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Personalwechsel Birnbaum prescht vor in den E.On-Vorstand

Im September wechselt der RWE-Strategievorstand und frühere Mc-Kinsey-Berater in das Leitungsgremium von E.On. Welche Weichen stellt Werner Wenning?

Mit welchen Problemen E.On zu kämpfen hat
Knappe KassenE.On braucht Geld, und zwar dringend. 2011 hat E.On in Folge des Atomausstiegs erstmals in seiner Firmengeschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen, ein Minus von rund 1,9 Milliarden. Noch im Vorjahr hatte der Konzern einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro verbucht. 2012 schaffte es Konzernchef Teyssen wieder einen Nettoüberschuss von 4,3 Milliarden zu erwirtschaften. Für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung dessen. Nur noch 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro sollen hängen bleiben. Quelle: dapd
Investition in SchwellenländerRaus aus Europa und rein die Schwellenländern. Was E.On mit dem Verkauf seiner Beteiligungen einnimmt, soll in die Energiewirtschaft in Brasilien, Indien und der Türkei reinvestiert werden. Im Dezember hat E.On. durch einen Anteilstausch mit der österreichischen Verbund AG die Hälfte des türkischen Stromerzeugers Enerjisa übernommen. Im Gegenzug erhielt die Verbund AG Anteile an bayerischen Wasserkraftwerken. Mit dem Einstieg in der Türkei mache E.on einen "großen Fortschritt bei der Umsetzung unserer Konzernstrategie", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Quelle: REUTERS
Schleppendes GasgeschäftDer russische Vorlieferant Gazprom lässt E.On zappeln und hält die Langfristpreise hoch. Zwar erzielten E.On-Manager ein kurzfristig geltende Vereinbarung, die Linderung der Gaspreise versprach, eine Dauerlösung stellt dies jedoch nicht dar, da sich die Russen die permanente Überprüfung seiner Preisnachlässe vorbehalten hat. Quelle: dpa/dpaweb
Kostspielige WindparksE.On ist derzeit der weltweit drittgrößte Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen und investiert zwei Milliarden in drei neue Projekte - Amrumbank West, Humber Gateway vor der britischen Küste und Karehamn in Schweden. Insgesamt sind E.On die Kosten für die Offshore-Parks zu hoch, bis 2015 sollen sie um 40 Prozent sinken. E.On will günstiger bei den Lieferanten einkaufen, leistungsfähigere Windkraftanlagen einsetzen und bei der Projektierung und beim Bau der Parks sparen. E.On-Chef Johannes Teyssen hat angekündigt, beim Ausbau des Ökostromgeschäfts verstärkt auf Kooperationen zu setzen. Der Konzern müsse nicht jede Anlage komplett besitzen. Quelle: dpa
Lohnforderungen und StreiksImmerhin an einer Front gibt es positives zu berichten. Am 6. Februar 2013 haben sich die Gewerkschaften mit der E.On-Führung geeinigt. Die 30.000 E.On-Beschäftigten in Deutschland wollten ursprünglich 6,5 Prozent mehr Lohn - jetzt gibt es rückwirkend zum 1. Januar 2013 2,8 Prozent mehr plus eine Einmalzahlung von 300 Euro. Das erste Angebot von E.On hatte bei 1,7 Prozent gelegen. Quelle: dpa
Verlustgeschäft GaskraftwerkeDie hochmodernen Gaskraftwerke im bayerischen Irsching sind extrem unterfordert. Nur 2.000 Betriebsstunden erreichten sie im Jahr, das ist weniger als ein Viertel der Gesamtkapazität. Unter solchen Umständen sind Gaskraftwerke für E.On nicht mehr gewinnbringend zu betreiben. Auch die kommunalen Mitgesellschafter drängten aus den Gaskraftwerken heraus, weil die klammen Kommunen Verluste ihrer Beteiligungen befürchten. Quelle: dpa
Unerwünschte BeteiligungenE.On will sich von zahlreichen Beteiligungen in Deutschland und Europa trennen, um Geld in die Kassen zu spülen. Geschäfte im Wert von 15 Milliarden Euro will der Energieriese verkaufen. Die Tochter E.On Thüringer Energie ging zu 43 Prozent an den dortigen Kommunalverband, E.On hält noch zehn Prozent, will aber auch dieses Restpaket loswerden. Die Transaktion ist eingebettet in eine strategische Abwurfaktion. E.On will drei der derzeit sieben deutschen Regionalversorger abstoßen. E.On Westfalen-Weser ist in Verkaufsverhandlungen, auch E.On Mitte soll vom Düsseldorfer Konzern abgetrennt werden. Insgesamt sollen die Trennung von den Regionalversorgern zwei bis drei Milliarden Euro bringen, schätzen Energie-Analysten. Quelle: dpa

Was geht bei E.On vor? Gleich zwei Vorstände werden dem Versorger den Rücken kehren: Die Personalvorständin Regine Stachelhaus und der Produktionschef Klaus-Dieter Maubach. Aber es gibt auch einen spektakulären Neuzugang: Direkt vom Erzrivalen RWE aus Essen kommt der Strategievorstand Leonard Birnbaum, 46, in den E.On-Vorstand.

Das Auffällige daran: Für Birnbaum gibt es bis dato noch kein Aufgabenfeld im obersten Entscheidungsgremium. Stellvertretender Vorstandschef könnte er werden, mutmaßen E.On-Manager. Andere sehen bereits schwarz für E.On-Chef Johannes Teyssen. Der E.On-Chef hat sich in den vergangenen Monaten der Energiewende nicht gerade beliebt gemacht bei der Belegschaft. „Und das war auch nicht seine Aufgabe“, sagt ein E.On-Manager. Zeitweise sah es sogar nach betriebsbedingten Kündigungen aus, die dann abgewendet werden konnten.

Teyssen igele sich in seiner Vorstandsetage ein, sagen seine Kritiker, wohl wissend, dass sich der gelernte Verwaltungjurist gegen solche schwammigen Vorwürfe schlecht wehren kann. Hängen bleibt allerdings, dass ein isolierter Vorstandschef, der stark aufbrausend werden kann, wenn die Türen sich hinter ihm schließen, nur sehr schlecht die Energiewende im Konzern bewältigen kann. Braucht er die Unterstützung von Birnbaum? Wird er von Birnbaum eingerahmt und eines Tages vielleicht sogar ersetzt? Diejenigen, die solche Gerüchte streuen, hätten augenscheinlich nichts dagegen.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

Gerüchte wabern durch die Zentrale von E.On am Düsseldorfer Rheinufer. Das Machtvakuum tut dem Konzern nicht gut, und Teyssen auch nicht. Es ist vor allem die zweite Führungsriege, die sich zurückgesetzt fühlt. Von dort aus kann man auch an die Spitze gelangen, allerdings bisher nicht bei E.On.

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Musterbeispiel ist der vor hundert Tagen an die Spitze des drittgrößten deutschen Energieversorgers EnBW gerückte Frank Mastiaux, der bei E.On zu dieser zweiten Führungsriege gehörte. Mastiaux verantwortete das im Ausland angesiedelte Neugeschäft von E.On. Nun ist er die Nummer eins bei EnBW. Auch Rolf Pohlig, früherer Mann der zweiten Reihe im E.On-Finanzressort, erlange erst durch den Ruf von RWE die Vorstandsweihen. Bei E.On waren ihm die verwehrt. Warum soll es nicht einmal umgekehrt gehen? Was man bei RWE nicht werden kann, erreicht man bei E.On.

Nur Werner Wenning weiß, was er mit Birnbaum noch vorhat.

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