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Offshore-Industrie Zwischen Hosianna und kreuziget sie

Die Nutzung der Offshore-Windenergie in Deutschland hat im vergangenen Jahr endlich Fahrt aufgenommen. Derzeit sind Windkraftwerke mit einer Leistung von knapp 2400 Megawatt im Bau. Doch über der Nordsee braut sich schon wieder Ungemach zusammen: Umweltschützer kritisieren die Genehmigungsverfahren.

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Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa

Lange Zeit bewegten sich in der Nordsee nur Wellen und Kutter. Bei den groß angekündigten Bauvorhaben für Windkraftwerke herrschte dagegen Stillstand. Gerade mal zwei Nordsee-Windkraftwerke – die Testanlage Alpha Ventus mit 12 Windmühlen und Bard Offshore 1 mit 80 Windmühlen und einer Leistung von 400 Megawatt - waren Anfang 2014 am Netz. Und bei Bard war der Netzanschluss zwischenzeitlich sogar wochenlang wieder gekappt worden.

Jetzt jedoch herrscht draußen vor Helgoland, Sylt und Borkum Hochbetrieb auf dem Wasser. An vielen Stellen ähnelt die Nordsee einer Großbaustelle: Gleich acht Mühlenfelder in der Nordsee - Amrumbank West (80 Windräder/288 Megawatt), Borkum Riffgrund I (77/277), DanTysk (80/288), Global Tech I (80/400), Meerwind Süd / Ost (80/288), Nordsee Ost (48/295), Riffgat (30/108) sowie Trianel Windpark Borkum mit 40 Mühlen und einer Leistung von 80 Megawatt im 1. Abschnitt - sind im Bau beziehungsweise werden in diesen Wochen fertig gestellt.

Im Auftrag von VDMA Power Systems, ein Fachbereich innerhalb des Maschinenbauverbandes für die Hersteller von Energietechnikanlagen, und dem Bundesverband WindEnergie (BWE) ermittelte die Deutsche WindGuard den Status des Windenergieausbaus in der Nord- und Ostsee. Demnach sind weitere 103 Anlagen mit einer Leistung von 395 Megawatt in drei Offshore-Windparks im Jahr 2013 vollständig errichtet worden. Lediglich der Netzanschluss wurde noch nicht realisiert. Die Gesamtleistung der neun zum Ende 2013 somit im Bau befindlichen Offshore-Windparks beträgt rund 2400 Megawatt. Das entspräche in etwa der Leistung von zwei kleinen Kernkraftmeilern, wenn die Rotoren denn auch die prognostizierten Strommengen erzeugen.

Der neue „Superminister“ Sigmar Gabriel (SPD) hat in seinem Ministerium ein Eckpunktepapier erarbeiten lassen, das für den Ausbau der Windenergie auf See folgende Rahmenbedingungen vorsieht: Bis zum Jahr 2020 sollen 6,5 Gigawatt und bis 2030 15 Gigawatt installiert werden. Für die Zeit bis 2020 soll eine Mengensteuerung eingeführt werden. Dabei sollen vorrangig die Projekte berücksichtigt werden, die eine feste Netzanschlusszusage haben. Danach sollen bis 2030 pro Jahr zwei neue Offshore-Windparks errichtet werden.

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    Thorsten Herdan, Geschäftsführer VDMA Power Systems und Vizepräsident der Stiftung Offshore-Windenergie stellt eine massive Zubausteigerung für 2014 in Aussicht: „Der Durchbruch bei der ersten Ausbaustufe ist damit erreicht. Ende 2013 waren drei Offshore-Windparks am Netz, ein zusätzlicher errichtet und acht im Bau. Die hohe Zahl von 266 verankerten Fundamenten und Teilanlagen beweist, dass die Projekte nun in die finale Fertigstellungsphase gehen. Wir rechnen damit, dass in diesem Jahr etwa 1500 Megawatt und ungefähr weitere 1000 Megawatt im Jahr 2015 ans Netz gehen können.“

