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Nach Rekordjahr 2017 Windstrom-Branche rechnet mit Flaute

 Windstrom-Branche rechnet mit Flaute Quelle: dpa

Der Ausbau der Windenergie an Land hat zuletzt deutlich abgenommen. Schuld ist eine geänderte, weniger attraktive Förderung dieser erneuerbaren Energie.

Nach dem Rekordjahr 2017 hat sich der Schwung beim Ausbau der Windenergie an Land unter einem neuen Fördersystem deutlich verlangsamt. Knapp 500 Windräder mit gut 1600 Megawatt Leistung wurden in den ersten sechs Monaten 2018 neu gebaut, wie der Bundesverband Windenergie (BWE) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Dies entspricht rechnerisch der Leistung von etwa vier größeren Kohlekraftwerksblöcken. Für das Gesamtjahr wird nun neue Windkraft mit einer Leistung von 3300 bis 3500 Megawatt erwartet. 2019 rechnet der BWE mit noch weniger. 2017 waren es noch gut 5300 Megawatt.

Der Rückgang 2018 war allerdings vom BWE erwartet worden. Hintergrund ist eine Änderung der Förderung der Windenergie. Statt festgelegten, von vornherein über 20 Jahre garantierten Strom-Abnahmepreisen werden nun Windparks ausgeschrieben. Wer für seine Anlagen die geringsten Strom-Abnahmepreise verlangt, erhält den Zuschlag. Dies gilt aber als weit weniger attraktiv. Daher wurde mit Hochdruck versucht, ohnehin geplante Projekte noch nach dem alten Förderregime genehmigen zu lassen. Diese Projekte laufen 2018 jetzt aus.

Das Ausbautempo 2018 sei für die Branche noch akzeptabel, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Allerdings werde es im kommenden Jahr weiter an Schwung verlieren. Dann erwarte man mit etwa 2000 Megawatt noch einmal ein Drittel weniger neue Leistung. "Das ist ein gefährlicher Prozess", warnte Albers. Dann könnten Mitarbeiter in der Branche abgebaut werden und es sei schwer, diese dann später zurückzugewinnen. Verantwortlich sei die neue Koalition, die für 2019 und 2020 zusätzliche Ausschreibungen von Windenergie an Land von je 2000 Megawatt im Koalitionsvertrag verankert hatte. Wegen Auseinandersetzungen zwischen SPD und Union vor allem um Abstandsregelungen der Windräder zu Wohngebieten, verzögert sich das Vorhaben jedoch.

Wegen des Widerstands gegen neue Windräder stockten zudem die Genehmigungen für neue Windparks, zuletzt seien sie sogar eingebrochen. Die Verfahrensdauer bei den Zulassungen habe sich fast verdoppelt. So sei das Ziel des Koalitionsvertrags gefährdet, dass bis 2030 rund 65 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen. Derzeit sind es etwa 35 Prozent. Windenergie an Land ist bislang die größte Quelle.

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