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RWE Peter Teriums verzweifelte Suche nach dem Ausweg

RWE schiebt einen gigantischen Schuldenberg vor sich her. Anders als beim Branchenprimus E.On hat RWE-Chef Peter Terium nur begrenzte Chancen, den angeschlagenen Essener Energiekonzern in absehbarer Zeit Erfolg versprechend umzubauen.

Trübe Aussichten: Die Konzernbilanz lässt RWE-Chef Terium keinen Raum für große Investitionen. Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Peter Terium will auch mal den Visionär spielen, nicht immer nur den Krisenmanager. Nach Ostern reist der Chef des angeschlagenen Essener Energiekonzerns RWE ins Start-up-Dorado Silicon Valley. Frische Ideen will sich Terium dort holen und im sonnigen Kalifornien den Kopf frei kriegen von all den Sorgen daheim im Ruhrgebiet.

Schön wäre es, wenn der Niederländer dabei mit guten Nachrichten zurückkäme wie vor einem Jahr aus Davos. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in den Schweizer Alpen hatte er eine Kooperation mit der Google-Tochter Nest eingefädelt: Das US-Start-up vertreibt digitale Thermostate, die per Smartphone die Raumtemperatur zu Hause steuern.

Aktienchart von RWE

Der nüchterne gelernte Wirtschaftsprüfer hat die kreative Distanz bitter nötig. Denn vor ihm liegt nicht nur der größte Umbau in der Geschichte des zweitgrößten deutschen Energieerzeugers. Der Gigant mit 35 Milliarden Umsatz und mehr als 60.000 Mitarbeitern steht vor dem wohl schwierigsten Wandel in der Branche.

Das Geschäft mit der konventionellen Energieerzeugung aus Strom, Atom und Kohle ist mit der Energiewende eingebrochen. Doch anders als Erzrivale E.On, der mit der Aufspaltung des Konzerns in zwei Teile die Flucht nach vorn antritt, kann Terium keinen radikalen Umbau angehen. Den machen die mächtigen Kommunen, die immer noch rund 25 Prozent der RWE-Anteile halten und vier Sitze im Aufsichtsrat, nicht mit. Damit verdammen sie den Ruhrkonzern zum langsamen Siechtum und gefährden seine Existenz.

Ruhr-Kommunen sträuben sich

„Steinkohle ist unter Wasser, Gas ist völlig abgesoffen, und auch Braunkohle verdient kein Geld mehr“, schimpft Terium. „Ich kann es mir nicht leisten, für mein Unternehmen und meine Aktionäre, jedes Jahr wieder Geld hinterherzuschmeißen.“ Die Giganten leiden unter dem Vorrang für den Ökostrom. Branchenführer E.On wird 2014 mit einem Milliardenverlust abschließen. 2013 lag das nachhaltige Nettoergebnis noch bei rund zwei Milliarden Euro.

Aktienchart von E.On

Wie E.On schiebt auch RWE einen gigantischen Schuldenberg vor sich her. Zudem fehlt Konzernchef Terium, dessen Vertrag der Aufsichtsrat am vergangenen Mittwoch bis 2021 verlängerte, offenkundig eine schlüssige Strategie, wie er RWE aus der Krise führen kann. Nötig wäre ein radikaler Schnitt, wie ihn E.On-Chef Johannes Teyssen Ende 2014 einleitete. Dessen Konzern wird von 2016 an in zwei Gesellschaften aufgespalten. In der einen, für die gerade ein Name gesucht wird, landen die konventionelle Stromerzeugung, also Kohle und Gas, sowie die Atomkraftwerke, das Gasgeschäft und der Großhandel. In die andere kommen die Stromerzeugung aus Wind und Sonne, der Vertrieb sowie Strom- und Gasnetze.

Deutsche Energieversorger im Vergleich

Gegen eine solche Totaloperation sträuben sich jedoch die Ruhr-Kommunen, weil sie um die Dividenden fürchten, die ihre klammen Stadtsäckel füllen – zumindest in guten Zeiten. Deshalb bleibt Terium nur, zu kleckern, statt zu klotzen und stur die Kosten zu senken sowie Schulden abzubauen. So brachte der Verkauf der Explorationstochter Dea an den russischen Investor Michail Fridman vergangene Woche 5,1 Milliarden Euro.

Beschlossen ist zumindest, die Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Seit 2011 hat RWE bereits ein Fünftel der Belegschaft abgebaut. Der Kahlschlag geht weiter. Er trägt die Überschrift „Verschlankung der Strukturen“. Das spare, heißt es intern, 30 bis 50 Millionen Euro. So könnten etwa die vielen selbstständigen Vertriebseinheiten zu einer zentralen zusammengeführt und Standorte geschlossen werden.

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