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Q-CellsDie überschätzten Sanierer

Mit Ruhm haben sich die bisherigen Berater, Sanierer und Rumstrukturierer in der Solarbranche nicht bekleckert. Allen voran die internationale Managementberatung Alvarez & Marsal.KOMMENTAR von Mario Brück 24.01.2012 - 16:22 Uhr

Die internationale Managementberatung Alvarez & Marsal (A&M) hat bei Q-Cells und Solon die Finger im Spiel. Mit Ruhm bekleckert haben sich die Berater nicht.

Foto: dpa

Die Lage beim angeschlagenen Solar-Gemischtwarenladen Q-Cells hat sich nochmals dramatisch zugespitzt. Der Hersteller von Zellen, Modulen, Systemen und ganzen Solarkraftwerken verfügt per Ende 2011 nach Bilanzvorschriften des Handelsgesetzbuches über kein Eigenkapital mehr, operative Gewinne seien frühestens 2014 zu erwarten.Und zu allem Überfluss muss Vorstandschef Nedim Cen in den kommenden fünf Wochen die Zeichner einer 200 Millionen Euro schweren Wandelanleihe davon überzeugen, auf die bis Ende Februar fällige Rückzahlung der Forderungen noch Jahre zu warten. Gelingt das nicht, scheint die Insolvenz unausweichlich.  

Zeit für neue Berater

Es wird Zeit, den Horrormeldungen aus den Reihen der Solarindustrie einfach auch mal etwas Positives abzugewinnen: Solon ist pleite, Solar Millennium ist pleite, Q-Cells steht nur noch ein paar Millimeter davor. Fehlen also noch die ebenfalls taumelnden Phoenix Solar und Conergy -  und dann ist erst mal das Gröbste überstanden. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Zeit zum Durchatmen, Zeit für Bestandsaufnahmen. Zeit für neue Strategien und vor allem neue Berater.

Die Achterbahnfahrt der Q-Cells Aktie begann vor einigen Jahren. Im Dezember 2005 rückt die Aktie des Solarherstellers aus dem Prime Standard in den TecDax der Deutschen Börse auf. Seit Juni 2007 ist die Aktie im ÖkoDax aufgeführt. Bis zum Jahresende steigt der Kurswert von 20 Euro auf spektakuläre 80 Euro.

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Sommer 2008: In der Spitze hat das Q-Cells-Papier einen Wert von mehr als 97 Euro. Q-Cells gilt mit seinen langfristigen Siliziumverträgen und der gut verkauften Produktion als Vorzeigeunternehmen der Branche. Das Unternehmen wird sogar als Kandidat für den Dax-30 gehandelt.

Foto: dpa

2009 wird Q-Cells noch als "Business of the Year" ausgezeichnet - wegen außergewöhnlicher Finanzergebnisse, starkem Wachstum und Marktführerschaft. Im Bild ist Anton Milner, früherer Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zu sehen.

Foto: dpa

Doch im Umfeld der Finanzkrise und der wachsenden Konkurrenz aus Asien sinkt der Aktienkurs im März 2009 auf ein vorläufiges Allzeittief von unter zehn Euro. Bis zum Jahresende geht es auch kaum wieder aufwärts.

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Im Januar 2010 starten die Anteilsscheine mit noch mehr als zehn Euro. Doch im Jahresverlauf stürzt der Börsenwert des Unternehmens um 73 Prozent ab.

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Im Dezember 2010 sind es nur noch weniger als 2,50 Euro. So schlecht wie der Solarkonzern hat 2010 keine andere Firma aus Dax, MDax oder TecDax abgeschnitten.

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25 Prozent legen die Papiere im Februar 2011 innerhalb einer Woche zu, dann machen die Anleger Kasse und es geht wieder steil abwärts – und das obwohl die Zahlen gar nicht so schlecht waren und Q-Cells wieder in der Gewinnzone lag. Das Unternehmen hatte mit seinem Ergebnis für 2010 nicht nur die eigenen, sondern auch die Analystenprognosen übertroffen. Dennoch stürzt die Aktie ab März von drei Euro zeitweise auf knapp 50 Cent ab.

Foto: dapd

Seitdem kommt Q-Cells kaum noch auf einen grünen Zweig. Im ersten Quartal 2011 macht das Unternehmen 41 Millionen Euro Verlust. Im zweiten Quartal sind es schon 355 Millionen Euro - und das obwohl sich die Verkäufe im Vergleich zu den vorhergegangenen drei Monaten verdoppelt hatten. Der Aktienkurs stürzt daraufhin im August 2011 um 18 Prozent in die Tiefe. In der Folge befürchten Analysten, dass das Eigenkapital des Unternehmens knapp werden könnte. Pleitegerüchte machen die Runde. Im Bild ist der heutige Vorstandsvorsitzende Nedim Cen zu sehen.

Foto: dpa

Mitte Oktober gibt das Unternehmen nach langen Debatten bekannt, dass es 250 Mitarbeiter im Hauptsitz entlassen werde.

Foto: dapd

Ende Oktober 2011 kündigt sich ein erster Hoffnungsschimmer für Q-Cells und seine Anleger an. Ein Plus von 22 Prozent ist die Reaktion darauf, dass die Q-Cells-Gläubiger dem Unternehmen Aufschub in Bezug auf die Ende Februar 2012 fälligen Papiere geben wollen. Die Investoren halten derzeit Wandelanleihen im Wert von über 200 Millionen Euro. Die Gefahr einer kurzfristigen Pleite verringert sich damit.

