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RWE startet mit Ökostrom-Tochter Eine Stiftung für die Braunkohle

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Wenig Euphorie über die neue Führung


Zu Hause in der Welt der erneuerbaren Energien sind allerdings weder Schmitz noch Terium. Rheinländer Schmitz hat seine Karriere in der traditionellen Energiewelt verbracht: als Chef der Stadtwerke Köln, des regionalen Versorgers RheinEnergie, bei der Veba, die später im neuen E.On-Konzern aufging. Schmitz gilt als bodenständig und loyal. Sein Herz hängt am Fußballclub 1. FC Köln, dessen Verwaltungsrat er bis 2011 vorsaß. „Schmitz trinkt Kölsch und geht wandern“, sagt Terium über seinen künftigen Chef und grenzt sich gleich ab: „Ich trinke Bier und hasse wandern.“

Der Niederländer macht keinen Hehl daraus, dass er weiter das Sagen bei RWE hat, schließlich gehöre die Zukunft den Erneuerbaren: „Es ist richtig, dass der Aufsichtsrat seinen ersten Mann dahin schickt, wo es am wichtigsten ist.“ Auch Schmitz sieht die Zukunft beim Ökostrom: „Helfen Sie uns“, ruft er in den Saal bei der Tagung in Berlin, wo er Juristen erklärt, wie RWE bei der Energiewende die Kurve kriegen will. „Kaufen Sie unsere Aktien, es kann nur noch nach oben gehen.“

Fünf Wege in die Unabhängigkeit
Haus mit Solarzellen auf dem Dach Quelle: obs
Fotovoltaik Wärmepumpe Batterie Windrad Schema im Haus
Fotovoltaik Wärmepumpe Batterie Schema Haus
Sonnenkollektor Fotovoltaik Batterie Schema Haus
Kollektor Fotovoltaik Batterie Blockheizkraftwerk Schema Haus
Brennstoffzelle Schema Haus

Im Aufsichtsrat hält sich die Euphorie über die neue Führungsspitze dennoch in Grenzen. „Der Umbau ist richtig. Aber ein neues Geschäftsmodell für RWE hat Terium damit noch immer nicht gefunden“, sagt ein Aufsichtsrat. Terium habe sich bisher nur als Sparkommissar profiliert, nicht als Innovator. Zwar düst er auf der Suche nach Innovationen gern ins Silicon Valley. Das hat sich aber nicht substanziell im Konzern niedergeschlagen. „Terium versucht, RWE den Geist von Amazon oder Google einzuhauchen“, sagt ein RWE-Manager. Allein, es fehle die Konsequenz.

Angst vor Sparmaßnahmen geht um

So hat Terium keinen Sinn für das kleinteilige, regionale Energiegeschäft mit Geschäfts- und Privatkunden. 2015 platzte die Übernahme des Onlinevergleichsportals Verivox. Statt RWE kam ProSiebenSat.1 für 170 Millionen Euro zum Zug. Verivox bietet Preisvergleiche für Strom- und Gasanbieter an, RWE wollte damit sein E-Commerce-Geschäft ausbauen. Aber ein dreistelliger Millionenbetrag war Terium zu viel für eine solche Investition, heißt es intern.

In der Zentrale am Essener Opernplatz geht die Angst vor neuen Sparmaßnahmen schon länger um. Rund 40 000 der knapp 60 000 RWE-Mitarbeiter werden in die Ökotochter wechseln. Bis Ende 2018 sollen weitere 2000 Jobs konzernweit gestrichen werden, zusätzlich zu den 2400 in Großbritannien.


Die Sorgen sind berechtigt, die Goldgräberzeiten sind auch beim hoch subventionierten Ökostrom vorbei. Immer mehr Akteure kämpfen um Marktanteile. Demnächst steuert der Staat über Ausschreibungen, wie viele Wind- und Solarkraftanlagen gebaut werden. Im Internetchat mit den Mitarbeitern warnte Terium kürzlich, es werde nicht einfach, das Wachstum der Ökotochter anzukurbeln. Die Perspektiven für 2016 seien nicht besser als im Vorjahr.

„Die NewCo ist noch nicht geboren, da wird sie schon zum Sanierungsfall“, fürchtet ein RWE-Manager. In der Belegschaft stößt das neue Führungsduo denn auch nicht auf viel Begeisterung. Der Wechsel an der Spitze sei nicht mehr als „ein neuer Zirkus mit den alten Clowns“, spottet ein Manager.

Energiekonzerne im Umbruch


Der neue Mann an der Spitze hat sich offenbar mit seiner Rolle als Chefsanierer arrangiert. Lange galt Schmitz als Vertrauensmann der Kommunen. Städte wie Essen, Dortmund und Mülheim halten rund 25 Prozent des RWE-Kapitals. Jetzt schlägt er andere Töne an: „Mit den Kommunen reißt mir langsam der Geduldsfaden.“ Für 2015 hat RWE die Dividende gestrichen, zum Ärger der Städte, die das Geld eingeplant hatten. „Dass wir uns keine Dividende mehr leisten können, dürfte die Kommunen wirklich nicht überrascht haben“, sagt Schmitz.

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