RWE-Hauptversammlung Weg mit den Kohle-Drecksschleudern

RWE-Chef Peter Terium weiß: Mit der geplanten Klimaabgabe auf Kohle-Dreckschleudern geht es RWE an die Substanz. Da bleibt nur eines – RWE muss sich endlich neu erfinden. Doch leider fehlt es an Ideen.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa
Sonstige Immerhin vier Prozent der Stromproduktion stammen aus den sogenannten sonstigen Energieträgern. Dieser Wert ist seit Jahren relativ konstant. Dahinter verbergen sich vor allem verschiedene Gase wie Grubengas, Kokerei- und Hochofengas aber auch zum Beispiel Klärschlamm. Quelle: dpa
WasserAuch Wasserkraft ist seit Jahren verhältnismäßig konstant, wenn auch in 2013 minimal rückläufig. Etwa 21 Milliarden Kilowattstunden wurden in Wasserkraftwerken produziert, das entspricht 3,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: AP
MineralölEin wichtiger Energieträger, in der Stromproduktion jedoch recht unbedeutend: Öl. Gerade einmal 7 Milliarden Kilowattstunden Strom stammten 2013 aus der Verbrennung von Mineralölprodukten. Das ist etwa ein Prozent des produzierten Stroms, vor 20 Jahren waren es noch zwei Prozent. Quelle: dpa
HausmüllMit fünf Milliarden Kilowattstunden trägt die Verbrennung von Hausmüll auch noch ein kleines Scherflein bei. Der Anteil des Stroms aus Müllverbrennung steigt seit Jahren stetig aber langsam – von 0,4 auf 0,8 Prozent in den letzten zehn Jahren. Quelle: dpa

Absurder geht es schon nicht mehr: Vor den Toren der Grugahalle verteilen RWE-Auszubildende Flugblätter. Darin fordern die Jugendlichen die RWE-Aktionäre auf, mit ihnen gegen die von der Bundesregierung geplante Klimaabgabe auf Kohle-Kraftwerke am kommenden Samstag in Berlin zu demonstrieren. Schließlich gehe es um ihre Arbeitsplätze und damit um ihre Zukunft. Die sonst so umweltbewusste Jugend wettert gegen Klimaschutz? Das ist schon bemerkenswert.

Während die Auszubildenden brav im Sinne des Konzerns Anti-Klimaabgabe-Flugblätter verteilen, ziehen auf der Hauptversammlung ein Umweltaktivist aus den USA und aus Russland gegen umweltbelastende Kohleabbau-Technologien in Amerika und in Russland zu Felde.

Aus Russland kommt Dmitry Berezhkov nach Essen, der die Auswirkungen des Kohleabbaus im westsibirischen Kemerowo darlegt. Der RWE-Konzern bezieht laut Berezhkov Kohle aus diesem Gebiet, welches nach einer russischen Statistik, zu einem der drei verschmutzten Orte Russlands gehört.

Auch aus Kolumbien ist eine junge Frau angereist. Auch sie beklagt die Umweltbelastungen aus dem Kohle-Bergbau. Auch von dort bezieht RWE Kohle. Die Kohle zerstöre ihre Lebensgrundlage. Sie bittet RWE-Chef Terium um Hilfe.

Und hier, im umweltbewussten Deutschland, löst die geplante Klimaabgabe auf Braunkohle-Dreckschleudern, Widerstand beim Konzern und seinem Nachwuchs aus? Klar, die Forderung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist politisch getrieben. Sie ist aber trotzdem richtig.

Regionalversorger unterstützen Klimaabgabe auf Kohle-Kraftwerke

Gabriel geht es sicherlich nicht darum, Arbeitsplätze in den Braunkohle-Tageabbau im Westen wie im Osten Deutschlands zu zerstören. Aber wie will Deutschland seine Klimaziele erreichen? Spätestens zum Klimagipfel in Paris im November muss Bundeskanzlerin Angela Merkel konkret werden.

Wirtschaftsminister Gabriel hat also vorgeschlagen, den Kohlendioxid-Ausstoß von älteren Kraftwerken bis 2020 um 22 Millionen Tonnen zu senken, um bis dahin die geplante Minderung um 40 Prozent zu erreichen – gemessen am Jahr 1990. Wenn Kohle-Kraftwerke über eine bestimmte Freigrenze hinaus CO2 ausstoßen, sollen die Betreiber nach dem Willen des Ministers eine Strafe von bis zu 20 Euro pro Tonne zahlen.

Deutsche Energieversorger im Vergleich

Logisch, RWE-Chef Peter Terium geht scharf ins Gericht mit den Plänen des Ministers. „Die Abgabe würde nämlich das sofortige Aus für einen Großteil des Braunkohletagebaus und von Braunkohlekraftwerken bedeuten“, sagt Terium. Zudem seien zehntausende Arbeitsplätze gefährdet.

Unterstützung bekommt Gabriel ausgerechnet von zahlreichen Stadtwerken für sein umstrittenes Kohle-Konzept. Rund 51 Regionalversorger sind für die Pläne der Bundesregierung, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Es sei seit nahezu acht Jahren allen Akteuren bekannt, dass es einen Umbau des fossilen Kraftwerkparks geben soll und muss, heißt es in einem Brief der Regionalversorger.

Immerhin – die Regionalversorger haben erkannt: Der Braunkohle-Tagebau und die Braunkohlekraftwerke sind langfristig ein Auslaufmodell. Trotzdem will RWE-Chef Terium um den Erhalt der Anlagen kämpfen. Wohl auch deshalb, weil es dem Konzern an Ideen fehlt, wie er sonst aus der Krise kommen könnte.

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In erneuerbare Energien etwa will der Energieriese in den kommenden drei Jahren gerade einmal eine Milliarde Euro investieren. In den Ausbau des Netzes sind es immerhin eine Milliarde Euro pro Jahr. Ob das reicht?

Klar ist nur eines: RWE muss sich neu erfinden. Wie das geschehen soll? Die klare Antwort darauf bleibt RWE-Chef Terium schuldig.

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