTERS
Irak Quelle: REUTERS

Im aktuellen Fall deutet nach Angaben von Total bisher nichts darauf hin, dass es zu derart dramatischen Umweltschäden kommt. Dennoch befürchtet der Energiekonzern diese offenbar. „Die absolute Priorität liegt heute darauf, das Gasleck zu schließen und die Umweltschäden zu begrenzen“, heißt es bei Total. Aber letzten Endes geht es auch um die Zukunft des Ölmultis aus Frankreich. Um acht Prozent hat der Börsenkurs schon nachgegeben. Der nach Börsenwert teuerste Konzern Europas hat damit bereits neun Milliarden eingebüßt. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten haben ausgerechnet, dass allein der Produktionsausfall Total zwischen fünf und zehn Millionen Dollar täglich kostet. Sollte die "Elgin" dauerhaft unbrauchbar werden, kämen auf Total Kosten in Höhe von 5,7 Milliarden Euro zu - auch um die Partnergesellschaften zu kompensieren. Total erzielt mit dem Förderfeld "Elgin Franklin" zwischen 250 und 300 Millionen Euro Vorsteuergewinn, was rund zwei Prozent des erwarteten Jahresgewinns für 2012 entspricht.

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    Die Zeit drängt

    Im Fall der „Elgin“-Plattform wird es darum gehen, wie schnell der Schaden behoben wird. Vorerst bleibt die Region für Schiffe und Flugzeuge gesperrt. Auch der Konzern Shell brachte Arbeiter von einer etwa vier Seemeilen entfernten Plattform in Sicherheit. Ein Sprecher der Ölarbeiter-Gewerkschaft sagte, es bestehe das Risiko „katastrophaler Verwüstung“, wenn sich das austretende Gas entzünden sollte.

    Die Konzern-Experten suchen deshalb nach einer Lösung des Problems. Neben der Entlastungsbohrung komme auch ein sogenannter „Kill“ mit einer Schlamminjektion in Betracht. Damals scheiterte BP mit der von allen Medien verfolgten „Top Kill“-Methode, bei der große Mengen Schlamm, Zement und Brocken aus Gummi in das Bohrloch in 1500 Meter gepumpt wurden, um es zu verstopfen. Für den britischen Ölkonzern war es nicht nur eine Umwelt- sondern auch eine Imagekatastrophe. Und sie hat den Konzern zig Milliarden gekostet.

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