RWE Zwei Drittel von 15 Milliarden Euro Investitionen liegen brach

Exklusiv

Durch die Flut an grünem Strom kann RWE seine konventionellen Kraftwerke, in die der Konzern in den vergangenen sechs Jahren 15 Milliarden Euro investiert hat, kaum auslasten.

Braunkohlekraftwerk Niederaußem Quelle: dpa

„Von diesen 15 Milliarden Euro Investitionen liegen derzeit etwa zwei Drittel brach. Und das letzte Drittel verdient nicht einmal seine Vollkosten“, sagte Vorstandschef Peter Terium der WirtschaftsWoche. Der Niederländer, der seit Juli 2012 den zweitgrößten deutschen Energieriesen führt, räumte ein, dass der gesamte Kraftwerkspark des Essener Stromkonzerns unter dem Ausbau der erneuerbaren Energien leidet. „Zurzeit haben es mehrere Tausend Megawatt von insgesamt 50.000 Megawatt an Kapazitäten richtig schwer“, sagte Terium.

Die größten Stärken und Schwächen von RWE
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenDer Atomausstieg macht RWE an einer Stelle besonders stark zu schaffen – wenn es um die CO2-Emissionen geht. RWE-Chef Jürgen Großmann hatte lange gehofft, durch eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Kernkraftwerken möglichst viel CO2-freien Strom produzieren zu können. Doch nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist klar: Der Energiekonzern wird nach wie vor sehr stark abhängig von seinen Kohlekraftwerken (Bild: Kraftwerk Westfalen in Hamm) und damit auch der größte Emittent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids bleiben. Quelle: dapd
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenSo hat der Konzern im vergangenen Jahr insgesamt 161,9 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Das sind zwar knapp zwei Prozent weniger als 2010. Doch nur für 116,6 Millionen Tonnen hat RWE kostenlos Zertifikate zugeteilt bekommen. Für den Rest, also 45,3 Millionen Tonnen, musste der Versorger Zertifikate erwerben – und dafür rund 600 Millionen Euro bezahlen. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich) Quelle: dpa
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-ZertifikatenDoch während RWE heute noch fast drei Viertel der Verschmutzungsrechte kostenlos erhält, muss der Konzern sich darauf einstellen, ab 2013 für alle Zertifikate zu bezahlen. Wie hoch die Mehrbelastung für RWE dadurch sein wird, ist schwer vorauszusagen. Denn allein im Jahr 2011 schwankten die Preise zwischen 7,40 Euro und über 17 Euro pro Tonne. Für den Teil, den RWE bisher noch gratis erhalten hat, wären das Kosten zwischen gut 860 Millionen und knapp zwei Milliarden Euro. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath) Quelle: dpa
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungDer Anstieg der Verschuldung ist ein weiterer Punkt, der dem RWE-Chef Jürgen Großmann (im Bild links mit seinem Nachfolger Peter Terium) angekreidet wird. Denn in seiner Amtszeit haben sich die Nettoschulden deutlich erhöht. Während sie im Jahr 2007 noch bei 16,51 Milliarden Euro lagen, betrugen sie Ende 2011 dagegen stolze 29,95 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungDie Nettoschulden beinhalten alle Finanzschulden wie etwa Anleihen und Bankkredite abzüglich der flüssigen Mittel. Hinzu kommen Rückstellungen für Pensionen und die Entsorgung im Kernenergiebereich sowie bergbauliche Rückstellungen. Die Nettoschulden machten 2011 175 Prozent des Eigenkapitals und das 3,5-Fache des Ergebnisses vor Zinsen,  Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus. Das eigens gesetzte Ziel, beim am Ebitda gemessenen Verschuldungsfaktor eine Obergrenze von 3,0 einzuhalten, hat RWE damit nicht erreicht. (Bild: Ratingagentur Moody's) Quelle: Reuters
Schwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende VerschuldungTrotz bereits erfolgter Abstufungen – unter anderem weil die Belastungen durch den Atomausstieg ansteigen – sind die externen Ratings noch ordentlich: Moody’s vergibt ein A3, S&P ein A– und Fitch ein A. Alle drei Ratingagenturen haben ihre Bonitätsnoten aber mit einem negativen Ausblick versehen. Bekommt der Energieriese seine Verschuldung nicht in den Griff, könnte es mit den Ratings weiter abwärtsgehen. (Bild: Ratingagentur Standard & Poor's) Quelle: dpa
Schwäche 3: Investitionen können nicht aus eigenen Mitteln finanziert werdenRWE investiert regelmäßig mehr Geld, als der Konzern im operativen Geschäft erwirtschaftet. Im Jahr 2011 standen dem operativen Cash-Flow von 5,5 Milliarden Euro Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von 6,4 Milliarden Euro gegenüber. Der sogenannte freie Cash-Flow lag somit bei minus 843 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es sogar minus 879 Millionen Euro. (Bild: Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath) Quelle: dpa

CO2-Emissionen: RWE-Chef unter bestimmten Bedingungen für Reduzierung der Zertifikate

RWE-Chef Peter Terium ist bereit, unter bestimmten Bedingungen eine Reduzierung der staatlich bereit gestellten CO2-Emissionsrechte zu akzeptieren, um dadurch deren Preise zu erhöhen. „Das System muss aber so geändert werden, dass schnell neue und anspruchsvolle Emissionsziele für 2030 festgelegt werden. Sodann müssen das Wirtschaftswachstum und der Ausbau der erneuerbaren Energien Eingang in die Preisfindung, sprich: in die Bereitstellung der Emissionsrechte, finden“, sagte Terium der WirtschaftsWoche. „Dann und nur dann könnte ich beim Emissionshandel einen Neuanfang akzeptieren, durch den die Menge der vom Staat bereitgestellten Emissionszertifikate reduziert würde.“

Damit schwenkt Terium auf die Forderung von E.On-Chef Johannes Teyssen ein, der von der Politik gefordert hatte, weniger CO2-Emissionsrechte zur Verfügung zu stellen. Mit rund fünf Euro pro Tonne CO2  sind die Zertifikate  zurzeit so preiswert, dass insbesondere RWE mit seinen Braunkohlekraftwerken so kostengünstig produziert, dass kaum Anreize für eine Minderung der CO2–intensiven Stromproduktion bestehen.

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