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HalbjahreszahlenWie Uniper aus dem Geschäft mit dem Gas aussteigen will

Dank Staatsmilliarden hat der Gaskonzern Uniper die Versorgungskrise im vergangenen Jahr überstanden. Das neue Vorstandsteam will das Unternehmen nun nachhaltiger machen und reprivatisieren. Wie das gelingen soll.Henrike Adamsen 01.08.2023 - 17:47 Uhr

Neben den Halbjahreszahlen präsentierte der Uniper-Vorstand am Dienstag auch seine neue Geschäftsstrategie.

Foto: imago images

Uniper bleibt ein Gaskonzern – aber nur bis 2030. Danach, so die zentrale Botschaft, die sich Konzernchef Michael Lewis für seinen ersten großen öffentlichen Auftritt zurechtgelegt hatte, soll grüner Wasserstoff übernehmen. Die neue Geschäftsstrategie konkretisiert den Umbau des Konzerns hin zu Klimaneutralität und sieht bis 2030 Investitionen in Höhe von acht Milliarden Euro vor. Damit will Uniper Wasserstoff-fähige Gaskraftwerke bauen, in erneuerbare Energien und deren Speicherung investieren. Von seinen Kohlekraftwerken verabschiede sich das Unternehmen bis 2029, erklärte Lewis.

Für den Konzern, der einst aus der Gassparte des Energiekonzerns E.On hervorgegangen war, ist das ein durchaus radikaler Schritt – der nach der Gaskrise im vergangenen Jahr dennoch fast unvermeidbar schien. „Das ist ambitioniert“, sagte Lewis dazu. Er vergleicht den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft mit dem der erneuerbaren Energien vor zwanzig Jahren. Sobald der Markt und die Lieferketten aufgebaut seien, werden die Kosten fallen, erwartet der Uniper-Geschäftsführer. Bis 2030 sollen zunächst nur fünf bis zehn Prozent der Gaserzeugung aus nachhaltigen Quellen kommen. Das heißt aus grünem Wasserstoff, Biogas und Biomethan. Will der Konzern seine Ziele einhalten, müsste er also in den Jahren 2030 bis 2040 90 bis 95 Prozent der Gasproduktion auf Wasserstoff umstellen.

Ob diese Strategie aufgeht, ist nicht nur für den Manager Lewis von Bedeutung – sondern auch für den Bund. Im Dezember 2022 verstaatlichte die Bundesregierung den Gaskonzern, weil Russland die Erdgaslieferungen an das Unternehmen eingestellt hatte. Da Uniper weiterhin vertraglich an Gaslieferungen gebunden war, kaufte das Unternehmen auf dem Gasmarkt – zu viel höheren Preisen. 13,5 Milliarden Euro Steuergelder hat Uniper durch den Eingriff erhalten. Bis zu 33 Milliarden hätten zur Verfügung gestanden.

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Damit diese Milliarden irgendwann zurückfließen, holte der Bund Lewis an Bord, der erst im Juni sein Amt übernahm und sich nun ebenso wie die anderen Mitglieder des Vorstands der Öffentlichkeit präsentierte. Carsten Poppinga, der neue Handelschef (Chief Comercial Officer) verließ früher als zunächst gedacht seine Position beim Düsseldorfer Energiekonzern Statkraft und hatte am Dienstag seinen ersten Arbeitstag. Lewis verantwortete zuvor die E.On-Landessparte in Großbritannien.

Die Halbjahreszahlen des Unternehmens zeigten, wie stark sich Uniper bereits von der durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste Versorgungskrise erholt hat. „Das sind die besten Halbjahres-Ergebnisse seit der Gründung“, erklärte Finanzvorständin Jutta Döngens. Im ersten Halbjahr 2023 verzeichnet das Unternehmen einen bereinigten Konzernüberschuss von 2,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis beruhe allerdings auf außergewöhnlichen Effekten, die sich im nächsten Jahr vermutlich nicht wiederholen würden, ordnete Dönges ein. Denn sie basieren vor allem auf einer Abmachung, die das Unternehmen mit der Bundesregierung und der EU ausgehandelt hatte. Dadurch wurde Uniper von der Verpflichtung befreit, die gesamte zu liefernde Gasmenge zu hohen Preisen am kurzfristigen „Day-ahead“ Markt zu kaufen. Stattdessen erwarb das Unternehmen Gas über Termingeschäfte, verschob den Kauf sozusagen in die Zukunft, und profitiert nun von den fallenden Preisen am Markt. So sehr, dass Uniper allein dieser Schritt mittlerweile zwei Milliarden Euro eingebracht hat. 

Aufgrund der Verstaatlichung ist der Gaskonzern allerdings auch an EU-Auflagen gebunden. Dazu gehört, dass das Unternehmen prüfen muss, ob es nach den staatlichen Finanzhilfen besser dasteht als vorher. Wenn ja, muss Uniper für Rückzahlungen aufkommen. Die Auflegen sehen auch vor, dass Uniper das Kohlekraftwerk Datteln 4 verkaufen muss. Über den Stand der Abwicklung sagte Geschäftsführer Lewis jedoch nichts.

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Die Bundesregierung ist ebenfalls in der Pflicht: Bis Ende des Jahres muss sie eine so genannte „Exit-Strategie“ vorlegen, wie die Reprivatiserung des Konzerns ablaufen kann. Bis spätestens 2028 hat die Regierung dann Zeit den Plan umzusetzen. Am Ende darf sie maximal 25 Prozent und eine Aktie des Unternehmens halten. „In unserem Interesse ist es, so schnell wie möglich zu re-privatisieren“, fügte die Finanzvorständin Dönges hinzu. Dafür wolle sie Uniper wieder finanzmarktfähig machen.

Mit 99 Prozent ist die Bundesregierung der Hauptanteilseigner von Uniper. Als Möglichkeiten der Reprivatisierung stehen ein Verkauf an einen oder mehrere Großinvestoren im Raum. Der Erlös aus dem Verkauf wäre neben den möglichen Rückzahlungen der Subventionen die Haupteinnahmequelle, durch die der Bund die 13,5 Milliarden Euro Steuergelder wieder zurückbekommen könnte.

Dafür aber müsste jener Umbau gelingen, den Lewis nun angekündigt hat – und das ist alles andere als trivial. Momentan produziert Uniper 22,5 Gigawatt Energie pro Jahr. 2030 werden es laut Angaben des Unternehmens nur noch 15 bis 20 Gigawatt sein. Allein mit dem Ende der Kohlekraftwerke brechen sechs Gigawatt weg. Die grüne Transformation bedeutet für Uniper also erst mal auch: Das Unternehmen produziert weniger Energie.

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