    In diesen Tagen soll bereits Riffgat, rund 15 Kilometer nordwestlich von Borkum, vom Netzbetreiber Tennet ans Netz geklemmt werden. Davon jedenfalls geht der Oldenburger Energieversorger EWE aus, der über 90 Prozent der Anteile an der Projektgesellschaft für den Nordsee-Windpark verfügt. Danach könne der erste Strom aus dem Offshore-Kraftwerk fließen. Ein halbes Jahr später als geplant, was angesichts der unzähligen Pleiten und Pannen in der noch jungen Offshore-Industrie schon fast als Punktlandung gelten kann. Ursprünglich hatten die Initiatoren geplant, dass Riffgat schon ab Sommer 2013 Energie ins deutsche Stromnetz einspeisen sollte. Aufgrund des Fundes von Bomben und Munition verzögerte sich jedoch die Verlegung des Netzanschlusses um mehr als ein halbes Jahr. In der Zwischenzeit mussten Dieselgeneratoren eingesetzt werden, um den Windpark mit Strom zu versorgen.

    Kritik an Windpark-Genehmigungen

    Die größten Anlagenbauer
    NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
    Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
    SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
    VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
    EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

    Das Projektgebiet des Offshore-Windparks Riffgat nahe der Insel Borkum liegt innerhalb der niedersächsischen Zwölf-Seemeilen-Zone und erstreckt sich auf eine Fläche von rund sechs Quadratkilometern. Durch den küstennahen Standort sei Riffgat von den verschiedenen Häfen der Umgebung gut zu erreichen, so die Betreiber. Riffgat sei daher auch der einzige Windpark in der Nordsee, der für interessierte Touristen und Segler in vertretbarer Zeit angesteuert werden kann. Das direkte Befahren des Riffgat-Projektgebietes ist dabei aus Sicherheitsgründen zwar nicht erlaubt, der Schiffsverkehr darf sich jedoch bis auf einen Sicherheitsabstand von 500 Meter nähern.

    Durch den vollständigen Netzanschluss würde sich die Zahl der insgesamt am deutschen Netz befindlichen Offshore-Windenergieanlagen auf über 140 erhöhen. Die am Netz befindliche Offshore-Windkraftleistung wird durch den vollständigen Anschluss von Riffgat auf über 620 Megawatt steigen. Stand Ende 2013 waren 116 Offshore-Windenergieanlagen in Nord- und Ostsee mit einer Gesamtleistung von 520 Megawatt am Netz. Der Großteil dieser Anlagen steht in der Nordsee.

    So auch der Windpark Global Tech I, an dem die Stadtwerke München der größte Anteilseigner sind. Global Tech I soll nach Fertigstellung über 400 Megawatt Leistung verfügen. Alle 80 Fundamente sind bereits auf dem Meeresgrund verankert. Derzeit werden rund 110 Kilometer vor der deutschen Küste die Turm- und Gondelinstallation mit den zwei Installationsschiffen Brave Tern und Thor durchgeführt.

    Die Vormontage der knapp sechzig Meter langen Mühlenflügel und der Nabe zum sogenannten Rotorstern findet auf dem Terminalgelände des JadeWeserPort in Wilhelmshaven in direkter Nähe des Schiffes statt. Die 3-Blatt-Rotoren werden dann von der Kaikante des Container-Tiefwasserhafens aus auf die Schiffe verladen. Ein einzelner Rotorstern wiegt gut 100 Tonnen und hat einen Durchmesser von rund 116 Metern. Sobald die Installationsarbeiten der Rotorsterne abgeschlossen sind, soll die Inbetriebnahme der jeweiligen Windkraftanlage beginnen, bis sukzessive der gesamte Windpark Mitte des Jahres ans Netz geht. Falls es zu keinen Verzögerungen mehr kommt.

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      Und das geht schneller, als viele Verantwortlichen denken können.

      So stellt derzeit ein Gutachten des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen die Rechtmäßigkeit des Offshore-Windparks Butendiek in Frage. Das vor Sylt geplante Windkraftwerk, dessen Bau im April beginnen soll, hätte aus naturschutzrechtlichen Gründen „nicht genehmigt werden dürfen“, sagen Juristen des Instituts.

