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Nord Stream Eine Röhre für das Energieloch

Es ist soweit: die Ostsee-Erdgaspipeline wird feierlich eröffnet. Sie soll auch Deutschlands Energieprobleme nach dem Atomausstieg lösen.

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Verlegeschiff der Nord Stream-Pipeline vor Rügen Quelle: dpa

Für Kanzlerin Angela Merkel wird es mal ein sehr angenehmer Termin. Nicht im Euro-Fight in Cannes verstrickt, nicht im Tag-und Nacht-Krisenmanagement um die Einheit der Europäischen Union im Einsatz – sondern einmal ganz relaxed im mecklenburgischen Lubmin ein Jahrhundertbauwerk einweihen, und das zusammen mit einem hochrangigen Staatsvertreter, Russlands Präsident Dimitri Medwedjew.

Die Ostseepipeline, die für Planung und Verlegung über sieben Jahre benötigte und die noch vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder für die Erdgas-Versorgung Westeuropas angeschoben wurde, ist nun auch offiziell endlich fertig – eine Röhre zumindest.

Erdgas für die Energiewende?

Der zweite Strang soll in einem Jahr fertig sein. Als Schröder mit Wladimir Putin zusammen die Verträge für die Ostseepipeline unterschrieb, gab es noch so etwas wie einen Energiemix in Deutschland. 20 Prozent steuerte die Kernenergie zur Versorgung bei. Das Blatt hat sich nun über sieben Jahre danach gründlich gewendet.

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    Zur Zeit liefert die Atomkraft nach der Energiewende der Bundesregierung und der Sofortabschaltung von acht Meilern nur noch zehn Prozent der Stromversorgung – Tendenz fallend. Bis 2022 soll das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein. Dann muss der 20-Prozentblock des Energiemix vollständig ersetzt worden sein. Mit Erdgas?

    Eine Pipeline reicht nicht

    Gaskraftwerk Irsching (E.On) Quelle: Pressebild

    Die Pipeline könnte dazu beitragen. Aber das Energieproblem ist damit noch nicht gelöst. Zwar will Russland aus den sibirischen Vorkommen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch zwei Röhren nach Deutschland und damit nach Westeuropa leiten, aber es fehlen in Deutschland die Gaskraftwerke, die den teuren Rohstoff in Strom und Wärme umwandeln.

    Bis 2016 werden 13 solcher Anlagen entstehen, bis 2022 sind 22 Neubauten geplant. Doch nur ein Gaskraftwerk, das von E.On im bayerischen Irsching, wurde bisher in Betrieb genommen. Die anderen lassen schon in der Frühplanungsphase auf sich warten.

    Eine Pipeline, so international bedeutsam sie auch sein mag, reicht nicht aus, wenn dahinter die Gaskraftwerke fehlen. Als Projekt ist Nord Stream dennoch imposant. Schon ein Blick auf die Anteilseigner von Nord Stream macht deutlich, dass es sich um ein grenzüberschreitendes Gemeinschaftsprojekt handelt. Gazprom hält 51 Prozent an der Nord-Stream-Gesellschaft, die deutschen Konzerne E.On und BASF je 15,5 Prozent, die niederländische Gasunie sowie Gaz de France Suez halten 9 Prozent an der Pipeline-Betreibergesellschaft.  

    Radikaler als Rot-Grün in der Energiepolitik

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      Aufsichtsratschef ist der Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der mit ganz besonders maliziöser Miene der amtierenden Kanzlerin Merkel die Hand reichen wird. Merkel sahnt nun ab, was Schröder auf den Weg gebracht hat. Dazu hat sie den Atomausstieg realisiert, den in seiner Radikalität nicht einmal die damalige rot-grüne Koalition gewagt hat.

      Die Freude wird am Dienstag nur halbherzig sein. Denn die Lieferung von Erdgas ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist der Preis des Erdgases – und den hält der einzige Lieferant am anderen Ende, der staatlich verfilzte russische Monopolist Gazprom, nach Gutdünken hoch. In der Folge können sich die westdeutschen Gashändler wie zum Beispiel E.On Ruhrgas die Einkaufspreise für Erdgas gar nicht mehr leisten.

      Auf den Spotmärkten ist Erdgas weitaus billiger, weil das Flüssiggas (LNG) in Tankern nach Westeuropa steuert und hier entladen wird.

      Keine günstigeren Preise

      Gazproms Alexei Miller, der russische Präsident Dmitri Medvedev und Gerhard Schröder (von links nach rechts) Quelle: dapd

      Dieses Gas ist billig, weil es woanders nicht gebraucht wird, zum Beispiel in den USA, die durch eigenes Schiefergasverfahren einen Import von Gas nicht mehr nötig haben. In der Konsequenz wird Westeuropa mit Erdgas zur Zeit nur so überschwemmt.

      Die Pipeline ist also von der augenblicklichen Marktlage her überflüssig. Aber das ist in der Energiewirtschaft zu kurz gedacht. Die Preise können von Gazprom auch für E.On, RWE und Co auch gesenkt werden – und damit würde durch die Ostseepipeline wieder marktfähiges Gas fließen.

      Der Einfluss von Gazprom steigt

      Im Gegenzug wollen die Russen aber Geschäftsanteile von den großen deutschen Energieversorgern haben, sie wollen als Gesellschafter im Endkundenmarkt, wo die Gaspreise bisher immer stiegen, mit am Tisch sitzen und mitverdienen. Das ist auch der Grund, warum auch die Ostseepipeline nicht für günstigere Gaspreise für den Endverbraucher oder für die Industrie sorgen wird.

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        Mit der Eröffnung der Ostseepipeline wird der Einfluss von Gazprom auf den deutschen Energiemarkt ungleich höher. Deswegen haben viele Energiemanager, aber auch Verbrauchervertreter in Deutschland am 8. November ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.

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