Gläubigerversammlung Balz kann sich nicht durchsetzen

Nachdem Windreich-Gründer Willi Balz rund vier Monate abgetaucht war, dann aber vergangene Woche versucht hatte erneut Einfluss beim Windparkprojektierer zu gewinnen, musste er eine bittere Schlappe einstecken.

Balz und sein neuer Verbündeter, der renommierte Stuttgarter Insolvenzexperte Volker Grub, hatten einen eigenen Kandidaten für die Versammlung der Anleihegläubiger ins Rennen geschickt - der jedoch scheiterte. Mit Forderungen von 120 Millionen Euro sind die Inhaber von zwei Anleihen die größte Gruppe der Gläubiger, gefolgt von der Privatbank Safra Sarasin, die im August die Insolvenz von Windreich beantragt hatte.

Zu gemeinsamen Vertretern der Anleihegläubiger wurden im Neckar Forum in Esslingen Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth sowie Frank Günther von der Münchner Restrukturierungsberatung One Square Advisors gewählt. Offenbar konnte vor allem Günther die Anleiheinhaber mit der Ankündigung ködern, er habe Kontakte zu institutionellen Investoren, die bereits im Besitz von Windreich-Anleihen seien.

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Der Kandidat Balz und Grub, Joachim Illig vom Insolvenzverwalterbüro Illig Braun und Kirschnek in Stuttgart, konnte die Mehrheit der Windreich-Anleihe-Gläubiger nicht überzeugen. Zuvor hatte Balz laut Informationen der WirtschaftsWoche versucht, seinen Nachfolger auf der Geschäftsführerposition, den ehemaligen Windreich-Berater Werner Heer abberufen zu lassen um selber wieder Einfluss im Unternehmen zu bekommen.

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Balz scheiterte bei diesem Versuch, den er mit einem deftigen Brief an die Anleihezeichner flankierte, jedoch am Insolvenzverwalter Holger Blümle. Wie die WirtschaftsWoche weiterhin aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, werden die Verkaufs- beziehungsweise Finanzierungsbemühungen rund um den Nordsee-Windpark MEG 1 mit Hochdruck fortgesetzt.  

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