Johannes Teyssen E.On-Chef bekommt Fünfjahres-Vertrag

Johannes Teyssen hat das Vertrauen des Aufsichtsrat, aber kein Patentrezept, wie er den Energiekonzern E.On aus der Krise steuert.

Mit welchen Problemen E.On zu kämpfen hat
Knappe KassenE.On braucht Geld, und zwar dringend. 2011 hat E.On in Folge des Atomausstiegs erstmals in seiner Firmengeschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen, ein Minus von rund 1,9 Milliarden. Noch im Vorjahr hatte der Konzern einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro verbucht. 2012 schaffte es Konzernchef Teyssen wieder einen Nettoüberschuss von 4,3 Milliarden zu erwirtschaften. Für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung dessen. Nur noch 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro sollen hängen bleiben. Quelle: dapd
Investition in SchwellenländerRaus aus Europa und rein die Schwellenländern. Was E.On mit dem Verkauf seiner Beteiligungen einnimmt, soll in die Energiewirtschaft in Brasilien, Indien und der Türkei reinvestiert werden. Im Dezember hat E.On. durch einen Anteilstausch mit der österreichischen Verbund AG die Hälfte des türkischen Stromerzeugers Enerjisa übernommen. Im Gegenzug erhielt die Verbund AG Anteile an bayerischen Wasserkraftwerken. Mit dem Einstieg in der Türkei mache E.on einen "großen Fortschritt bei der Umsetzung unserer Konzernstrategie", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Quelle: REUTERS
Schleppendes GasgeschäftDer russische Vorlieferant Gazprom lässt E.On zappeln und hält die Langfristpreise hoch. Zwar erzielten E.On-Manager ein kurzfristig geltende Vereinbarung, die Linderung der Gaspreise versprach, eine Dauerlösung stellt dies jedoch nicht dar, da sich die Russen die permanente Überprüfung seiner Preisnachlässe vorbehalten hat. Quelle: dpa/dpaweb
Kostspielige WindparksE.On ist derzeit der weltweit drittgrößte Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen und investiert zwei Milliarden in drei neue Projekte - Amrumbank West, Humber Gateway vor der britischen Küste und Karehamn in Schweden. Insgesamt sind E.On die Kosten für die Offshore-Parks zu hoch, bis 2015 sollen sie um 40 Prozent sinken. E.On will günstiger bei den Lieferanten einkaufen, leistungsfähigere Windkraftanlagen einsetzen und bei der Projektierung und beim Bau der Parks sparen. E.On-Chef Johannes Teyssen hat angekündigt, beim Ausbau des Ökostromgeschäfts verstärkt auf Kooperationen zu setzen. Der Konzern müsse nicht jede Anlage komplett besitzen. Quelle: dpa
Lohnforderungen und StreiksImmerhin an einer Front gibt es positives zu berichten. Am 6. Februar 2013 haben sich die Gewerkschaften mit der E.On-Führung geeinigt. Die 30.000 E.On-Beschäftigten in Deutschland wollten ursprünglich 6,5 Prozent mehr Lohn - jetzt gibt es rückwirkend zum 1. Januar 2013 2,8 Prozent mehr plus eine Einmalzahlung von 300 Euro. Das erste Angebot von E.On hatte bei 1,7 Prozent gelegen. Quelle: dpa
Verlustgeschäft GaskraftwerkeDie hochmodernen Gaskraftwerke im bayerischen Irsching sind extrem unterfordert. Nur 2.000 Betriebsstunden erreichten sie im Jahr, das ist weniger als ein Viertel der Gesamtkapazität. Unter solchen Umständen sind Gaskraftwerke für E.On nicht mehr gewinnbringend zu betreiben. Auch die kommunalen Mitgesellschafter drängten aus den Gaskraftwerken heraus, weil die klammen Kommunen Verluste ihrer Beteiligungen befürchten. Quelle: dpa
Unerwünschte BeteiligungenE.On will sich von zahlreichen Beteiligungen in Deutschland und Europa trennen, um Geld in die Kassen zu spülen. Geschäfte im Wert von 15 Milliarden Euro will der Energieriese verkaufen. Die Tochter E.On Thüringer Energie ging zu 43 Prozent an den dortigen Kommunalverband, E.On hält noch zehn Prozent, will aber auch dieses Restpaket loswerden. Die Transaktion ist eingebettet in eine strategische Abwurfaktion. E.On will drei der derzeit sieben deutschen Regionalversorger abstoßen. E.On Westfalen-Weser ist in Verkaufsverhandlungen, auch E.On Mitte soll vom Düsseldorfer Konzern abgetrennt werden. Insgesamt sollen die Trennung von den Regionalversorgern zwei bis drei Milliarden Euro bringen, schätzen Energie-Analysten. Quelle: dpa

