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Nachhaltigkeitsranking Deutschlands nachhaltigste Unternehmen

Profitabel wirtschaften, ohne Mensch und Natur auszubeuten. Eine exklusive Studie zeigt, welche Dax-Konzerne die besten Nachhaltigkeitsstrategien haben und warum sie damit auf den Märkten erfolgreich sind.

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Henkel: Konsequent wie kein Quelle: dpa/dpaweb

Den Arbeitsplatz hätten manche gern: Führungsverantwortung im Teilzeitjob, pünktlich um 17 Uhr Schluss und freitags ganz frei. Claudia Hundeiker hat die Stelle. Beim Düsseldorfer Konsumgüterriesen Henkel verantwortet sie den Bereich biologische und klinische Forschung. Ihr Team testet unter anderem die Hautverträglichkeit von Gesichtscremes und Körperlotions. Privat umsorgt die 44-Jährige ihre vier- und siebenjährigen Töchter – und bringt so Führungs- und Familienverantwortung unter einen Hut.

Seit Jahren schon fördert der Konzern bei seinen Beschäftigten aktiv die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben, suchen die Düsseldorfer Lösungen, die verhindern, dass Kinder das Ende der Karriere bedeuten. „Ich weiß nicht“, sagt die Managerin, „ob mir andere Unternehmen diese Möglichkeit eingeräumt hätten.“

Nachhaltigkeit wird zum Kerngeschäft

Für Henkel ist das Programm. Konsequent wie kein zweiter Dax-Konzern setzen die Düsseldorfer den strategischen Megatrend um: Nachhaltigkeit. Ob Wertschätzung der Mitarbeiter, effizientes Wirtschaften oder umweltschonende Produktion - immer geht es um das Ziel, Ökonomie, Ökologie sowie gesellschaftliche und soziale Verantwortung in Einklang zu bringen.

Im Kern hängt davon nach Ansicht von Experten wie Stephan Scholtissek, die Zukunftstauglichkeit jedes Unternehmens ab. Vom Mittelständler bis zum Weltkonzern – auf Dauer bleibe nur wettbewerbsfähig, „wer Nachhaltigkeit zum Bestandteil des Kerngeschäfts macht“, urteilt der Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Accenture.

Genau das tut Henkel seit Jahren. Lohn des konsequenten Handelns: Im exklusiven Nachhaltigkeitsranking der Dax-Konzerne, das die Münchner Ratingagentur Oekom Research für die WirtschaftsWoche erstellt hat, rangiert der Konsumgüterriese auf Platz eins. Die Studie zeigt erstmals, welche Unternehmen sich bloß grün und sozial geben – und welche es tatsächlich sind. Bestnoten gibt es auch für die Deutsche Telekom, den Allianz-Konzern und den Autobauer BMW, die auf den Rängen hinter Henkel folgen.

Bei Henkel ist Nachhaltigkeit Chefsache

Rund 100 Kriterien flossen in die Bewertung jedes Unternehmens ein. Sie reichen von der Einhaltung der Menschenrechte über faires Wettbewerbsverhalten bis zu einem schlüssigen Klimaschutzkonzept und der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Wer gravierende Lücken aufweist oder Nachhaltigkeit nur halbherzig betreibt, hatte keine Chance auf einen vorderen Platz.

„Henkel hat Nachhaltigkeit sehr früh zur Chefsache gemacht. Das Managementsystem bringt ständig Verbesserungen hervor“, begründet Oekom-Vorstand und Chefanalyst Matthias Bönning die Spitzenposition.

So würdigt Oekom, dass Henkel unter anderem nur Lieferanten akzeptiert, die keine Kinder beschäftigen und Arbeitnehmerrechte achten. Herstellung und Produkte werden beständig so weiterentwickelt, dass sie Ressourcen sparen, die Umwelt weniger belasten, sicher sind und dem Kunden mehr Nutzen bringen.

