Nach Insolvenz Prokon-Anleger kommen um Totalverlust herum

Die Prokon-Pleite, eines der größten Insolvenzverfahren in Deutschland, endet für die betroffenen Anleger nicht als Totalverlust. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin will Teile des Unternehmens zunächst weiter führen.

Dietmar Penzlin, Insolvenzverwalter der Prokon Regenerative Energien GmbH. Die Anleger des insolventen Windenergie-Unternehmens Prokon können damit rechnen, 30 bis 60 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zu retten. Quelle: dpa

Wie geht die Prokon-Pleite für die Anleger aus? Offenbar besser als befürchtet. Nach Angaben von Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin können die Anleger damit rechnen, 30 bis 60 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zu retten. Genauer lasse sich die Höhe der Insolvenzquote wegen der schwierigen Bewertbarkeit vieler Vermögensgegenstände nicht vorhersagen. Zudem müssen sich die Anleger gedulden. Erst 2015 dürften demnach die ersten Zahlungen des Insolvenzverwalters einsetzen. Rund 75 000 Anleger haben 1,44 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert.  Damit ist Prokon - gemessen an der Zahl der Gläubiger - die viertgrößte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik.

Entscheidend  bei dem Verfahren  war  vor allem die rechtliche Bewertung des so genannten Genussrechtskapitals. Offen war bislang, ob es sich dabei um eine eigenkapitalnahe Form der  Unternehmensfinanzierung handelte. In diesem Fall wären die Anleger im Insolvenzverfahren ähnlich wie Gesellschafter oder Aktionäre behandelt worden. Sie hätten nur dann Zahlungen erhalten, wenn die Forderungen aller übrigen Gläubiger erfüllt worden wären. Im Fall von Prokon hat das Amtsgericht Itzehoe den Nachrang in den Genussrechtsbedingungen  wegen Verstoßes gegen das Transparenzgebot für unwirksam erklärt. Im Klartext bedeutet das für die Anleger: Sie sind „normale“ Gläubiger und stehen nicht am Ende der Schlange.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa

Die Bewertung gilt als Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens. Denn entsprechend sieht das Gericht  auch die bisherigen Kündigungen von Prokon-Genuss-Scheinen als fällige Forderungen von rund 368 Millionen Euro. Dem stehen nur 19 Millionen liquide Mittel gegenüber – damit ist Prokon zahlungsunfähig. Das Insolvenzgericht hat außerdem festgestellt, dass Prokon überschuldet ist. So soll sich das Vermögen von Prokon auf rund 1,05 Milliarden Euro belaufen. Dem stehen Verbindlichkeiten von 1,5 Milliarden Euro gegenüber.  Auf drei unabhängige Rechtgutachter sollen sich der Verwalter und das Gericht bei der Einschätzung der Lage gestützt haben.

Penzlin will nun einen Insolvenzplan ausarbeiten und den Kernbereich des Unternehmens weiter führen. „Mein Ziel ist es, Prokon in einer angepassten Form zu erhalten", teilte der Verwalter mit.  Die beiden Geschäftsbereiche Betriebsführung und Projektierung von Windparks sollen zunächst in vollem Umfang weiter laufen und auch der Bereich Stromversorgung werde weitestgehend fortgeführt. Die Beteiligungswerte und hohe vergebene Kredite werden zum Teil abgeschrieben, so dass sich für das Geschäftsjahr 2013 ein Verlust von 478 Millionen Euro ergibt.

Aber auch operativ hat Prokon rote Zahlen geschrieben und rund sieben Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Das sei vor allem auf die hohen Marketing- und Vertriebskosten für den Verkauf der Genussrechte zurückzuführen. „Das Rechnungswesen und das Controlling von Prokon befinden sich in einem ausgesprochen mangelhaften Zustand“, sagte Penzlin. „Die Aufarbeitung der Zahlen von Prokon stellt sich vor diesem Hintergrund besonders aufwendig dar.“

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Klarer ist indes die Rolle, die Prokon-Gründer Carsten Rodbertus künftig noch bei dem Unternehmen spielen wird: Rodbertus, den Penzlin bereits vor einem Monat von seinen Aufgaben freigestellt hatte, wurde vor  wenigen Tagen fristlos gekündigt, ebenso wie Vertriebsleiter Rüdiger Gronau. „Eine konstruktive Zusammenarbeit“ mit den Herren sei  nicht darstellbar gewesen, „aufgrund neuer, gravierender Vorfälle“ sei es zu der fristlosen Kündigung der Verträge gekommen, teile Penzlin mit.

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