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Kampf für Windmühlen Windreich-Chef Balz will weitermachen

Seit gut zwei Jahren steckt der Windkraft-Pionier Windreich in der Insolvenz fest. Aber Firmengründer Willi Balz sprüht vor Optimismus und glaubt, dass 2016 die Wende kommt.

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Nein, aufgeben wird Willi Balz nicht. Andere hätten vielleicht längst das Handtuch geworfen. Balz nicht: „So schlecht wie meine Feinde denken geht's mir gar nicht“, sagt er und lächelt - so gut es eben geht. Tatsächlich sieht der 55-Jährige etwas müde aus. Doch Balz' Optimismus und Kampfgeist scheint ungebrochen. „Mein Ziel ist weiterhin, ein Offshore-Projekt pro Jahr ans Netz zu bringen.“ Danach sah es zuletzt nicht aus. Fast drei Jahre ist es her, dass alles um ihn herum zusammenbrach: Erst klopfte die Staatsanwaltschaft an, dann kam die Insolvenz.

Balz' 1999 gegründete Firma Windreich plant zusammen mit Partnern Windparks auf hoher See. Das Unternehmen aus dem 800 Kilometer von der Küste entfernten schwäbischen Dorf Wolfschlugen beschafft Genehmigungen und beauftragt den Bau - kurz vor Baubeginn oder wenn die Parks am Netz sind, wird an Investoren verkauft. Eine Wette, für die Balz einstand. Mit Hunderten Millionen Euro, die er von Geldgebern eingesammelt hatte, und knapp 200 Millionen Euro aus dem eigenen Vermögen.

Willi Balz: Flotte Sprüche - hohle Worte

Das Geschäft ist nicht ohne Risiko. In einer Genehmigung stecken, so rechnet Balz vor, sechs bis acht Jahre Arbeit und 20 bis 40 Millionen Euro. Windreich häufte über Jahre mehr und mehr Schulden an. Die Gläubiger wurden nervös. Im März 2013 klopfte die Staatsanwaltschaft an. Sie ermittelt wegen Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung - bislang ist es zu keiner Anklage gekommen. Wenige Monate später wurde das Insolvenzverfahren gegen Windreich eröffnet. Ein Jahr darauf war Balz auch privat pleite. Die Bank Safra Sarasin hatte den Antrag auf Privatinsolvenz gestellt. Das Institut hatte Windreich Kredite über rund 75 Millionen Euro gewährt, für die Balz persönlich bürgte.

„Die Privatinsolvenz ist das überflüssigste, da verlieren alle“, sagt Balz. Seine Motorräder wurden abgeholt, seine beiden Flugzeuge, von seinen 100 Immobilien, mit denen er sein Vermögen gemacht hat, sind nach Balz' Angaben gut 20 versteigert. „Und zwar zu den miserablen Preisen, die man bei Versteigerungen eben erhält.“ Im Moment lebt er von der Unterstützung von Familie und Freunden - eine harte Landung. Balz glaubt nach wie vor, dass Gegner der Energiewende ihm übel mitgespielt haben: „Ich bin nicht gescheitert, ich wurde gescheitert.“

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