Das rechnet sich auch für das Sieger-Unternehmen: Seit 1998 sank der Energieverbrauch je Tonne Fertigprodukt um 40 Prozent. Der Wasserverbrauch wurde halbiert, das Abfall-aufkommen um 37 Prozent reduziert, und Arbeitsunfälle sind heute eine Rarität. Bis 2012 wollen die Düsseldorfer noch einmal um zehn Prozent besser werden.

Erdball: Mit neuen Nachhaltigkeitsstrategien versuchen Politik und Wirtschaft profitabel zu wirtschaften, ohne Mensch und Natur auszubeuten Quelle: Roland Warzecha

Das beweist, dass Nachhaltigkeit längst keine Spielwiese mehr ist für Öko-Utopisten und Gutmenschen. „Nachhaltiges Wirtschaften erscheint heute wie der positive Gegenbegriff zu den Risiko- und Renditeexzessen, die uns in die Kalamitäten der vergangenen zwölf Monate gestürzt haben“, sagt Franz Fehrenbach, Chef des weltgrößten Automobilzulieferers Bosch. Und für Henkel-Chef Kasper Rorsted ist eindeutig, dass es die ganzheitliche Strategie ist, die „uns eine ausgezeichnete Reputation und eine weltweit führende Marktposition gebracht hat“.

Das deckt sich mit dem Urteil der Münchner Ratingspezialisten. Danach gehören deutsche Unternehmen auch international zu den Vorreitern nachhaltigen Wirtschaftens. „In einigen Branchen sind sie sogar die Trendsetter“, sagt Oekom-Chef Bönning.

Dabei ist Nachhaltigkeit alles andere als eine Erfindung neuzeitlicher Marketingstrategen. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts und meint, dass nur so viele Bäume geschlagen werden dürfen wie nachwachsen.

CO2 die Leitwährung des nachhaltigen Denkens

Heute steht Nachhaltigkeit für die bewusste Art des Wirtschaftens, bei dem negative Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft dem Verursacher in Rechnung gestellt werden. Sinnbild des Wandels ist ein farb- und geruchloses Gas, das Kohlendioxid (CO2). Als „carbon footprint“ – zu Deutsch CO2-Fußabdruck – illustriert das Treibhausgas das industrielle Wirtschaften ohne Rücksicht auf kommende Generationen.

Zugleich ist CO2 die Leitwährung des nachhaltigen Denkens. Jede ausgestoßene Tonne zählt. Und wenn Marktmechanismen wie ein weltweiter Emissionshandel greifen, kostet jede Tonne Geld. Der Preis wird in Zukunft explodieren – genauso wie die Preise aller Rohstoffe sowie von Strom, Gas und Öl.

Dafür sorgen das weltweite Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. In 40 Jahren werden neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern – 2,2 Milliarden mehr als heute. So die Prognose der Vereinten Nationen (UN). Schon 2030 übersteigt die Ölnachfrage nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) die Fördermenge deutlich. Bald darauf klettert der Ölpreis auf 190 Dollar je Fass. Momentan kostet es knapp 80 Dollar. 

Umgang mit Ressourcen wird immer wichtiger

Deshalb ist Nachhaltigkeit für die Unternehmen kein Selbstzweck, sondern Teil kaufmännischen Kalküls. Wer sich frühzeitig um Klimaschutz kümmert, hat später Vorteile im Handel mit CO2- Emissionsrechten. Nach einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs wären die Kosten für die Verschmutzungsrechte eines globalen CO2-Handels schon bei einem Preis von 50 Dollar je Tonne CO2 höher als die Gewinne aller weltweit börsennotierten Unternehmen. Heute liegt der Preis pro Tonne bereits bei umgerechnet 29 Dollar.

Damit wird der effiziente und nachhaltige Umgang mit den Ressourcen immer wichtiger. Schon heute entfallen fast 45 Prozent der Ausgaben der deutschen Industrie auf Material. Personal schlägt mit nicht einmal 20 Prozent zu Buche. Rund 500 Milliarden Euro zahlen die Unternehmen jährlich für Stähle, Kunststoffe und Zwischenprodukte. Immerhin 100 Milliarden Euro könnten sie bereits jetzt wegdrücken, stellten sie ihre Produktion auf effiziente Abläufe und moderne technische Verfahren um. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little, des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und der Fraunhofer-Gesellschaft. 

