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RWE Millionen-Klage gegen RWE und Vorstandschef Großmann

Exklusiv

Der Versorger wollte mithilfe des Sintez-Konzerns ins russische Stromgeschäft einsteigen, machte dann aber einen Rückzieher. Nun verlangt Sintez Schadensersatz.

Jürgen Großmann vor einem RWE-Logo Quelle: dapd

Das russische Energieunternehmen Sintez hat gegen den Essener Energieriesen RWE und dessen Chef Jürgen Großmann beim Landgericht Essen eine Schadensersatzklage in Höhe von insgesamt 675 Millionen Euro eingereicht. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang der Klageschrift (Aktenzeichen 12 037/12). RWE und Großmann würden gesamtschuldnerisch von der Sintez-Tochter Rustenburg Co. Limited in Haftung genommen, da sowohl RWE als auch Großmann in persönlichen Gesprächen mit Sintez-Haupteigner Leonid Lebedev Vorverträge gebrochen hätten, sagt ein Londoner Bankmanager, der als Vermittler des Geschäfts aufgetreten ist.

Hintergrund ist der Versuch von RWE, im Jahr 2008 mithilfe des Moskauer Kraftwerkbauers Sintez groß ins russische Stromgeschäft einzusteigen. Der staatliche Versorger RAO UES wollte sein nordrussisches Geschäft an einen westeuropäischen Energiekonzern verkaufen – allerdings nur in einem Joint Venture mit einem russischen Partner.

Grafik RWE-Umsätze in 2011 nach Regionen

RWE hatte sich im Februar 2008 für die Übernahme des RAO-Versorgers TGK-2 interessiert. Über politische Mittelsmänner und die Londoner Filiale der russischen Sberbank soll Großmann den Bankern zufolge Kontakt mit dem russischen Oligarchen Lebedev aufgenommen haben. Am 7. März 2008 sollen sich die Männer in der Essener Konzernzentrale und am 7. Juli 2008 in Großmanns Haus an der Hamburger Elbchaussee getroffen haben, um die Übernahme eines Anteils von 45 Prozent an TGK-2 und dessen Finanzierung zu besprechen.

Den Vorwürfen von Sintez zufolge soll zwischen RWE und Sintez bindend vereinbart worden sein, dass über die Sintez-Firma Rustenburg ein Joint Venture gegründet wird, an dem RWE 51 Prozent und der Sintez-Firmenverbund 49 hält. Dabei legte RWE angeblich sogar den Preis für die Übernahme von TGK-2 fest: 2,5 Kopeken je Aktie. Ebenso soll es zwischen Lebedev und Großmann in dessen Hamburger Residenz zu einer schriftlichen Vereinbarung gekommen sein, die „für die finanzschwache Sintez wie eine Bürgschaft von RWE wirkte“, so Sberbank-Kreise.

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Ein Sberbank-Manager sagte der WirtschaftsWoche, RWE wolle Sintez nur als Vehikel benutzen, um in den russischen Strommarkt einzusteigen. Im Vertrauen auf die Verträge nahm Sintez Kredite in Milliardenhöhe auf.

Das Geschäft soll Großmann dann unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise per Anruf bei Lebedev im Herbst 2008 abgebrochen haben. RWE-Finanzchef Rolf Pohlig sagt dazu nur: „Wir geben keinen Kommentar zu Rechtsstreitigkeiten.“

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