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Rheinpegel, Raffinerie-Explosion, Shell kürzt Produktion Warum Benzin immer noch nicht billiger wird

Shell kürzt wegen Rhein-Niedrigwasser die Produktion in den Raffinerien.

Der niedrige Wasserstand des Rheins löst Lieferengpässe für Benzin und Heizöl aus – das treibt die Preise. Jetzt kürzt Shell auch noch die Produktion. Wer sparen will, muss strategisch tanken.

Bereits seit Juni schränken die niedrigen Pegelstände am Rhein die Schifffahrt ein. Kraftstoffe können nur noch eingeschränkt über den Rhein transportiert werden. Das treibt die Preise für Benzin und Heizöl in die Höhe, einzelne Tankstellen meldeten schon Nachschubprobleme. Herkömmliche Binnenschiffe können nicht mehr voll beladen werden. Nun fährt Shell die Produktion in den Raffinerien in Godorf und Wesseling zurück. Wegen des extrem niedrigen Pegels könnten keine Lastkähne mehr in den Hafen in Wesseling, teilte der niederländisch-britische Öl-Konzern am Dienstag mit. Auch im Godorfer Hafen gebe es Einschränkungen wegen des Wasserstands. „Wir nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Versorgungswege und haben den Produktionsumfang angepasst.“

Auch Industriekonzerne wie Thyssenkrupp, ArcelorMittal oder BASF mussten deshalb schon ihre Produktion kürzen. Der Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) fordert vom Bundesverkehrsministerium, dass Tanklaster vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot ausgenommen werden sollen, um die Benzin-Lieferengpässe auszugleichen. Doch die Verlagerung ist schwierig: Für die Menge von rund 2000 Tonnen Treibstoff, die ein Binnentanker transportieren kann, braucht man 100 Lkw oder 40 Kesselwagen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, man habe schon in den vergangenen Monaten mehr Anfragen erhalten und etwa mehr Kohlezüge gefahren. Allerdings besitze der Konzern selbst keine Kesselwagen für Mineralöl, die müsse man sich leihen. Dies sei derzeit allerdings schwierig, auch weil der Güterverkehr traditionell im Herbst besonders ausgelastet sei.

Seit Wochen liegt der Rheinpegel bei 100 cm oder sogar darunter. Bei der letzten Messung waren es 81 cm. In Düsseldorf sind es aktuell nur 40 cm. Ein Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral in Bochum erklärt: „In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können.“ Die Transportkapazität der Schiffe sei nur zu einem Teil durch Lastwagen zu ersetzen. Das soll sich durch den Vorstoß des MWV ändern.

Tankstellen-Apps können Abhilfe schaffen

Für Autofahrer wird damit die Fahrt zur Tankstelle zur Frustnummer. Denn entweder sie zahlen hohe Preise oder kommen gar an einer leeren Tankstelle an. Gerade im Süden und Westen, die stark von der Binnenschifffahrt abhängig sind, ist die Versorgung eingeschränkt.

Zehn Tipps zum Spritsparen

Das treibt den Preis: Laut MWV lag der Benzinpreis im Oktober bei 1,53 Euro. Zum Vergleich: Im Januar diesen Jahres lag der durchschnittliche Preis noch bei 1,36 Euro. Für den Preis gibt es jetzt nur einen Liter Diesel. Im Januar lag der Dieselpreis noch bei 1,20 Euro.


Einer täglichen Auswertung der Plattform clever-tanken.de zufolge gibt es aber massive regionale Unterschiede. So ist der Preis in Regensburg auf 1,60 Euro für einen Liter gestiegen. Selbst ein Liter Diesel kostet 1,54 Euro. Im Norden hingegen ist die Lage entspannter. So zahlen die Hamburger Autofahrer derzeit im Schnitt 1,44 Euro für Benzin und 1,33 Euro pro Liter Diesel.

Wer ein paar Cent sparen will, sollte daher strategisch tanken. Am besten eignen sich dafür die frühen Morgenstunden zwischen 4 und 6 Uhr, zeigt eine Auswertung der Markttranzparenzstelle der Bundesregierung. Sie beobachtet die tägliche Entwicklung der Spritpreise und gibt diese an App-Betreiber wie etwa den ADAC oder Clever-tanken.de weiter. Autofahrer können diese auf ihr Handy laden und sich unterwegs anzeigen lassen, wo in ihrer Nähe gerade die günstigste Tankstelle ist.

Erst kräftiger Regen wird die Situation entspannen

Sich vor dem Tanken zu informieren kann sich derzeit doppelt lohnen. Denn im schlimmsten Fall steuert man sonst eine Tankstelle an, die komplett leer gelaufen ist. Welche es treffe, sei nicht vorhersehbar, sagt Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT) in Bonn. „Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt.“ Meist sei aber nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub da.

„Einen Notstand haben wir nicht, aber sehr wohl eine angespannte Versorgungssituation“, sagte der MWV-Sprecher. „Eine Entspannung ist erst in Sicht, wenn der Rheinpegel steigt. Dafür muss es kräftig regnen.“

Der Mineralölwirtschaftsverband nennt neben dem niedrigen Wasserstand einen weiteren Grund für die Versorgungslücken: die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg an der Donau im September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher.

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