Henkel-Chef Rorsted: Der Quelle: dpa

Die Sieger-Unternehmen des Rankings sind bereits weit vorangekommen. Für Henkel-Chef Rorsted ist der grüne Kurs zentral für den Unternehmenserfolg. „Nur wer Produktleistung und Qualität bei größtmöglicher Umweltverträglichkeit langfristig sichert, setzt sich am Markt durch.“ Eine Nettorendite, die von 2005 bis 2008 stetig von 6,4 auf 8,7 Prozent angestiegen ist und wachsende Marktanteile bestätigen seine Einschätzung.

Hinter Henkel landete die Deutsche Telekom auf Rang zwei – trotz der Datenskandale und der Bespitzelung von Kritikern. Nach Einschätzung der Oekom-Analysten kompensierte insbesondere das Bemühen der Bonner um die Reduktion von Kohlendioxid und des Verbrauchs von umweltschädlichen Chemikalien den Malus, den sich der Bonner Telekommunikationsriese eingebrockt hatte. „Mehr als die Hälfte unseres Stromverbrauchs geht auf das Kommunikationsnetz zurück“, sagt Ignacio Campino, Vorstandsbeauftragter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Daher modernisiert das Unternehmen sein Netz. Mit Erfolg: Obwohl der Datenverkehr seit Jahren stark wächst, liegt der Strombedarf etwa auf dem Niveau von 2002.

Telekom setzt auf Wasser- und Windengergie

Um erneuerbare Energien zu fördern, kauft die Telekom im Wert von 84 Prozent des benötigten Stroms Zertifikate aus der Wasser- und Windenergie. Zudem testet der Konzern dezentrale Stromerzeugung aus Fotovoltaik, Geothermie und Windenergie und Brennstoffzellentechnik, um den Strombedarf irgendwann selbst erzeugen zu können.

Um die Umwelt von schädlichen Chemikalien zu entlasten, verpflichtet die Telekom ihre Zulieferer darauf, weitgehend auf den Einsatz gesundheits- und umweltschädlicher Stoffe wie Quecksilber und Cadmium zu verzichten. Ein richtiger Schritt, auch wenn nach Ansicht von Oekom auch bedenkliche Substanzen wie Arsen oder Beryllium aus der Produktion verbannt gehören.

Dritter des Oekom-Ratings ist der Münchner Versicherungskonzern Allianz, der die Auswirkungen des Klimawandels direkt in der Bilanz spürt: Der Hurrikan Katrina 2005 hat den größten europäischen Versicherer knapp 600 Millionen Euro gekostet. Nach der Elbeflut 2002 waren mehr als 800 Millionen Euro fällig. Bereits heute entstehen weltweit 40 Prozent der Versicherungsschäden durch Naturkatastrophen. Die Allianz geht davon aus, dass der Anteil wegen des Klimawandels massiv steigen wird.

Allianz entwickelt neue Konzepte

Für den Versicherer ist das ein Dilemma: Denn er wächst vor allem in Entwicklungsländern, wo viele Millionenstädte in Küstennähe durch die schmelzenden Polkappen und steigende Meereshöhen gefährdet sind. Langfristig kann das Vermögenswerte in Höhe von 28 Billionen Dollar in Gefahr bringen.

Zusammen mit der UN erarbeitete die Allianz zudem ein Konzept für Mikroversicherungen in Entwicklungsländern. Darüber können Menschen, die von weniger als zwei Dollar am Tag leben, ihr Hab und Gut absichern. Heraus kamen Versicherungspolicen für 2,50 Dollar pro Jahr.

Parallel dazu handelt der Konzern selbst. Bis 2012 will die Allianz die CO2-Emissionen pro Mitarbeiter um 20 Prozent unter das Niveau von 2006 senken. Das bedeutet weniger Geschäftsreisen und mehr Videokonferenzen. 