      Einwände des Bundesamts für Naturschutz etwa seien nur dann berücksichtigt worden, wenn diese dem Bau des Windparks nicht entgegenstünden. Zudem seien bestehende Wissenslücken „stets pro Windparkbau“ ausgelegt worden - ein Verstoß gegen EU-Naturschutzrecht. Auch die Zulassungen für drei weitere Windparks - Dan Tysk, Amrumbank West und Borkum Riffgrund 2 - seien nicht rechtens. Butendiek sei ein Sündenfall der Offshore-Windkraft, kritisiert Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der das Rechtsgutachten in Auftrag gegeben hat.

      Das Areal liege direkt im EU-Vogelschutzgebiet „Östliche Deutsche Bucht“ sowie im „Sylter Außenriff“, einem nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Gebiet. Die Naturschützer befürchten eklatante Risiken, beispielsweise für die Schweinswale und Seetaucher der Region. Wenige Wochen vor Baubeginn wollen sie das Projekt deshalb noch stoppen - oder zumindest strengere Auflagen durchsetzen

      Strenge Auflagen für die Errichtung von Windparks

      Wo die Energiewende besser funktioniert
      Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
      Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
      China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
      Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
      Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
      USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
      Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

      Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Dienstsitz in Hamburg und Rostock weist die Kritik an den Genehmigungen von Offshore-Windparks zurück. „Die Genehmigungen der Offshore Windparks erfolgten auf Basis der jeweils geltenden Rechtslage. Die Genehmigungen waren zu erteilen, da keiner der Versagensgründe vorlag. Damit bestand ein Rechtsanspruch auf Erteilung der Genehmigung“, betont die Präsidentin des BSH Monika Breuch-Moritz. „Bevor das BSH die Genehmigungen erteilt hat, wurde auch eine mögliche Gefährdung der Meeresumwelt umfassend geprüft. Dabei flossen auch wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem europäischen Ausland in die Bewertung ein.“ Für die Errichtung der Windparks gelten strenge Auflagen, etwa zum Schutz des Schweinswals durch die Festlegung eines Schall-Grenzwertes beim Rammen der Fundamente.

      Laut BSH werde eine Genehmigung für einen Windpark nur dann erteilt, wenn die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs oder die Meeresumwelt nicht gefährdet werden. Umfangreiche Untersuchungen im Vorfeld der Genehmigungen und strenge Auflagen zum Schutz der marinen Umwelt minimieren die Auswirkungen solcher Projekte.

      Energie



      Die Genehmigung des Offshore-Windparks Butendiek aus dem Jahr 2002 sei bestandskräftig und rechtmäßig. Obwohl zum Zeitpunkt der Genehmigung das Gebiet noch nicht als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) beziehungsweise als Vogelschutzgebiet ausgewiesen war, hätte das BSH bei der Prüfung der Genehmigungsvoraussetzungen diese erhöhten Anforderungen an den Schutz der marinen Umwelt zugrunde gelegt, teilt die Bundesbehörde mit.

      Ursprünglich war Butendiek als Bürgerwindpark geplant, wurde dann jedoch an den Bremer Windparkentwickler und -betreiber wpd verkauft. Dieser hat Siemens mit dem Bau von 80 Windrädern beauftragt und einen zehnjährigen Wartungsvertrag vergeben. Insgesamt geht es um ein Volumen von rund 700 Millionen Euro. Außerdem beteiligt sich Siemens als Miteigentümer mit 22,5 Prozent an dem Projekt.

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        Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie: „Ich bin zuversichtlich, dass die Industrie die Herausforderungen im Bereich Offshore meistern wird. Es ist davon auszugehen, dass es in diesem Jahr einen deutlichen Sprung nach vorn gibt. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Fortführung der geltenden Rahmenbedingungen bis Ende 2019 hat die Planungssicherheit für Investoren und Industrie gestärkt. Mit der in den Eckpunkten des Energieministeriums angekündigten Absenkung der Vergütungen in den Jahren 2018 und 2019 wird dies nun wieder in Frage gestellt.“

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