Rohstoff-Knappheit "China ist ein Staubsauger"

Deutsche Industrielle wollen gemeinsam nach seltenen Metallen graben – unter dem Dach der Rohstoff Allianz. Geschäftsführer Dierk Paskert erzählt im Interview mit WirtschaftsWoche Online, wie das klappen soll.

Dierk Paskert Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Paskert, Industriekonzerne haben sich früher Rohstoffe selbst beschafft, wenn sie sie brauchten. Jetzt soll die Rohstoffallianz danach bohren. Was bringt das?

Paskert: Jedes Unternehmen darf gern auch weiterhin die Beschaffung eigenständig steuern. Aber bei Rohstoffprojekten ist die Risikostreuung wichtig, da eine Vielzahl geologischer, technischer, wirtschaftlicher und auch politische Risiken mit Förderprojekten verbunden ist. Diese Risiken können wir leichter tragen, wenn wir Projekte über die Rohstoffallianz gemeinsam anpacken.

Welche Projekte können das sein?

Das sind anfangs Förderprojekte sein, die ein Gesellschafter schon im Auge hatte und allein nicht weiter verfolgen wollte. Oder neue Bohrungen in Ländern wie der Mongolei oder Kasachstan, mit denen die Bundesregierung ein Rahmenabkommen für eine Rohstoffpartnerschaft unterzeichnet hat. Die Umsetzung der Projekte soll in eigens zu gründenden Projektgesellschaften durch jene Gesellschafter der Rohstoffallianz erfolgen, die die Rohstoffe später auch verbrauchen.

Ihre Gesellschafter sind BASF, Bosch, Thyssen-Krupp– Konzerne aus verschiedenen Branchen, mit verschiedenen Interessen. Wie wollen Sie die auf einen Nenner bringen?

Für den Anfang habe ich da in der Tat eine schwierige Moderationsaufgabe. Seit der Gründung lote ich die individuellen Interessen unter den Gesellschaftern aus. Es gibt auf der Welt viele Rohstoff-Projekte, die auf Förderer und Financiers warten. Wir müssen jetzt schauen, welche davon für unsere Mitglieder interessant sind. Von 400 Minen etwa bei Seltenen Erden werden vielleicht 10 bis 15 für Deutschland überhaupt infrage kommen.

Was in iPhones und Panzern steckt
Hybridauto von Porsche Quelle: rtr
Neodym Neodym ist Ausgangsstoff für starke Permanentmagnete, die in kleinen Mikrophonen und Lautsprechern – etwa in Apples iPhone – stecken. Sie machen auch moderne Audioanlagen erst möglich. Quelle: ap
Praseodym Auch Praseodym ermöglicht die Produktion kräftiger Magneten, die für die Herstellung kompakter Elektromotoren, aber auch von Generatoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Quelle: ap
Samarium Samarium ist ebenfalls Ausgangsstoff für Permanentmagnete, die beispielsweise in militärischen Navigationssystemen stecken, wie die US-Armee sie im Kampfpanzer Abrams einsetzt. Damit endet die Vorstellung der ersten vier Vertreter aus der Gattung der „leichten seltenen Erden“, weiter geht's mit den sogenannten „schweren seltenen Erden“. Quelle: Reuters
Terbium Als grünlicher Fluoreszenzstoff hilft Terbiumden Herstellern von Lampen ohne Glühfaden, die Lichttemperatur einzustellen. So verbrauchen Energiesparlampen bei gleicher Helligkeit weniger Strom. Quelle: ap
Gadolinium In Kernreaktoren dient Gadolinium dazu, überschüssige Neutronen zu absorbieren - entweder für eine Schnellabschaltung oder in Meilern, die nur selten neu bestückt werden, etwa für Atom-U-Boote. Quelle: ap
Yttrium In Radargeräten dienen kristallische Elemente mit Yttriumanteil dazu, die zurückkommenden elektromagnetischen Wellen besser aufzufangen. Als nächstes folgen die seltenen Metalle. Quelle: Reuters

Welche Rohstoffe haben Sie im Blick?

Es geht um viele mineralische Rohstoffe. Das viel diskutierte Defizit der deutschen Industrie droht bekanntlich im Bereich der sogenannten „Seltenen Erden“, so wie Dysprosium und Neodym, die in der Automobilindustrie bei Magneten zum Einsatz kommen und damit auch für die Entwicklung der Elektromobilität essenziell sind. Deswegen sprechen wir auch mit den großen deutschen Autobauern, die sich für den Beitritt zur Rohstoffallianz interessieren. Die sind hoffentlich schon bald auf dem Sprung in den Kreis unserer Gesellschafter.

Kann die Knappheit dieser Rohstoffe schon zu Produktionsausfällen führen?

Nein, vorerst werden bei uns keine Bänder still stehen. Die meisten Unternehmen sichern sich ihre Rohstoffe schon Jahre im Voraus. Wir sprechen also von einer Versorgungssicherung für einzelne Güter ab 2015. Doch wenn wir bedenken, dass China bei fast allen Rohstoffen schon 40 Prozent verbraucht und deren Bedarf weiter drastisch zunimmt, wird mir auf mittlere Sicht unwohl. China ist ein riesiger Staubsauger, den es so früher schlicht nicht gab. Wir sollten uns jetzt über die Versorgungssicherheit für die deutsche Industrie Gedanken machen.

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