Testwagen im BMW-Windkanal: Im Durchschnitt 20 Prozent sparsamer als die Vorgängermodelle

 Der Klimawandel hängt als drohende Gewitterfront auch über dem bislang erfolgreichen Geschäftsmodell der deutschen Autohersteller – vor allem der sogenannten Premiumhersteller wie dem Ranking-Vierten BMW. Rund drei Viertel aller weltweit verkauften Oberklasseautos kommen aus den Fabriken deutscher Konzerne. Doch die Dickschiffe gelten wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes als Klimakiller. „Das Thema Sozialverträglichkeit und Umweltbewusstsein hat uns nicht kalt erwischt, das haben wir schon vor gut neun Jahren gesehen“, rechtfertigt sich BMW-Chef Norbert Reithofer. Autofahrer, da ist er sich sicher, wollen beides: Spaß und Umweltverträglichkeit.

Efficient Dynamics heißt der Spagat mit dem BMW Anfang 2007 auf dem Genfer Automobilsalon die Konkurrenz schreckte. Dahinter verbirgt sich eine Technikoffensive mit Elementen wie Start-Stopp-Automaten und Bremsenergierückgewinnung, die nur ein Ziel hat: Treibstoff sparen. Die Strategie ist aufgegangen. 1,4 Millionen Autos verkaufte das Unternehmen bereits mit der neuen Technik. Die Autos wurden im Schnitt um rund 20 Prozent sparsamer. Zugleich sank der durchschnittliche CO2-Ausstoß der BMW-Flotte von 186 Gramm pro Kilometer im Jahr 2006 auf 156 Gramm in 2008. Damit liegen die Bayern beim Flottenverbrauch besser als Volkswagen mit 159 Gramm.

BMW investiert in Gesundheit der Belegschaft

Nicht nur die Kunden profitieren von der schon 2001 initiierten Nachhaltigkeitsstrategie. Im 19.000-Mitarbeiter-Werk Dingolfing untersuchte BMW mit dem Projekt „Arbeitssystem 2017“, wie Gesundheit und Produktivität einer alternden Belegschaft erhalten werden können. Heute sind die BMW-Werker im Durchschnitt 39 Jahre alt, 2017 werden es 47 Jahre sein. Das Projekt mündete in viele Verbesserungen: federnde Holzböden unter den Arbeitsplätzen entlasten die Wirbelsäule, jeder interessierte Mitarbeiter erhält einen individuellen Gesundheitsplan.

Ständige Effizienzkontrolle, Forschungen zur Energie-Autarkie oder altersgerechte Arbeitsplätze. Manchem erscheint das als ökonomisch-ökologischer Aktionismus. Doch für Accenture-Spitzenmann Scholtissek ist klar: „Unternehmen wirtschaften erst dann nachhaltig, wenn sie alle Geschäfts- und Produktionsprozesse unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten neu gestalten.“ Das reicht vom Design über Materialauswahl, Produktion, Vertrieb bis zu nachgelagerten Dienstleistungen wie Wartung und Reparatur. Scholtissek: „Künftig wird man sich schon bei der Entwicklung von Produkten fragen, ob man etwa Maschinen aus der Ferne warten kann, um die Kilometerzahl der Wartungsflotten zu reduzieren.“

Bei Bayer geht es nur noch um eines: Nachhaltigkeit

So weit wie die Ranking-Sieger sind indes nur die wenigsten Unternehmen. Mancher investiert mehr in Nachhaltigkeitsmarketing – von Kritikern auch als „green washing“ gebrandmarkt.

