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Pleitewelle erwischt Lition Energie Nächster Stromversorger meldet Insolvenz an

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1100 Stromanbieter und rund 900 Gasanbieter. Die Pleite von Lition ist bereits die dritte seit Beginn der Krise im Spätsommer. Quelle: dapd

Die hohen Energiepreise bringen vor allem kleinere Versorger weiter in existenzielle Nöte. Jetzt hat der Berliner Stromversorger Lition Insolvenz angemeldet.

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Auf der Website der Lition Energie GmbH ist die Insolvenz so klar wie freundlich formuliert. Unter der Überschrift „Einstellung der Stromlieferung“ heißt es: „Liebe Lition Kundinnen und Kunden, die drastisch steigenden Einkaufspreise für Strom und Gas zwingen immer mehr deutsche Energieunternehmen in die Knie. Bis zuletzt haben wir versucht, einen Weg für den nachhaltigen Fortbestand unserer Firma zu finden. Schweren Herzens müssen wir leider mitteilen, dass auch Lition diese Energiekrise nicht überleben kann und Insolvenz anmelden musste.“

Am Donnerstag hat auch das Amtsgericht Charlottenburg die Insolvenz verkündet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christoph Schulte-Kaubrügger bestellt, Partner bei der Kanzlei White & Case.



Kleinere Unternehmen geraten massiv unter Druck

Vor allem kleinere Versorger geraten durch die massiv erhöhten kurzfristigen Beschaffungskosten für Strom und Gas unter Druck. Litions Pleite ist bereits die dritte seit Beginn der Krise im Spätsommer. Zuvor hatten die Strom- und Gaslieferanten Otima Energie AG und Smiling Green Energy Insolvenz angemeldet. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1100 Stromanbieter und rund 900 Gasanbieter. Mehrere haben in den vergangenen Tagen ihre Preise und auch Abschlagszahlungen zum Teil drastisch erhöht, um dem Kostendruck standhalten zu können. Der Verbraucher-Aktivist Matthias Moeschler, der die Seite „Verbraucherhilfe Stromanbieter“ betreibt, berichtet von Aufschlägen auf Abschlagszahlungen von über 200 Prozent. Selbst der Konzern Eon bot Neukunden vorübergehend keine Gasverträge an, mittlerweile macht er das wieder.

Lition  versorgt nach Angaben des Insolvenzverwalters bisher rund 20.000 private Kunden mit Gas und Ökostrom, betreibt einen „digitalen Marktplatz“ und beschäftigt rund 40 Mitarbeiter. Die Mitarbeiter seien im Rahmen einer Informationsveranstaltung bereits über die nächsten Schritte informiert worden, heißt es. „Zunächst prüfen wir angesichts des laufenden Geschäftsbetriebs die Fortführungsmöglichkeiten für das Unternehmen”, sagte Insolvenzverwalter Schulte-Kaubrügger laut einer Mitteilung seiner Kanzlei. „Die Belegschaft jedenfalls ist hochmotiviert und bereit, den Sanierungsprozess zu unterstützen.”

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Standort erkennen

    Lition ist 2018 von Richard Lohwasser und Kyung-Hun Ha gegründet worden. Für Aufsehen sorgten die Gründer, weil sie versuchten, die Blockchain-Technologie auf dem Strommarkt einzuführen. Mit dem Unternehmen solle der „erste konkrete Anwendungsfall für Energieproduzenten“ entstehen, sagte Lohwasser dem Finanzportal „Finance Forward“. Auch eine Kooperation zwischen Lition und der Digitalbank N26 sorgte für Aufmerksamkeit.

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    Eine einheitliche EU-Strategie fehlt

    Die hohen Preise für Erdgas und Strom haben in Deutschland und der Europäischen Union für Diskussionen über Hilfen vor allem für Verbraucher gesorgt. Die Europäische Kommission hat einen „Werkzeugkasten“ mit Instrumenten vorgestellt, die nationale Regierungen nutzen können, um die Belastung der Verbraucher einzugrenzen. Konkret geht es vor allem um Direkthilfen und Steuererleichterungen. Die Bundesregierung verzichtet bisher auf konkrete zusätzliche Hilfen. Auf eine einheitliche Strategie, wie Ursachen und Auswirkungen der aktuellen Krise zu bekämpfen sein könnten, haben sich allerdings weder die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel vergangene Woche noch die EU-Energieminister in dieser Woche einigen können.

    Mehr zum Thema: Eine breite Allianz aus der Wirtschaft zeigt den Koalitionsverhandlern in Berlin einen Weg, erneuerbare Energien schnell und vergleichsweise kostengünstig auszubauen.

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