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Skurriler Rechtsstreit Wofür Conergy 220 Millionen Schadenersatz fordert

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Nur rund 23 Millionen Wafer

"Solar Impulse" beendet USA-Überquerung
Zwei Monate nach dem Start in San Francisco ist das nur mit Sonnenkraft betriebene Flugzeug „Solar Impulse“ in New York gelandet. Die Schweizer Piloten Bertrand Piccard und Andre Borschberg hatten am 3. Mai ihren Rekordflug von der Ost- zur Westküste der USA begonnen. Weil das Flugzeug aber nur mit einer Geschwindigkeit von 25 Knoten (46 Kilometern in der Stunde) dahingleitet, wurde die Strecke in sechs Etappen unterteilt. Pilot Borschberg schwärmt von idealen Bedingungen mit hervorragender Sicht aus 8000 Fuß (knapp 2500 Metern) Höhe. Quelle: REUTERS
Auf ihrem Flug haben die beiden Piloten bereits Rekorde aufgestellt. So war die zweite Etappe, von Arizona nach Texas, zugleich mit 1541 Kilometern ein neuer Langstreckenrekord für Solarflugzeuge. Noch wichtiger dürfte die Erfahrung sein, die das Team, gesteuert vom Flugzentrum im Schweizer Payerne bei Bern, dabei gesammelt hat. Quelle: AP
Über den Wolken von San Francisco: 12.000 Photovoltaik-Zellen auf den Flügeln speisen den Energiebedarf des Flugzeugs. Quelle: dpa
Solarflugzeug vor Traum-Panorama: Mit bis zu 64 Stundenkilometern gleitet die „Solar Impulse“ über die Golden Gate Bridge in San Francisco hinweg. Quelle: REUTERS
Fliegen im Sonnenuntergang: Selbst bei Dunkelheit kann die „Solar Impulse“ in der Luft bleiben. Nach Phoenix sind noch Zwischenlandungen in Dallas-Fort Worth, St. Louis, Washington und New York geplant. Für jeden Zwischenstopp sind zehn Tage vorgesehen. Quelle: REUTERS
Vorbereitungen im Morgengrauen: Das Team macht den Solarflieger in Mountain View startklar. Quelle: dpa
Startklar bei sternenklarer Nacht: Die „Solar Impulse“ auf dem Rollfeld in Mountain View. Die Flugdauer jeder Etappe beträgt zwischen 19 und 25 Stunden. Quelle: AP

Derweil spitzt sich die wirtschaftliche Lage bei Conergy zu. Erneut zeichnen sich dramatische Verluste ab. Hätte das Unternehmen jetzt beginnen müssen, die Fertigungslinien 3 und 4 abzuschreiben, wäre es eng geworden. Also untersagt Conergy, wie aus den Prozessakten hervorgeht, den üblichen Probelauf an den Linien 3 und 4, der die Leistungsfähigkeit neuer Anlagen verbindlich testet. Damit verschafft sich das Unternehmen die Möglichkeit, Zahlungen an Roth & Rau zu verzögern. Zudem spart dies einen zweistelligen Millionenbetrag, den die ganze Prozedur gekostet hätte. Conergy behauptet heute, dem Unternehmen seien bereits ab Dezember 2007 Gewinne entgangen, die eine Vollauslastung aller vier Fertigungslinien gebracht hätte. Dem widersprechen Zeugen, denen zufolge zeitweise nicht eine einzige Siliziumscheibe zur Verarbeitung bereit lag.

Es kommt, wie es kommen muss. Durch den Mangel an Wafern sind die Maschinen nicht ausgelastet. Mitarbeiter werden entlassen. 2009 speist Conergy nur rund 23 Millionen Wafer in die Anlagen. Allein die Linien 1 und 2, auf denen das gesamte Jahr über produziert wurde, hätten 32 Millionen Wafer zur Vollauslastung benötigt.

In dieser ausweglosen Situation beschließt die Conergy-Führung offenbar, Roth & Rau zu piesacken, wo es nur geht. Conergy lässt durchsickern, dass es eine Schadensersatzklage gegen Roth & Rau erwäge. Der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt. Roth & Rau plant für Februar 2010 eine Kapitalerhöhung, gleichzeitig gilt der Maschinenbauer als Übernahmekandidat. Schlechte Nachrichten schaden beidem.

Energie



Sodann holt der neue Conergy-Chef Dieter Ammer, der Rüter im Herbst 2007 ablöste, zum zweiten Schlag aus. Er informiert wenige Stunden vor der Notierung der neuen Roth & Rau-Aktien am 16. Februar die Investmentbank von Roth & Rau, Credit Suisse, Conergy plane eine Schadensersatzklage in dreistelliger Millionenhöhe gegen Roth & Rau. Die Schweizer Banker gehen darauf aber nicht ein und winken die Kapitalerhöhung durch.

Als Conergy das Wasser langsam bis zum Hals steht, wird Roth & Rau schließlich eine Schadensersatzklage in Höhe von 220 Millionen Euro zugestellt. Conergy geht heute nicht mehr davon aus, die Forderung in voller Höhe durchsetzen zu können, „jedoch wird nicht damit gerechnet, dass ihr aus dem Vorgang finanzielle Nachteile entstehen, da schon der ggf. einbringbare Anspruch möglichweise zugesprochene Gegenforderungen der Roth & Rau bei Weitem übersteigt", so der Geschäftsbericht von 2012.

Was bleibt, sind zwei angeschlagene Unternehmen, die, koste es, was es wolle, um jeden Cent kämpfen – wie die meisten der einst so hoffnungsvollen deutschen Solarbranche.

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