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Kraftwerksreserven Statkraft ruft nach Subventionen

Das norwegische Unternehmen Statkraft - einer der größten Erzeuger erneuerbarer Energien in Europa - spricht sich für Kapazitätszahlungen aus, um unausgelastete Kraftwerke betriebsbereit zu halten.

Jürgen Tzschoppe einer der Geschäftsführer von Statkraft Deutschland: „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es irrational, moderne Gaskraftwerke stillzulegen, während wahrscheinlich in fünf Jahren, wenn die Stromnachfrage anzieht, wieder neue Anlagen gebaut werden müssen.“ Quelle: dpa


Die Messe „E-World“ in Essen ist ein Treffpunkt von Energiemanagern, die ihre frühere Champagnerlaune nun eher in Skepsis umgetauscht haben. Wer von einem Unternehmen kommt, das vor allem Gas- und Kohlekraftwerke betreibt, zeigt sich noch ein wenig betrübter als die Manager von Windparks- und Sonnenkollektoren, die ein Zurückstutzen des bisher so prächtig laufenden Umlageverfahrens (EEG) fürchten müssen.

Mit in den Chor der Mahner tritt nun auch Jürgen Tzschoppe ein, einer der Geschäftsführer von Statkraft Deutschland. Statkraft ist europaweit einer der größten Erzeuger erneuerbarer Energien. Der Konzern baut und betreibt Wasser-, Wind-, Gas- und Fernwärmekraftwerke und beschäftigt dazu 3.600 Mitarbeit in mehr als 20 Ländern. Auf der E-World Energy & Water sagt Tzschoppe zu seinem in Schieflage geratenen Geschäft mit den Gaskraftwerken: „Momentan tragen allein die Kraftwerksbetreiber die Kosten für die Vorhaltung der Kraftwerke. Gaskraftwerke sind aber bereits jetzt nötig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wir halten sie betriebsbereit und speisen bei Bedarf in das System ein.“ Das will sich Tzschoppe jetzt bezahlen lassen.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa

Seine Forderung begründet er mit dem volkswirtschaftlichen Nutzen, nicht mit der Kalkulation von Statkraft: „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es irrational, moderne Gaskraftwerke mit einem Effizienzfaktor von nahezu 60 Prozent stillzulegen, während wahrscheinlich in fünf Jahren, wenn die Stromnachfrage anzieht, wieder neue Anlagen gebaut werden müssen“, sagt Tzschoppe. Nötig sei ein neues Marktdesign, das nicht nur die Energieerzeugung, sondern auch die Vorhaltung der Kapazität honoriert.

Soll Kunden jetzt auch in anderen Branchen eine Umlage für schlechtlaufende Geschäfte aufgebürdet werden?

Soll es Subventionen für unterbeschäftigte Kraftwerke geben?

Falsch, sagen die Interessenvertreter der Energiebranche. Die Energieversorgung ist keine Branche wie jede andere, sie stellt eine wesentliche Infrastruktur für den Industriestandort Deutschland dar. Einen Blackout, eine Marktbereinigung im Sinne der Neoliberalen dürfe es nicht geben, da damit die Existenzgrundlage des Hochindustrie-Standortes Deutschland in Frage gestellt werde. Und so wird ein Beispiel angeführt, das jede Diskussion in Richtung Kapazitätsmarkt lenken soll: Auch die Feuerwehr wird bezahlt, wenn sie in Bereitschaft ist und nicht nur dann, wenn sie ein Feuer löscht. Also seien Kapazitätszahlungen auch keine Subventionen.

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Einen Kapazitätsmarkt wird es wahrscheinlich erst ab 2020 geben. Zur Zeit werden verschiedene Modelle im Bundeswirtschaftsministerium und in den Verbänden entworfen und diskutiert. Denkbar ist auch, dass es einen deutsch-französischen Kapazitätsmarkt geben wird, so wie in der Energieagentur Dena zur Zeit angedacht wird. Statkraft könnte dann mit seinem Gaskraftwerk in Hürth bei Köln auch von der neuen Umlage für Kapazitäten profitieren.

Und das scheint auch bitter nötig zu sein: Statkraft hat 2013 wegen des stark gefallenen Börsenstrompreises mit seinen Gaskraftwerken einen Produktionseinbruch erfahren. Die Erzeugung ist, so Tzchoppe, um die Hälfte auf nur noch eine Terawattstunde gefallen, die Marge betrage praktisch null. Für den jährlich rund 20 Millionen Euro teuren Weiterbetrieb der kaum genutzten Gaskraftwerke in Hürth-Knapsack bei Köln und bei Herdecke mit zusammen 1,4 Gigawatt muss Statkraft kräftig draufzahlen.

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