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Schiefergas BASF-Chef fordert Fracking-Test in Deutschland

Mit den deutschen Schiefergas-Vorkommen ließen sich zehn Jahre lang der Gasverbrauch Deutschlands sichern, sagte Kurt Bock bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Diese Vorhaben ungeachtet zu lassen, sei ein Fehler.

BASF-Chef Kurt Bock fordert einen Test der umstrittenen Schiefergas-Fördertechnik Fracking in Deutschland. Auf diese Weise könne unter kontrollierten Bedingungen die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fördermethode gezeigt werden, sagte Bock auf einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW).

"Wir würden das gerne beweisen", sagte Bock. Kritiker der Technik, bei der Wasser und Chemikalien unter Tage gepresst werden, um Gas aus dem Gestein zu lösen, befürchten allerdings massive Umweltbelastungen

Gefrackt wird zwar schon seit mehr als fünfzig Jahren, doch der Schiefer-Schatz unter der Erde lässt sich erst seit etwa 15 Jahren dank neuer Technik bergen.

Denn während konventionelle Gasreserven wie Blasen über Ölquellen liegen und so durch einfaches anbohren gewonnen werden können, ist das bei Schiefergas etwas komplizierter. Es gehört zu den unkonventionellen Reserven und lagert eingekapselt in unzähligen Hohlräumen im Gestein. Diese Hohlräume müssen regelrecht geknackt werden, mit Hilfe von Hydraulic Fracutring – also Fracking.

Die neue Technik ermöglicht es den Ingenieuren ihre Bohrer in Tiefen von 1000 bis 4500 Metern umzulenken. So gelangen sie nicht nur vertikal, sondern auch horizontal ins Gestein - und das über etliche Kilometer hinweg.

In das etwa tellergroße Bohrloch wird dann mit hohem Druck von bis zu 1000 bar ein Gemisch aus Wasser, Sand und fast 30 teils giftigen Chemikalien gepumpt. Etwa 20 Millionen Liter Flüssigkeit gelangen so unter die Erde. Die giftigen Stoffe sind mit einem Anteil von weniger als zwei Prozent in der Flüssigkeit verdünnt. Dennoch sorgt der Mix unter dem hohen Druck dafür, dass das Gas über das Bohrloch an die Oberfläche strömt. Dabei machen die Chemikalien das Wasser geschmeidig, so dass es auch in kleinste Zwischenräume dringen kann.

Um ein Gasfeld komplett nutzen zu können, muss pro Standort etwa sechs bis sieben mal gebohrt werden. Dies geschieht meist in einer Art Zirkel, um sicherzugehen, dass das gesamte Vorkommen geborgen wird.

Durch die umstrittene Förderung von heimischem Schiefergas würde Deutschland dem BASF-Chef zufolge unabhängiger in der Energieversorgung. Schiefergas ist überall in Deutschland zu finden: In Süddeutschland vor allem im Oberrheingraben, in weiten Teilen Niedersachsen und auch in Nordrhein-Westfalen. Mit den Mengen, die hier zu finden sind, ließe sich "zehn Jahre lang der ganze Gasverbrauch in Deutschland sichern", sagte Kurt Bock. "Das ist nicht trivial."

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Und wenn erst einmal gebohrt würde, dann sei auch mehr zu finden. Aktuell stammten nur 14 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases auch aus heimischer Förderung. "Und die Gasproduktion ist mittlerweile rückläufig", sagte Bock.

In den USA hat Schiefergas den Gasmarkt komplett umgewälzt. Vor allem im Osten der USA ist Erdgas seit etwa 2008 „the big thing“. An über 400.000 Orten im ganzen Land wird das Schiefergas aus Kilometern Tiefe unter der Erde an die Oberfläche befördert. Das „billige Gas“ hat die Vereinigten Staaten zum größten Erdgasproduzenten der Erde gemacht und den Energiemarkt des Landes komplett umgekrempelt. Inzwischen sind die deutlich niedrigeren Gaspreise für den Industriestandort USA auch ein großer Wettbewerbsvorteil.

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