RWE sucht Partnerunternehmen Peter Terium prognostiziert eine „Phase von Übernahmen und Zusammenschlüssen“

Ganz „unabhängig von Eigenständigkeit und Partnerschaft: RWE wird gestärkt aus dem Umbau hervorgehen“. Das sagte RWE-Chef Peter Terium in einem Interview.

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ an, diesem Mitarbeiterkreis 2014 „keine generelle Gehaltserhöhung zu gewähren“. Hintergrund sei die schwache Ertragskraft des Konzerns, die 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen werde. Neben den Aktionären, die für 2013 eine halbierte Dividende hinnehmen müssen, sollten alle Beschäftigten „ihren Beitrag zur langfristigen Sicherungen der Finanzkraft leisten“. Durch die Maßnahme will der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag sparen. Quelle: dpa
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Entlastung von 750 Millionen Euro bringen. Bis Ende 2014 werden 1350 Stellen bei EnBW gestrichen - das soll Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Der Umbau soll sozialverträglich organisiert werden. Freie Stellen - vor allem in der Verwaltung - werden nicht neu besetzt, Altersteilzeitangebote umgesetzt und Abfindungen gezahlt. Vor dem Sparprogramm arbeiteten 21.000 Menschen für EnBW. EnBW hat im Zuge der Energiewende das Kernkraft Neckarwestheim bereits teilweise stillgelegt, das Werk Obrigheim befindet sich im Rückbau. Am Netz sind noch Philippsburg und Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung). Quelle: dpa

Da war es, das Wort „Eigenständigkeit“, das in den Zusammenhang von „Übernahmen“ und „Zusammenschlüssen“ gestellt wird. Und das vom Vorstandschef höchstpersönlich. Kein Zweifel: Aus diesen klaren Worten ist zu lesen, dass RWE ein Partnerunternehmen sucht, mit dem zusammen es die Energiewende besser meistern kann. Wer könnte das sein? Am Dienstagmorgen kochte aufgrund der Terium-Worte in der Süddeutschen die Gerüchteküche in Frankfurter Finanzkreisen und im Ruhrgebiet hoch: Wer könnte dieser Partner sein?

In Deutschland fällt ein möglicher Fusionspartner weg. Das Kartellamt hätte etwas dagegen. „RWE benötigt einen Partner, mit dem zusammen das Unternehmen nicht die Schwächen verdoppelt, sondern ausgleicht“, sagt ein RWE-Manager, der ungenannt bleiben möchte. Also kommen keine Versorger in Frage, die hohe Schulden plagen, die von der Last unrentabler Kohlekraftwerke belastet werden oder die gar Atomkraftwerke betreiben. Ein absolutes No-Go für RWE, die zu 25 Prozent nordrhein-westfälischen Kommunen gehören. Damit fallen die meisten der europäischen Versorger weg, sowohl im Süden (Spanien, Italien) wie auch im Westen (die französische EdF ist ein gigantischer Atomkraftwerksbetreiber). In Osteuropa setzen die Energieunternehmen ebenfalls stark auf Atomkraft oder auf Kohle. Das sind alles keine potenziellen RWE-Partner.

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„Schauen Sie doch mal nach Norden“, sagt sybillinisch ein Analyst am Tag, an dem das Terium-Interview über alle Medienkanäle geht. Da wäre zum Beispiel das dänische Staatsunternehmen Dong. Kein Atomkraftwerksbetreiber, dafür ein überaus starker Investor in Windenergie, besonders Offshore. In diesen Bereich wollte RWE bisher stark investieren, doch es fehlte Glück, Geld und Gelegenheiten. „Dong könnte das ausgleichen“, sagt ein Analyst. Es ist erklärtes Ziel der dänischen Dong, auch in Deutschland zu investieren. Mit RWE bekämen die Dänen Millionen von Haushalts- und Industriekunden. Selbst die Braunkohle könnte, wenn sich die zur Zeit hart verhandelnden Koalitionäre in spe auf Staatshilfen einigen, für die Dänen ein attraktives Geschäft sein, sofern sie RWE an ihrer Seite haben. In Skandinavien hat man Erfahrung mit deutscher Braunkohle. Der benachbarte schwedische Staatskonzern Vattenfall ist in Deutschland zusammen mit RWE großer Braunkohleförderer und Verstromer – Vattenfall in Mitteldeutschland, RWE in Westdeutschland.

Auf das Dong-Gerücht reagierte RWE heute Morgen mit dem Satz: „No Comment“.

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