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Interview Marc Gericke "Prokon kann sicherlich nicht einfach so weitermachen"

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Prokon veröffentlichte bislang keine testierte Konzernbilanz

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Wirtschaftswoche: Was schlagen Sie vor?
Prokon bittet die Anleger darum, ihr Geld noch mindestens zehn Monate im Unternehmen zu lassen. Das ist ein überschaubarer Zeitraum. Wenn sie dem zustimmen, haben sie meines Erachtens nicht viel zu verlieren. Wenn es Prokon gelingt, die unrentablen Geschäftsbereiche los zu werden und Prokon zahlungsfähig bleiben sollte oder wäre, finden sie in einem dreiviertel Jahr dieselbe Situation vor wie heute. Im besten Fall gelingt es Rodbertus bis dahin, das Unternehmen zu stabilisieren und gegebenenfalls Beteiligungen oder Windparks zu verkaufen. Dass die Anleger ihr eingesetztes Kapital komplett zurückerhalten, erachte ich zwar auch dann für unwahrscheinlich. Aber zumindest könnten sie mehr raus bekommen, als bei einer Insolvenz.

Andere Anwälte raten den Anlegern ihr Geld mittels eines Urkundsverfahrens einzuklagen. Was halten Sie davon?
Gar nichts. Bei einem Urkunden-Prozess müssen sie zum einen schriftlich darlegen, dass sie einen Anspruch gegen das Unternehmen haben. Das dürfte noch recht einfach sein. Sie müssen nachweisen, dass sie die Genussrechte gezeichnet und gekündigt haben und ihre Forderung fällig ist. Aber wie wollen sie die Höhe ihres Anspruchs nachweisen? Laut der Genussrechtsbedingungen haben die Anleger keinen Anspruch auf ihr eingesetztes Kapital, sondern nur einen Anspruch auf das Genussrechtskapital zum aktuellen Buchwert. Da Prokon aber bislang keine testierte Konzernbilanz veröffentlicht hat, dürfte es sehr schwer sein, die Höhe des Buchwerts nachzuweisen. Falls es doch zu einer Insolvenz käme, hätten die Anleger zusätzlich die Kosten des Prozesses zu tragen.

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Aber es ist doch nicht die Schuld der Anleger, dass Prokon es bislang nicht geschafft hat, eine testierte Bilanz für 2012 vorzuliegen?
In einem Urkundsverfahren ist der Kläger leider in der Beweispflicht. Ob es seine Schuld ist, dass die Zahlen nicht vorliegen, spielt hier Rolle.

Dass Prokon bislang keine anständige Bilanz veröffentlicht hat ist doch eher ein Argument dafür, dem Prokon-Chef nicht weiter blind zu vertrauen?
Das stimmt. Deshalb erwarte ich von Rodbertus, dass er jetzt endlich die Transparenz herstellt, die er immer verspricht. Es müssen unabhängige Prüfer ins Unternehmen und sich einen Überblick verschaffen wie viel Geld da ist und was die Vermögenswerte wie Windparks und ähnliches wert sind. Die Werte die Rodbertus einst angesetzt hat, können ja nicht sonderlich realistisch gewesen sein, sonst hätten ihm die Wirtschaftsprüfer nicht das Testat für die Bilanz versagt. Wenn Anleger einer Sanierung zustimmen und das Geld im Unternehmen belassen sollen, brauchen sie zuerst einmal verlässliche Zahlen.

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