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Gemeinsam wirtschaften Das Comeback der Genossen

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Der Member-Value

Fassadenmaler arbeiten an einem sanierten Plattenbau der Wohnungsbaugenossenschaft

Aber auch in Industrieländern werden zunehmend Aufgaben für Genossenschaften ausgemacht: Zum Beispiel dort, wo der demografische Wandel ländliche Regionen schwächt. Wo junge Leute wegziehen und Gemeindekassen entsprechend klamm sind, machen rein gewinnorientierte private Unternehmer häufig keinen ausreichenden Schnitt mehr, und sie ziehen weg oder schließen ihre Filialen.

Immer häufiger betreiben dann die Bewohner selbst, mal in Eigenregie und mal gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung, Dorfläden, Schwimmbäder oder Schulen. Kämmerer verschuldeter Ruhrgebietsgemeinden lassen sich zum Beispiel von einer Kulturgenossenschaft im fränkischen Ansbach anregen, die mit Faust-Inszenierungen, Kino und Konzerten für Furore sorgt.

Vor allem aber hat das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen, das nach der Finanzkrise gestiegen ist, die Genossenschaften wieder ins Blickfeld gerückt. Ihre Orientierung auf einen "Member Value", einen Nutzen für die Mitglieder, der über das reine Aktionärsinteresse ("Shareholder-Value") hinausgeht, die breitere Kontrolle durch die Mitglieder und die verpflichtenden Check-ups beim Prüfungsverband lassen die Kooperativen oft bodenständiger wirtschaften als andere.

Geld nur für nachhaltige Projekte

Vor schlechten Managern sind freilich auch Genossenschaften nicht gefeit. Und ihre Neigung zur Risikoscheu lässt sie ab und zu neue Chancen verpassen. Als vertrauenswürdige Geldverwahrer aber haben sie manchen verängstigten Sparer und Anleger nach der Finanzkrise überzeugt. Das erklärt Überraschungserfolge wie den eines Bochumer Kreditinstitutes mit dem ausgefallenen Namen "Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken".

Ursprünglich hatte sie in einer winzigen anthroposophisch geprägten Nische agiert, aber nun hat sie seit 2011 rund 4.000 neue Anteilseigner gewonnen und will laut Eigenwerbung die "erste sozial-ökologische Universalbank der Welt" sein. Und immerhin: Das Anlegergeld fließt hier nur in Projekte, die man für "nachhaltig" erachtet, zum Beispiel die Züchtung ökologischen Saatguts, die Einrichtung von Behinderten-Wohngemeinschaften, freier Schulen oder eines Vereins für mehr Demokratie.

Auch der Marktanteil der Volks- und Raiffeisenbanken stieg nach dem Schockjahr 2008 auf über 18 Prozent deutlich an. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, die sich in Zockeranlagen verheddert hatten, kamen die genossenschaftlichen Kreditinstitute ohne staatliche Milliardenhilfen über die Runden.

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