Hauptversammlung EnBW sucht neue Geschäfte

Energieversorger aus Baden-Württemberg erleidet Rückschläge im Stromgeschäft. Hauptversammlung in Karlsruhe.

Bei der Hauptversammlung schenkte der neue EnBW-Chef Frank Mastiaux den rund 1.000 versammelten Aktionären reinen Wein ein. Quelle: dpa

Der neue EnBW-Chef Frank Mastiaux schenkt den rund 1.000 in Karlsruhe versammelten Aktionären reinen Wein ein: "Das Energiegeschäft wandelt sich tiefgreifend. EnBW wird es auch tun." Sehr viel Einfluss haben die Kleinaktionäre bei EnBW nicht. Das Unternehmen wird vor allem von zwei Großaktionären beherrscht: Das Land Baden-Württemberg und der kommunale Zweckverband OEW, die oberschwäbischen Kommunen. Beide zusammen halten mehr als 90 Prozent der Anteile.

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm

EnBW spürt nach den Worten von Mastiaux die schwieriger gewordenen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Immerhin erwirtschaftet die EnBW wieder Gewinne. Das Ergebnis Ebitda (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) lag im vergangenen Geschäftsjahr mit rund 2,3 Milliarden Euro allerdings um 4,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zwei Atomblöcke von vieren sind abgeschaltet. Das reißt tiefe Spuren in der Bilanz: So belief sich das operative Ergebnis im Geschäftsfeld Stromerzeugung und Handel im Jahr 2012 auf rund 1,3 Milliarden Euro. Dies sind über 700 Millionen Euro oder 36 Prozent weniger als noch im Jahr 2010, rechnete Mastiaux den Aktionären vor.

EnBW nach 20 Monaten Energiewende

Um den Abschmelzungsprozess aufzuhalten, hat Mastiaux ein Programm "EnBW 2020" gestartet. Es sollen neue Geschäftsfelder und Gewinnquellen ausgemacht werden. Im Sommer will Mastiaux früheren Planungen zufolge mit ersten Ergebnissen der Arbeitsgruppen aufwarten. Fest steht: EnBW soll dienstleistungsorientierter und kundennäher werden. Was das genau heißt, dieses Geheimnis wird erst in den nächsten Monaten gelüftet.

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Mitten hinein in diesen Häutungs- und Selbstfindungsprozess der EnBW platzte vor Wochen eine Razzia in den Geschäftsräumen des Versorgers. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte auch Privathäuser ehemaliger  EnBW-Manager, um Licht in die Geschäfte der EnBW mit dem russichen Lobbyisten Andrej Bykow zu bringen. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass EnBW-Manager Bykow geschmiert haben sollen, um an lohnende Gaslieferverträge in Russland heranzukommen.

Bisher konnte dieser Verdacht aber nicht erhärtet werden.

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