Im gläsern-imposanten Kommunikationszentrum des Leverkusener Pharma- und Chemieunternehmens Bayer beispielsweise herrscht Mitte November buntes Treiben. Gäste aus 35 Ländern wuseln durch Ausstellungen in der Vorhalle, sehen bunte Kurzfilme. Dabei geht es immer nur um eines: Nachhaltigkeit. Bayer stellt mit großem Aufwand acht Leuchtturmprojekte für Gesundheit, Ernährung und Klimaschutz vor. In Indonesien soll beispielsweise ein Reisprojekt den Ertrag erhöhen, gleichzeitig den Wasser- und Pestizidverbrauch senken. „Wir leisten konkrete Beiträge, um den wirtschaftlichen Erfolg in Einklang zu bringen mit dem Schutz der Umwelt und den Bedürfnissen der Gesellschaft“, verspricht Bayer-Vorstand Werner Wenning

Bayer landet beim Quelle: AP

Doch trotz wohlklingender Worte und bunter Bilder landet Bayer beim Oekom-Ranking nur auf Platz 21. „Noch immer gehen die Chemiekonzerne die sozialen und ökologischen Herausforderungen nur zögerlich an“, kritisiert Oekom-Analyst Oliver Rüdel. Bei Bayer verhageln zudem zahlreiche Kontroversen das Ergebnis: die Beinahekatastrophe im Bayer-Werk Institute im US-Bundesstaat West Virginia, Kartellstrafen wegen Preisabsprachen, zweifelhafte Marketingpraktiken. Zu schleppend verläuft für Rüdel auch der Nachweis von Produkt- und Chemikaliensicherheit. „Pestizide, die die Weltgesundheitsorganisation schon seit Jahren als gefährlich einstuft, sind noch immer auf dem Markt“, bemängelt er. Schlechte Noten gibt es auch für die von Bayer produzierten umstrittenen Weichmacher für Verpackungen und Kinderspielzeug. Alles zusammen verhindere ein besseres Ranking für Bayer.

Dabei lohnt sich konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Handeln für die Unternehmen doppelt: „Sie drücken nicht nur ihre eigenen Kosten oder verkaufen mehr Produkte an Kunden mit grünen Gewissen“, sagt Michael Schröder, Leiter Internationale Finanzmärkte beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. „Die Unternehmen machen sich auch attraktiver für Investoren.“

Nachhaltige Investoren setzen Unternehmen unter Druck

Weltweit werden nach verschiedenen Quellen schon fünf Billionen Euro unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte angelegt. Neben Kirchen und Umweltstiftungen legen auch Versicherungen und Pensionsfonds nach solchen Kriterien an. Darunter etwa der kalifornische Pensionsfonds Calpers (200 Milliarden Dollar), der die Renten der Staatsbediensteten des größten US-Bundesstaates verwaltet, oder der 420 Milliarden Dollar schwere norwegische Staatsfonds, der die Öl- und Gaseinnahmen des Landes anlegt. In Deutschland hat sich vor allem der Rückversicherer Münchener Rück nachhaltiges Investment auf die Fahnen geschrieben: Mindestens 80 Prozent steckt das Dax-Unternehmen in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die in Nachhaltigkeitsindizes enthalten sind.

Mit ihren Milliardenvermögen im Rücken üben nachhaltige Investoren zunehmend Druck auf Unternehmen aus, sich ökologischer oder ethischer zu verhalten. So zwangen die Manager des US-Pensionsfonds Calpers 2004 den Autobauer Ford dazu, ihnen die CO2-Emissionsstatistiken seiner Modellreihen zu zeigen. Als Calpers drohte, Ford-Aktien zu verkaufen, knickten die Automanager ein.

Und wenn Appelle gar nicht fruchten, setzen Investoren Aktien der Umweltfrevler sogar auf eine schwarze Liste. So brach der norwegische Staatsfonds im vergangenen Jahr mit dem kanadischen Minenkonzern Barrick Gold und warf seine Aktienbeteiligung im Wert von gut 140 Millionen Euro auf den Markt. Barrick Gold hatte beim Abbau von Edelmetallen in Papua-Neuguinea Flüsse und Weideland mit Schwermetallen verseucht und so die Beziehungen zum norwegischen Großinvestor vergiftet. Nachhaltig.

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