Großmanns letzter Auftritt RWE-Gewinn bricht ein

Der scheidende RWE-Chef Jürgen Großmann musste schlechte Zahlen verkünden. Währendessen hält sein Nachfolger die Zügel bereits in der Hand.

Jürgen Großmann, kommt am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz von RWE 2011 Quelle: dpa

Im betagten „Mehrzwecksaal“ des Wattikan, so wird in Essen der Altbau der RWE-Zentrale genannt, ist großes Kino. Der umstrittene Noch-RWE-Chef Jürgen Großmann, aktiver Verfechter von Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke, zieht Bilanz für das Jahr 2011, das Jahr von Fukushima, das Jahr der abrupten deutschen Energiewende. Neben ihm sitzt Peter Terium, sein designierter Nachfolger. Denn Großmanns Vertrag wird nicht verlängert.

Gewinn 2011 eingebrochen

RWE ist von der Energiewende der Bundesregierung hart getroffen worden. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist um 17,5 Prozent auf 8,460 Milliarden Euro gefallen. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis ist um 33,9 Prozent auf 2,479 Milliarden Euro geschrumpft. 2012 und 2013 soll das betriebliche Ergebnis unter Berücksichtigung der Beteiligungsverkäufe auf dem Niveau von 2011 bleiben. Das nachhaltige Nettoergebnis solle ebenfalls stabil bleiben.

Ein Ersatz für die wegfallende Gewinne aus der Kernkraft ist weit und breit nicht in Sicht. Die Offshore-Technik des Windradstroms braucht enorme Kapitalmengen, um realisiert zu werden. RWE stellte bisher für die erneuerbare Energien jährlich über eine Milliarde Euro zur Verfügung.

Doch das reicht bei weitem nicht aus. Die Ergebniszahlen des Konzerns sind überschattet von der Frage, wann die Stromnetze endlich so ausgerüstet sind, dass sie den Windstrom vom hohen Norden in den industrialisierten Süden transportieren können. Der Netzbetreiber Tennet fordert wegen der ungeklärten Lage ein stärkeres Engagement des Staates in den Netzausbau. Im Jahr 13 der Liberalisierung wird also wieder der Ruf nach dem Staat lauter.

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ an, diesem Mitarbeiterkreis 2014 „keine generelle Gehaltserhöhung zu gewähren“. Hintergrund sei die schwache Ertragskraft des Konzerns, die 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen werde. Neben den Aktionären, die für 2013 eine halbierte Dividende hinnehmen müssen, sollten alle Beschäftigten „ihren Beitrag zur langfristigen Sicherungen der Finanzkraft leisten“. Durch die Maßnahme will der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag sparen. Quelle: dpa
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Entlastung von 750 Millionen Euro bringen. Bis Ende 2014 werden 1350 Stellen bei EnBW gestrichen - das soll Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Der Umbau soll sozialverträglich organisiert werden. Freie Stellen - vor allem in der Verwaltung - werden nicht neu besetzt, Altersteilzeitangebote umgesetzt und Abfindungen gezahlt. Vor dem Sparprogramm arbeiteten 21.000 Menschen für EnBW. EnBW hat im Zuge der Energiewende das Kernkraft Neckarwestheim bereits teilweise stillgelegt, das Werk Obrigheim befindet sich im Rückbau. Am Netz sind noch Philippsburg und Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung). Quelle: dpa

Auf dem zurzeit sehr chaotischen Energiemarkt, in dem es vor allem an Entscheidungen in der Politik aber auch in den Unternehmen fehlt, wie der Ausstieg aus der Kernenergie für ein Industrieland wie Deutschland zu bewerkstelligen ist, ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die schlechte wirtschaftliche Lage in Südeuropa führt auf dem ganzen Kontinent zu erheblichen Überkapazitäten.

Die Strompreise sinken. Ausgerechnet bei der CO2-trächtigen Braunkohle verdient RWE gutes Geld, weil auch die Emissionskosten zur Zeit niedrig sind. Aber Braunkohle ist auch keine Zukunftsenergie mehr, der hohe CO2-Ausstoss verhindert die Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele, auf die sich die Bundesregierung in Brüssel verpflichtet hat.

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