RWE RWE-Aufsichtsrat vor personeller Weichenstellung

In der Krise bei RWE wollen die Kommunen Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller als Retter. Aufsichtsratschef Schneider favorisiert aber Ex-SAP-Finanzchef Brandt. Diesen Freitag tagt der Aufsichtsrat.

Über einem RWE-Kraftwerk ziehen Wolken auf. Quelle: dpa

Bei RWE rumort es gewaltig hinter den Kulissen: Angesichts der Krise des Energiekonzerns trommeln die Kommunen für Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller als künftigen Aufsichtsratschef. Er soll mit seinen politischen Kontakten das Ruder herumreißen.

Amtsinhaber Manfred Schneider kämpft dagegen für den Ex-SAP-Finanzvorstand Werner Brandt als seinen Nachfolger. In dem Personalstreit könnten bei der Herbstsitzung des Aufsichtsrats in Essen am 18. September die Weichen gestellt werden. Offiziell gewählt wird im kommenden Frühjahr.

Deutschlands Energieriesen im Vergleich

Bei der Sitzung muss RWE-Chef Peter Terium außerdem den weiter dramatisch fallenden Aktienkurs erklären und Ängste vor weiteren Dividendenkürzungen zerstreuen. Thema dürfte außerdem die geplante Berufung neuer Vorstände für Netze, Erzeugung, Vertrieb und Erneuerbare Energien sein.

Die Kommunen - mit knapp einem Viertel wichtigster RWE-Aktionär - verfolgen die Entwicklung des Unternehmens mit zunehmender Nervosität. Sie sorgen sich vor allem um die Dividenden, die in den knappen Haushalten an der Ruhr längst eingeplant sind. Zuletzt hatte RWE einen Euro pro Aktie gezahlt. Er stelle sich auf Kürzungen auf 50 oder 60 Cent und damit neue Millioneneinbußen ein, sagte Essens Stadtkämmerer Lars Martin Klieve jüngst. Der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, kritisierte in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) als großer Aktionär ungewöhnlich offen die Kommunikation des Vorstands.

Die Sitzung findet am Stammsitz in Essen statt und nicht, wie sonst oft im Herbst, an einem auswärtigen RWE-Standort. Den Verzicht auf Auslandsreisen sehen Beobachter als ein äußeres Zeichen für die extrem schwierige Lage. In der Stromerzeugung brechen RWE die Gewinne immer stärker weg. Gaskraftwerke rechnen sich meist gar nicht mehr, Kohleanlagen immer weniger. Wenn die Entwicklung so weiter läuft, drohen bei den Kraftwerken, dem einstigen Lieblingsgeschäft des Konzerns, in den kommenden Jahren sogar rote Zahlen. Der Einnahmeverlust ist so groß, dass alle Sparprogramme nicht genügen.

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