Rosneft Rosneft soll zur russischen Exxon aufsteigen

Der russische Präsident Putin will den Staatskonzern zum mächtigen Ölkonzern machen

Ein Rosneft-Arbeiter dreht an einem Ventil Quelle: REUTERS

Exxon und Mobil? Diese Fusion erschütterte vor 13 Jahren die Ölindustrie, ein Megakonzern entstand. Heute kräht kein Hahn mehr danach, dass Mobil ein Teil von Exxon ist, wissen nach all den Jahren die Wenigsten. Nun kommt es offenbar wieder zu einer spektakulären Übernahmen in derselben Größenordnung: Der staatliche russische Ölkonzern Rosneft will das Russland-Geschäft von BP übernehmen. Die Gelegenheit ist günstig. BP-Chef Bob Dudley hatte nicht viel Glück mit seinem Versuch, in Russland Fuß zu fassen. Das war aber bitter nötig, denn die finanziellen Schäden aus der Ölkatastrophe der Plattform Deepwater Horizon sind noch immer nicht verdaut.

BP ringt um sein Überleben, der urbritische Konzern stößt Anteile ab, um Geld hereinzuholen. Jetzt bietet sich der Verkauf des Russland-Geschäfts an. Das Angebot von Rosneft-Chef Igor Setschin muß sich für BP-Chef Dudley verlockend anhören.

Einem Zeitungsbericht zufolge, hat Rosneft dem britischen Konzern 21 Milliarden Euro für dessen Anteile am russisch-britischen Ölförderer TNK-BP geboten. Setschin beabsichtigt auf diese Weise, den weltgrößten Ölförderer zu schmieden, knapp vor der US-amerikanischen Exxon, die bisher das Symbol für Macht und Einfluss der USA stand. Was Rockefeller im 19. Jahrhundert mit seiner Standard Oil aufbaute – er kaufte viele Ölgesellschaften zusammen, die in Not geraten waren – will nun Präsident Wladimir Putin. Kalkül: Im Erdölgeschäft hilft nur Größe weiter, das haben die weltweit agierenden Fördergesellschaft längst begriffen. Nur BP wurde durch das Unglück von Deepwater Horizon von den Großen abgehängt. Da wittern Putin und sein wichtigster Verbündete in der russischen Wirtschaft, Igor Setschin, eine einmalige Chance.

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.
„Wenn Sie aber islamische Radikale werden wollen und deshalb bereit sind, eine Beschneidung vorzunehmen, dann lade ich Sie nach Moskau ein. Wir sind ein Land mit vielen Konfessionen, und wir haben gute Ärzte. Wir empfehlen diese Operation so durchzuführen, dass Ihnen nichts mehr nachwächst.“ Putin während des EU-Russland-Gipfels auf die Frage eines Journalisten nach dem Vorgehen der russischen Armee gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien, November 2002.
„Unsere russischen Frauen sind die begabtesten und die schönsten“. April 2008 bei einem Besuch in Rom auf die Frage nach seinem Privatleben.
„Schießen können sie, aber keine Ordnung schaffen.“ Zur US-Militärpolitik im Irak, Oktober 2007.
„Ich werde (Georgiens Präsidenten Michail) Saakaschwili an den Eiern aufhängen.“ Putin auf die Frage von Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy nach Russlands Plänen im Krieg gegen Georgien, November 2008.
„Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet.“ Über seine Zeit als Präsident im Kreml, Februar 2008.

BP hatte in Russland nie Glück, trat dort auch oft arrogant und ein bisschen zu weltmännisch auf. Mit dem Konsortium AAR, ein Verbund von vermögenden russischen Unternehmern („Oligarchen“), hatte BP vor neun Jahren ein Konsortium gegründet, um in Russland schneller wachsen zu können. Doch traten die BP-Manager auch häufig ins Fettnäpfchen und übersahen russischen Stolz und russische Empfindlichkeiten. AAR fühlte sich bei vielen BP-Entscheidungen ausgebremst. So lag auf Dauer kein Segen auf dieser britisch-russischen Kooperation.

Putin und Setschin wollen die Russische Föderation nun zur wichtigsten Rohstoff-Supermacht ausbauen. Mit Sorge sehen die Kremlfürsten, dass sich die USA beim Erdgas zunehmend autark abschotten und durch eigene Schiefergasförderungen kein Gas mehr importieren müssen, Schiefergas sogar in verflüssigter Form (LNG) auf Großtankern über die Meere schicken, so schätzen es Brancheninsider ein. Nun will sich Russland beim Öl nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und schmiedet mit Rosneft einen Koloss. Dass dieser staatlich ist, stört nur wenige Ordnungspolitiker im Westen.

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Die gesamte deutsche Energiewirtschaft war vor 13 Jahren staatlich oder staatlich dominiert oder beeinflusst. Sogar der konservative EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) forderte erst vor drei Tagen die Verstaatlichung der deutschen Stromnetze, so ganz nebenbei. In der gesamten Energiewirtschaft, bei Strom und Gas, schlägt das Pendel im Westen in Richtung staatlicher Ordnungsmacht. Beim Öl ist es jetzt so in Russland.     

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