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RWE Kontrolleure kritisieren Umbaupläne

Der RWE-Chef, Peter Terium, will den Konzern umbauen. Am 10. August stellt er dem Aufsichtsrat in einer Sondersitzung sein Konzept vor. Terium droht die konfliktreichste Aufsichtsratssitzung seiner dreijährigen Amtszeit.

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Der RWE-Tower, die Zentrale des Energiekonzerns RWE. Quelle: dpa

Wenn RWE-Chef Peter Terium am 10. August dem Aufsichtsrat auf einer Sondersitzung seinen Umbauplan für den Essener Energiekonzern präsentiert, wird er sich vor allem mit zwei renitenten Gruppen auseinandersetzen müssen: den kommunalen Aktionären und den Arbeitnehmervertretern. Beide Gruppen stellen zusammen zwölf Mitglieder, das ist die Mehrheit des 20-köpfigen Gremiums, und wollen es Terium schwer machen.

Zwar stehen Details dazu, wie der Niederländer den angeschlagenen Versorger umbauen will, noch aus. Aber klar ist schon jetzt: Nicht nur Vorstände werden entmachtet, auch Arbeitnehmervertreter werden mit der geplanten Neuorganisation Einfluss im Konzern verlieren. „Das wird im Aufsichtsrat für viel Gesprächsstoff sorgen“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Arbeitnehmerseite der WirtschaftsWoche.

RWE soll schlanker und effizienter werden

Nach Teriums Plan soll RWE aus drei Säulen bestehen: der Holding RWE AG (mit den Landesgesellschaften in Großbritannien, den Niederlanden und Osteuropa), der an der Holding aufgehängten Deutschland-Zentrale und der Kraftwerkstochter.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

Der Konzernboss will den finanzschwachen Energieversorger verschlanken und effizienter machen, indem er die vielen Beteiligungen und Tochtergesellschaften des Konzerns reduziert und unter dem Dach der RWE-Deutschland AG bündelt.

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Standort erkennen

    Betroffen sind zum Beispiel der Vertrieb (2000 Mitarbeiter) und die Stromverteilungstochter Westnetz, mit 5000 Mitarbeitern das größte derartige Unternehmen Deutschlands. Beide sitzen in Dortmund und sollen unter die RWE-Deutschland-Zentrale in Essen schlüpfen. Der Standort Dortmund werde, wie aus Arbeitnehmerkreisen zu hören ist, erhalten bleiben. Massive Stellenstreichungen sind erst einmal nicht geplant. Wegfallen sollen zwei Vorstände und vier Geschäftsführer.

    Vor der Entmachtung stehen auch die vier selbstständigen RWE-Regionalgesellschaften Lechwerke AG, Süwag Energie AG, VSE AG und die enviva Mitteldeutsche Energie AG. Auch hier will Terium die oberste Führungsebene abschaffen. Zukünftig sollen die Regionalleiter der Gesellschaften an die Zentrale berichten.

    Konsequenzen hat dieses Auflösen und Verschmelzen von Beteiligungen auch für die Betriebsräte vieler Tochtergesellschaften, die in die Deutschland-Zentrale eingegliedert werden. Sie müssten Posten an einen Gesamtbetriebsrat abgeben. „Das innere Gefüge von RWE wird aufgebrochen, die Arbeitnehmervertretung in den Gesellschaften wird damit geschwächt“, sagt ein Aufsichtsrat. Darüber sei zu diskutieren.

    RWE-Betriebsräte werden entmachtet

    Mit Vorbehalten gegenüber seinem Umbauprojekt namens „Parent“ muss Terium auch auf der Kapitalseite rechnen. Der Plan, RWE mit seinen rund 100 Beteiligungen „zu einem großen deutschen Stadtwerk umzubauen“, lasse sich nicht durchziehen, sagte ein Kapitalvertreter. Denn bei mehr als 40 Beteiligungen halte RWE nur einen Minderheitsanteil, etwa an der Dortmunder Energie- und Wasserversorgungs GmbH (39,9 Prozent) oder den Stadtwerken Düren.

    „Ein echtes Durchregieren im RWE-Beteiligungsgeflecht von der Zentrale ist damit gar nicht möglich.“ Ebenso stört diesen Aufsichtsrat, dass Terium den Vorstand der Holding um bis zu drei Köpfe für die Bereiche Vertrieb, Netze und Erneuerbare Energien erweitern will: „Eine Verschlankung des Konzerns auch auf oberster Ebene ist das nicht.“

    Die Atomklagen der Energiekonzerne

    Fundamentale Zweifel an Teriums Strategie kommen von den kommunalen Aktionären. „Wir wissen immer noch nicht, wie diese Neuorganisation zur zukünftigen Konzernstrategie passt“, sagt deren Geschäftsführer Ernst Gerlach. Offen sei etwa, wo das Zukunftsgeschäft erneuerbare Energien aufgehängt sei. In der Tochtergesellschaft RWE Innogy, 2008 gründet, bündelt der Energieversorger das Geschäft mit Wind-, Sonne- und Solarenergie im Konzern.

    Spaltet RWE wie E.On seine Kohlekraftwerke ab?

    Für Diskussionsstoff dürfte Teriums Plan sorgen, die Kohle- und Atomkraftwerke in einer Tochtergesellschaft fortzuführen. Das würde RWE ermöglichen, das schwache Geschäft mit konventionellen Kraftwerken über kurz oder lang ganz abzuspalten und so dem Konkurrenten E.On zu folgen. Der lagert gerade seine Kraftwerke in das Unternehmen Uniper aus.

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    Standort erkennen

      Im vergangenen Geschäftsjahr fiel das Ergebnis der Tochter RWE Generation um 30 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. RWE werde bei heutigen Strompreisen von 2017 an im Kraftwerksgeschäft Verluste machen, sagte RWE-Chef Terium Anfang des Jahres. Bekommt er im Aufsichtsrat seinen Umbauplan durch, dürfte das Schicksal der Kraftwerkssparte spätestens dann entschieden werden.

      RWE: Weitere Verschlechterung des Geschäfts

      Der Zwischenbericht für das erste Halbjahr, den der RWE-Vorstandschef ebenfalls in der kommenden Woche, drei Tage nach der außerordentlichen Sondersitzung des obersten Kontrollgremiums, präsentiert, wird kaum für positive Überraschungen sorgen.

      Matthias Hartung, Chef der RWE-Erzeugersparte, kündigte bereits Mitte Juli dieses Jahres an, es sei mit einer weiteren signifikanten Verschlechterung im Geschäft mit konventionellen Kraftwerken zu rechnen.

      Energie



      Zwar erwirtschaftete RWE im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro, nachdem in 2013 nach hohen Abschreibungen auf die konventionellen Kraftwerke noch ein Verlust von 2,8 Milliarden Euro in der Bilanz gestanden hatte. Aber der Gewinn des Energiekonzerns fiel 2014 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um zehn Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis schrumpfte gar um rund 44 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Die Schulden liegen mittlerweile bei 30 Milliarden Euro.

      Und für das laufende Geschäftsjahr 2015 erwartet RWE erneut mit einem Ergebnisrückgang. Anfang des Jahres rechnete das Unternehmen nur noch mit einem Ebitda zwischen 6,1 und 6,4 Milliarden Euro.

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