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Mobilfunk E.On steigt ins Funkturmgeschäft ein

E.on will seine Strommasten künftig als Standorte für Mobilfunkantennen vermarkten. Quelle: imago images

E.On will seine Strommasten künftig als Standorte für Mobilfunkantennen vermarkten und gründet dafür eine eigene Tochtergesellschaft. Der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern kommt das Angebot sehr gelegen.

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Mehr als 100.000 Strommasten hat E.On über Deutschland verteilt. An ihnen hängen die Stromleitungen für Hoch- und Mittelspannung – doch das bleibt nicht mehr ihre einzige Aufgabe. Der größte Energieversorger Deutschlands gründet eine eigene Funkturmtochter, die E.On TowerCo, um diese Strommasten auch als Mobilfunktürme zu vermarkten.

Zusätzlich sollen auch Dächer von E.On-Immobilien sowie andere Grundstücke des Unternehmens als Antennenstandorte vermietet werden. „Wir nutzen vorhandene Infrastruktur für die Verbesserung des Mobilfunknetzes“, sagt E.On-Manager Bernd Böddeling.

E.On hofft auf unbürokratische Prozesse, eine Baugenehmigung sei nicht mehr nötig. Außerdem muss kein neuer Turm gebaut werden. Die Stromnetze der E.On verlaufen quer durch Deutschland und auch tief in die ländlichen Gebiete, wo es noch viel Ausbaubedarf für die Mobilfunknetze gibt. „Der Ausbau der Strommasten ist eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Tower-Netzwerke der Mobilfunkbetreiber“, sagt Michael Opitz, Partner bei der Beratungsfirma Arthur D. Little.



Die Mobilfunkanbieter und ihre eigenen Tower Companies, wie zum Beispiel die Deutsche Funkturm der Deutschen Telekom oder die gerade an die Börse gegangene Vantage Towers von Vodafone, betreiben zusammen in Deutschland 74.000 Antennenstandorte – die meisten davon in Innenstädten. Den zusätzlichen Bedarf an neuen Mobilfunkstandorten in Deutschland können sie aus eigener Kraft allein kaum decken.

Im vergangenen Jahr baute die Deutsche Funkturm 500 neue eigene Antennen. Insgesamt 6000 neue Antennen müssen als Auflage für die Lizenzvergabe zwischen 2022 und 2024 fertiggestellt werden. Dazu kommen weiter 1400 neue Standorte, die der Mobilfunkpakt vorschreibt, damit ein Prozent mehr Haushaltsabdeckung in Deutschland erreicht wird. Außerdem soll die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft des Bundes (MIG) weitere 5000 Standorte aufbauen.

Viele der E.On-Stromtrassen verlaufen entlang von Autobahnen und Bahnstrecken – ideale Standorte, um hier Antennen zu platzieren. Doch eins zu eins werden sich Strommasten nicht als Funkturm nutzen lassen. Zum einen müssen sie genau in dem Suchkreis stehen, wo eine Mobilfunkgesellschaft Aufbaubedarf sieht. Denn die Erschließung mit Strom und Glasfaser zum Betreiben einer Antenne ist aufwendig, auch wenn kein neuer Turm gebaut werden muss. „Die Mobilfunkbetreiber machen keine Kompromisse bei den Locations“, sagt Opitz.

Zum anderen muss gewährleistet sein, dass die Türme hoch genug sind, so dass sie attraktiv sind für den Mobilfunk, der möglichst weit senden möchte – deshalb eignen sich die höheren Hochspannungstürme besser. Zugleich müssen aber Interferenzen mit den Starkstromleitungen ausgeschlossen werden.

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Außerdem müssen Mobilfunkanbieter jederzeit Zugang haben, falls es ein technisches Problem zu beheben gilt. Mitunter müsste dazu wegen der nahen Hochspannungsleitungen aber der Strom abgeschaltet werden. Wenn dann aber die Wahl sein würde zwischen Stromausfall oder Netzausfall, wäre das kein Win-Win mehr für E.On und die Mobilfunkanbieter.

Mehr zum Thema: Die Deutsche Telekom hütet ihre Funktürme wie einen Schatz. Doch während die Konkurrenten das Business auslagern, hält der Konzern aus Bonn daran fest. Was hat Telekom-Chef Timotheus Höttges damit vor?

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