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Gemeinsam wirtschaften Das Comeback der Genossen

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Unbekannter Riese

Helga Ziegler, Mitarbeiterin der Agrargenossenschaft Calbe Quelle: dpa/dpaweb

Mediatoren, Modedesigner oder die Berlin MusicCommission, ein Zusammenschluss von Künstlern und Konzertveranstaltern, stärken sich mit gemeinsamen Labels oder kombinierten Produktangeboten gegenseitig. Locker verbunden in einer unkomplizierten Rechtsform, bei der man kein hohes Mindestkapital braucht und nur mit seinem Anteil haftet, könnten sie klein und unabhängig bleiben und sich trotzdem behaupten, sagt Theresia Theurl.

Rund 20 Millionen Bundesbürger sind heute an einem der über 7600 Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Dazu gehören 2.000 Wohnungsgenossenschaften. Das sind fünfmal so viele Genossenschaftler wie Aktionäre. Weltweit summierten sich 800 Millionen Mitglieder zu einem "unbekannten Riesen", schreibt Konny Gellenbeck, Leiterin der Zeitungsgenossenschaft der taz, in ihrem jüngst erschienenen Buch Gewinn für alle.

Lange wurde dieser Riese übersehen, weil Genossenschaften mit dem Image ökonomischer Kuschelecken für risikoscheue Geschäftsführer und piefige Kleinbürger zu kämpfen hatten. Man belächelte die Kooperativen, die aus der Alternativbewegung der siebziger Jahre übrig geblieben sind. Ihre Schwestern im Osten, die das Prinzip der Eigenverantwortung mit ihrer staatlichen Kontrolle pervertierten, galten ohnehin als Inkarnation sozialistischen Missmanagements. Trotzdem hat die Genossenschaftsidee im Stillen all das überdauert.

Zwischen Privat und Staat

Die Solidität gewinne neue Anziehungskraft, so erklärt sich das Theresia Theurl. Vor dem Hintergrund der globalen Finanz- und Klimakrisen würden Gemeinschaftsunternehmungen wieder als Chance ins Spiel gebracht, als "dritter Weg" zwischen Privat und Staat. Konny Gellenbeck schreibt, mit ihrem demokratischen Aufbau demonstrierten Genossenschaften ein "künftiges Wirtschaftsmodell, das den Horror des unregulierten Raubtierkapitalismus ebenso vermeidet wie die Lähmungen kollektiver Zwangswirtschaft".

Die Vereinten Nationen betonen unterdessen besonders den Beitrag der Kooperativen für eine "nachhaltige Entwicklung" und die "Beseitigung der Armut". In vielen ärmeren Ländern lebt die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land, und seit in den achtziger Jahren staatliche Vermarktungsorganisationen ausgedünnt wurden, sind die Erzeuger oft ähnlich verarmt und isoliert wie europäische Bauern zu Raiffeisens Zeiten.

In Genossenschaften, meinen manche UN-Experten, hätten sie größere Chancen, die Qualität ihrer Produkte zu verbessern und sich Zugänge zu Märkten zu erschließen.

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