Shell Ölkonzern stoppt umstrittenes Arktis-Projekt

Trotz lautstarker Proteste von Umweltaktivisten hatte der Ölriese Shell mit Erkundungen an der Küste Alaskas begonnen. Nun wird das Projekt aber gestoppt. Die Gründe: zu wenig Aussicht auf Erfolg und zu hohe Kosten.

Ein Metermaß am Rumpf eines russischen Eisbrechers soll dabei helfen, die Dicke des Eises in der Arktis in der Nähe des Nordpols zu prüfen. Quelle: dpa

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell stoppt seine umstrittenen Erkundungen vor der Küste Alaskas. Als Gründe nannte Shell am Montag mangelnden Erfolg und zu hohe Kosten. Der Stopp bringt finanzielle Belastungen in Milliardenhöhe mit sich, wie das Unternehmen in London mitteilte. Es lohne sich wirtschaftlich nicht, die Öl- und Gasvorräte in diesem Teil der Arktis zu fördern. Auch sei nicht klar, welche Umweltschutzbestimmungen demnächst erlassen würden.

Zudem seien die staatlichen Vorgaben herausfordernd und unpräzise. Die finanziellen Belastungen für den Stopp bezifferte Shell auf etwa drei Milliarden US-Dollar, bezogen auf den Buchwert des Projektes. Weitere 1,1 Milliarden Dollar dürften für zukünftige Vertragsverpflichtungen anfallen. Weitere Details will das Unternehmen bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal geben.

Das untersuchte Gebiet liegt knapp 130 Kilometer vor der Küste des nördlichsten US-Staates. Shell hält es jedoch für möglich, dass in anderen Teilen des flachen Meeresgebietes ergiebigere Vorräte lagern. Das Unternehmen hat umgerechnet mehr als sechs Milliarden Euro für mögliche Öl- und Gasförderungen im Arktisgebiet um Alaska ausgegeben. Die Genehmigung dafür lief am Montag aus, weil das Meer in den nächsten Wochen zufrieren wird.

Das Bohren nach Öl und Gas in Alaska ist sehr umstritten. So hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace erst am Samstag in mehr als 40 deutschen Städten gegen die Ölbohrungen von Shell in der Arktis protestiert.

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An den Tankstellen des Unternehmens hätten Aktivisten Protest-Aufkleber an Zapfsäulen und Werbeplakaten angebracht, teilte die Organisation mit. „Wenige Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris bohrt Shell nach Öl in der Arktis. Das zeigt die Rücksichtslosigkeit, mit der der Konzern an einem überkommenen Geschäftsmodell festhält“, hatte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid erklärt. Shell müsse „die klimapolitische Amokfahrt“ stoppen. Bei Shell war zunächst niemand zu erreichen.

Die US-Regierung hatte im August die Pläne des Konzerns für Ölbohrungen vor der Küste Alaskas genehmigt. Mit der Erlaubsnis bekam Shell die Möglichkeit innerhalb der nächsten 24 Monate Bohrungen an bis zu sechs Probequellen vorzunehmen. Schätzungen des US-Geologiezentrums zufolge lagern in den arktischen Gewässern der Tschuktschen- und Beaufortsee bis zu 26 Milliarden Barrel an abbaubarem Öl.

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