Foto: dapd

Das Chaos bricht aus, als der Solarkonzern in der ersten Novemberwoche verkündet, dass er mit Luxcara aus Hamburg und der Berliner MCG Managment Capital Group Investoren für den geplanten Bau eines 200 Hektar Mega-Solarparks in Brandenburg gefunden habe. 22.500 Haushalte sollen so mit Strom versorgt werden können. Der Wert der Aktien verdoppelt sich und hört auch darüber hinaus kaum auf zu steigen.

Foto: ap

Allgemeinen Annahmen zufolge ist der Grund für das Auf und Ab allerdings nicht die gute Nachricht an sich, sondern ein Short Squeeze. Dabei müssen Anleger, so genannte Short-Seller, die auf fallende Kurse spekuliert hatten, eine Aktie zuz jedem Preis kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Rund 45 Prozent der Q-Cells-Aktien sollen zuletzt leerverkauft worden sein.

Foto: pr

Wie es mit der Aktie weitergeht, ist kaum zu sagen. Ein Short-Squeeze kann durchaus über mehrere Tage laufen, ein erneuter Einbruch nach der Übertreibung ist aber ebenso möglich. So oder so sollten Anleger, die das Spiel mit dem Feuer scheuen, vorerst die Finger von Q-Cells lassen. Fest steht: Der Konzern ist alles andere als gesund - das zeigen auch die neusten Quartalszahlen. Analysten zeigen sich bisher pessimistisch und hatten schon vor dem plötzlichen Höhenflug überwiegend zum Verkauf geraten.

Foto: dpa

Mit den Quartalszahlen setzt sich die Hängepartie beim angeschlagenen Solarunternehmen Q-Cells fort. Die Krise in der Branche belastet das TecDax-Unternehmen auch im dritten Quartal schwer. Wie die Gesellschaft mitteilte, fiel ein operativer Verlust von 47,3 Millionen Euro an, nach einem Plus von 36,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging von 400 Millionen auf 228,8 Millionen Euro zurück. Analysten hatten
zwar einen deutlichen Rückgang erwartet, die Zahlen fielen aber noch schlechter aus. Eine im Februar 2012 fällige Wandelschuldverschreibung könne möglicherweise nicht vollständig zurückgezahlt werden. Mit einem Minus von 21,6 Prozent waren die Papiere heute im frühen Geschäft von Lang & Schwarz der mit Abstand schwächste Wert im TecDax.

Foto: dpa

Denn mit Ruhm haben sich die bisherigen Berater, Sanierer und Rumstrukturierer nicht bekleckert. Allen voran die internationale Managementberatung Alvarez & Marsal (A&M). Das US-Unternehmen hat und hatte maßgeblich bei Solon und Q-Cells die Finger im Spiel. Mitte vergangenen Jahres hatte Solon A&M mit einem Sanierungsplan beauftragt, um eine Pleite abzuwenden.

Prompt wurde gute Laune verbreitet:  „Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal erarbeitet das Solarunternehmen Solon ein Restrukturierungskonzept, das das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zurückbringen soll“, hieß es noch im August. Denkste.

„A & M zehrt von dem Erfolg bei der Sanierung von Kuka. Tatsächlich war Kuka aber immer ein gesundes Unternehmen“, sagt ein Branchenkenner.

Foto: dpa

Anfang Oktober schickten die Berliner etwa 100 Mitarbeiter in Kurzarbeit und beriefen Walter Bickel zum Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand. Der Geschäftsführer von Alvarez & Marsal Deutschland war zuvor in beratender Funktion für das Photovoltaik-Unternehmen tätig.  Zwei Monate später ging in Berlin das Licht endgültig aus.

Und auch bei Q-Cells konnten sich die A&M-Leute so richtig austoben, kassierten üppige Gehälter und hinterließen ein Unternehmen, das nun ebenfalls unmittelbar vor der Pleite steht. Eine halbe Million Euro pro Monat ließ sich das Solarunternehmen Q-Cells die Dienste des Restrukturierungsberaters im Jahr 2010 kosten. Im Jahr zuvor waren es insgesamt 2,4 Millionen Euro. Im Gegenzug hatte Alvarez & Marsal quasi die gesamte Geschäftsführung übernommen.

Wenn Sanierer irren 

Nedim Cen rückte sofort nach Beginn des Beratungsauftrages in das Finanzressort. Im März 2010 löste er auch den zuletzt glücklosen Anton Milner als Vorstandschef von Q-Cells ab. Q-Cells hatte schon 2009 einen Milliarden-Verlust hinnehmen müssen. 2010 wollte Q-Cells bereits wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt sein. 

„A & M zehrt von dem Erfolg bei der Sanierung von Kuka. Tatsächlich war Kuka aber immer ein gesundes Unternehmen“, sagt einer, der sich in der Branche bestens auskennt. „Das Ergebnis der Sanierung bei Q-Cells und bei Solon ist hingegen katastrophal. Dies liegt auch an manchen falschen Entscheidungen der Sanierer.“

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