Bis 2018 kann Johannes Teyssen nun weitermachen, quasi erst in letzter Sekunde vor der Bilanzpressekonferenz wurde sein Vertrag verlängert. In der Vergangenheit war auch viel Kritik an ihm geäußert worden: Er würde autokratisch regieren, sich abschotten, und auch seine Brasilien-Strategie war Ziel vieler Wenns und Aber an seiner Person. Mit dem deutschstämmigen Brasilianer Eike Batista hatte Teyssen ein Gemeinschaftsunternehmen für den Betrieb von Kraftwerken in Brasilien gegründet. Doch nun sagen Medienberichte, Batista sei in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und E.On in einer Sackgasse mit den ehrgeizigen Plänen, in Schwellenländern sein Glück zu versuchen. Doch zum Schluss wog dies alles nicht sehr schwer. Aufsichtsratschef Werner Wenning sieht in Teyssen den Mann, der E.On aus dem Dilemma der Energiewende steuert.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

Mit dem Wegbrechen der Atomgewinne, der dramatischen Unterlastung von hochmodernen Gaskraftwerken und dem unrentablen Lauf von Steinkohlemeilern ist diese Malaise der Energiewende schnell beschrieben. Johannes Teyssen hat darauf keine Patentantwort. Er ist auf der Suche nach neuer Liquidität und damit neuer Gestaltungskraft für den Konzern. Der Verkauf von Regionalgesellschaft, eins stolzer Besitz von E.On, steht auf der Tagesordnung. Das sind unwiederbringliche Schätze und kundennahe Betriebe. Auch wenn sie zur Zeit nicht sehr ertragreich sind, haben sie dennoch das, was andere erst mit hohem Werbeaufwand herstellen müssen, Vertrauen und Verankerung in der regionalen Kundschaft der privaten Haushalte. Diese haben zudem den Vorteil, dass sie nicht sehr wechselfreudig sind. Das jedoch sieht der E.On-Vorstand als nicht prioritär an und stellt die Kommunalunternehmen zum Verkauf.

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Die Verkäufe sollen die Schulden abbauen. Die Verbindlichkeiten, zu denen neben den Bankschulden auch künftige Pensionsverpflichtungen gehören, belaufen sich auf knapp 36 Milliarden Euro. Die Investitionen schrumpft Teyssen radikal: Waren es 2012 noch 7 Milliarden Euro, werden es in diesem Jahr nur noch 6 Milliarden Euro sein. 2015 will E.On nur noch 4,5 Milliarden Euro investieren. Und die Beschäftigten müssen die Last auch tragen. Bis 2015 streicht E.On rund 11.000 Stellen, 6.000 davon in Deutschland.

Zwei Vorstände müssen gehen: Die Personalvorständin Regine Stachelhaus, die nach eigenen Angaben allerdings aus privaten Gründen geht, und Technologiechef Klaus-Dieter Maubach. Neu auf die Kommandobrücken kommen Mike Windel als neuer Ökostromchef und der bisherige RWE-Vorstand Leonard Birnbaum als Strategieverantwortlicher.

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