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Klimaschutz Emissionshandel belastet deutsche Industrie

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Leere Flaschen: 257 Millionen Quelle: dpa

Doch ein solches Szenario ist eher unwahrscheinlich. Nach französischer Regie soll am 4. Dezember beim Umweltrat in Brüssel die Einigung stehen. Wichtige Verbündete wissen die Franzosen auf ihrer Seite, etwa Schweden und Briten. Großbritannien ist vom Emissionshandel begeistert, nicht nur, weil das verarbeitende Gewerbe auf der Insel immer unwichtiger wird im Vergleich zur Dienstleistungsindustrie. Der Finanzplatz London hofft, den Emissionshandel künftig abzuwickeln. „Die Londoner Finanz-Community ist mit Augen und Ohren in Brüssel dabei“, beobachtet der liberale Europa-Abgeordnete Holger Krahmer, „es ist nicht zu übersehen, dass sie Interesse an einem Markt für Kohlendioxid hat.“

So hält die Schattenberichterstatterin im Umweltausschuss, die Labour-Abgeordnete Linda McAvan, engen Kontakt zur City. Und es war wohl kein Zufall, dass Kommissionspräsident Barroso im Januar in einem Vortrag bei der mittlerweile insolventen Investmentbank Lehman Brothers in London die Vorzüge des Emissionshandels pries, bevor er seine Vorschläge überhaupt vorgelegt hatte. „Emissionshandel kann klimafreundlich, marktfreundlich, industriefreundlich und letztendlich auch freundlich für Arbeitsplätze und Wachstum sein“, betonte er damals. Das Publikum vernahm die Botschaft gerne.

Besonders empört ist die Strom- und Stahlindustrie

Was der Briten und Franzosen Freud’, ist der Deutschen Leid. Besonders empört ist die Strom- und die Stahlindustrie. Karl-Ulrich Köhler, Stahlchef von ThyssenKrupp: „Wenn die Pläne zum Emissionshandel nicht grundlegend revidiert werden, erwarten wir milliardenschwere Zusatzlasten.“ Er unterstellt, dass der Zertifikatspreis pro Tonne im Jahr 2020 – wenn die CO2-Emission in der EU um ein Fünftel reduziert sein soll – bei 50 Euro pro Tonne CO2 liegen werde. Jetzt liegt der Preis pro Tonne bei 23 Euro. Die Belastung für ThyssenKrupp liege dann bei einer Milliarde Euro im Jahr 2020, „die nicht im hart umkämpften Markt weitergegeben werden können“.

Bisher war es der von der Konjunktur verwöhnten Stahlindustrie möglich, den schwarzen Peter an den Kunden weiterzureichen. Doch niemand erwartet, dass der gegenwärtige Stahlboom noch lange anhält. „Eine Milliarde Zusatzkosten könnten in einer Phase des Stahlabschwungs locker rote Zahlen für einen deutschen Hersteller wie ThyssenKrupp bedeuten“, ahnt ein pessimistischer Brancheninsider.

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