Robin Behlau: Sein früherer Mitstreiter gründete Enpal – nun versucht auch er sich am Energiemarkt
Sein erstes Unternehmen hat Robin Behlau an Prosiebensat.1 verkauft. Nun hat er Investoren für sein neues Projekt Fuchs & Eule gefunden.
Foto: PRDie gebürtigen Brandenburger Mario Kohle und Robin Behlau sind nicht nur seit der Schulzeit eng befreundet, sie haben auch erfolgreich ein Unternehmen gegründet und verkauft. Mit Mitte 20 starteten die beiden „das-Käuferportal.de“, vermittelten Produkte wie Solaranlagen und Garagen an Privatkunden und strichen bei jedem Verkauf Provisionen ein. Das Investmentvehikel der Prosiebensat.1-Gruppe kaufte sukzessive Anteile an der Berliner Firma und übernahm 2019 die Mehrheit an Käuferportal.
Kohle stieg schon früher aus und gründete das Solar-Start-up Enpal, das mittlerweile mit über zwei Milliarden Euro bewertet wird. Sein Mitstreiter Behlau verließ Käuferportal erst 2021 und gründete ebenfalls erneut. Sein Software-Unternehmen Valyria digitalisierte Grundrisse, Verträge und auch das Bieterverfahren von Mehrfamilienhäusern. Zielgruppe waren Kapitalanleger. Investoren finanzierten das Geschäftsmodell schnell mit zehn Millionen Euro. Doch mit dem Ukraine-Krieg änderte sich alles. „Der Immobilienmarkt ist komplett eingebrochen, das Geschäftsmodell hat nicht mehr funktioniert“, erklärt Behlau. Also warf der heute 39-Jährige alles um und änderte sein Konzept.
Wachstumsmarkt Energieberatung
Wie sein Schulfreund Mario Kohle ging auch Behlau in den Energiesektor. Die beiden teilen sich nicht nur wieder den gemeinsamen Wohnort Strausberg, eine Kleinstadt am Rand von Berlin, sondern auch die Branche. Und selbst in der Wachstumsstrategie sind Gemeinsamkeiten zu erkennen.
Seit Sommer 2022 bietet Behlau Energieberatung unter dem neuen Namen Fuchs & Eule an. Wollen Eigenheimbesitzer ihr Haus energetisch sanieren, beispielsweise eine Wärmepumpe einbauen, die Fassade dämmen oder die Fenster austauschen, berät Fuchs & Eule sie dabei. Im Kern geht es darum, welche Maßnahmen mit Blick auf die Kosten wirklich sinnvoll sind und wie hoch die Fördermittel ausfallen. Ein wachsender Markt: Im Jahr 2022 lag der Gesamtumsatz für Energieberatungen laut Bundesstelle für Energieeffizienz bei knapp 900 Millionen Euro. Verbraucherzentralen bieten solche Beratungen zwar kostenlos an und Immobilienbesitzer können die Anträge selbst stellen – mit einem Experten als Zwischeninstanz fallen jedoch die Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) höher aus. Und eine solche Zwischeninstanz ist Fuchs & Eule.
Das Berliner Start-up erstellt hauptsächlich einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der für die Förderung nötig ist. Das heißt: Einen Überblick über die Umbauarbeiten inklusive Zeitstrahl und Finanzierungsmöglichkeiten. Einen solchen Sanierungsfahrplan können verschiedenste Honorarberater erstellen, häufig sind das Selbstständige. In der Regel kostet der Bericht 1600 Euro oder mehr, wird aber vom Bafa bezuschusst. Der Eigenanteil der Kunden liegt bei Fuchs & Eule daher bei 490 Euro. Benötigen Kunden keine Energieberatung, sondern nur Hilfe bei den Fördermitteln, zahlen sie 300 Euro.
Konkret bedeutet das: Setzen Kunden einen Vorschlag aus dem Sanierungsfahrplan um, bekommen sie pro Umbaumaßnahme 20 Prozent bei einer Rechnung von maximal 60.000 Euro. Ohne einen Honorarberater als Zwischeninstanz beträgt die Förderung lediglich 15 Prozent bei höchstens 30.000 Euro.
Kapital von Samwer-Fonds
Bei Fuchs & Eule geben Hausbesitzer in einem telefonischen Erstgespräch Daten wie Grundrisse und Energieverbrauch weiter. Das Unternehmen schickt zudem lokale Dienstleister vorbei, die die Immobilie fotografieren. Im Anschluss evaluiert das Programm des Start-ups die Möglichkeiten. Die Energieberatung und die Antragstellung der Zuschüsse dürfen aus rechtlichen Gründen nur zertifizierte Ingenieure übernehmen. „Dort liegt derzeit unser Engpass“, gibt Gründer Behlau zu. Etwa 50 der 100 Angestellten des Start-ups seien Energieberater. Um die derzeit hohe Nachfrage bedienen zu können, benötige Fuchs & Eule aber mehr. Die Idee: eine Art Akademie. Studierte Ingenieure können sich intern weiterbilden lassen.
Mit dieser Strategie arbeitet auch Enpal. Das Berliner Solar-Unternehmen vermietet Solaranlagen an Hausbesitzer, kümmert sich um die Installation und Wartung. Dafür braucht das Berliner Start-up eigenen Angaben zufolge Tausende Handwerker. Also hat Enpal kurzerhand eine Weiterbildungsstätte errichtet, in der Quereinsteiger zu Solar-Monteuren umgeschult werden. Und dieses Konzept verfolg auch Robin Behlau.
Wie hoch der Umsatz mit Energieberatung ist, möchte der Gründer von Fuchs & Eule nicht sagen. Derzeit erwirtschaftet das Berliner Start-up pro Kunde 300 beziehungsweise 490 Euro. Investoren scheint das neue Modell aber zu gefallen: Gerade haben Behlau und seine Mitgründer Tobias Frese, Friso Zimmermann, Lina Adrian und Matthias Kube eine neue Finanzierungsrunde in Höhe eines „zweistelligen Millionenbetrags“ abgeschlossen. Neben dem Altgesellschafter Picus Capital, zu dessen Gründern Alexander Samwer gehört, haben auch der Amsterdamer Energie-Fonds SET Ventures und der neue Immobilieninvestor Realyze Ventures Geld gegeben.
Lesen Sie auch: So finden Bauherren den richtigen Energieberater