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Rezession und Klima Warum die Umwelt kaum von der Krise profitiert

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Das Klima dagegen hat nur wenig vom temporären Produktionsausfall: Denn je niedriger der Preis, desto geringer ist der Anreiz für die Versorger, in die Vermeidung von Kohlendioxid zu investieren. Ökonomen wie Kemfert plädieren deshalb dafür, bei sinkendem CO2-Ausstoß die Menge der Zertifikate entsprechend zu verringern – das heißt, ein sogenanntes „dynamisches Cap“ einzuführen. „So stützen wir den Preis und halten den Emissionshandel in Krisenzeiten am Laufen“, sagt Kemfert.

Von dieser Dynamik sind jedoch längst nicht alle Experten angetan. „Flexibilität ist zwar immer gut – aber nicht nur in eine Richtung“, sagt Manuel Frondel, Leiter der Abteilung Umwelt und Ressourcen am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Politik setzt kaum Impulse für Klimaschutz

Mehr erhofft haben sich Umweltökonomen auch vom milliardenschweren Konjunkturpaket der Bundesregierung. Bis auf die ohnehin geplanten Anreize zur Gebäudesanierung setzt die Politik kaum Impulse für den Klimaschutz. Weder die befristete Steuerbefreiung für Neuwagen noch die Umweltprämie, der Bonus für die Verschrottung mindestens neun Jahre alter Gebrauchtwagen, haben einen ökologischen Lenkungseffekt. Ganz im Gegenteil: „Die Abwrackprämie ist ökologisch kontraproduktiv“, sagt Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Schließlich sorge sie dafür, dass Fahrzeuge mit einer Lebensdauer von im Schnitt 15 Jahren bereits sechs Jahre früher verschrottet werden. Das freut zwar die Hersteller, aber die Umwelt hat davon nichts.

Auch die Konjunkturpläne anderer Länder berücksichtigen die Umwelt kaum. Zu diesem Schluss kommt Edenhofer in einem Gutachten, das er mit dem britischen Ökonomen Nicholas Stern, Vater des Stern-Reports, erstellt hat. Während die USA 0,8 und China sogar 4,8 Prozent des BIPs in Wasserkraft und andere grüne Technologien investieren, schneidet Deutschland mit unter 0,4 Prozent eher schlecht ab. Edenhofer: „Wir verpassen es, die Krise als Chance zu nutzen.“

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