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Solar-Analyst Jaisfeld "Die Marktbereinigung hat erst begonnen"

Manfred Jaisfeld, Analyst der National-Bank, über die ersten Pleiten in der deutschen Solarbranche, den Absturz bisheriger Vorzeigeunternehmen und die Perspektiven des Marktes für Sonnenenergie.

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Manfred Jaisfeld, Analyst der National-Bank

WirtschaftsWoche Online: Solarworld galt hierzulande lange als Vorzeigeunternehmen der Branche. Sie haben in ihrer aktuellen Analyse die Aktie zum Verkauf empfohlen. Waren die Zahlen so viel schlimmer als erwartet?

Jaisfeld: Solarworld war immer der Leuchtturm der deutschen Solarbranche. Viele dachten, wenn es ein deutsches Unternehmen in diesem Markt schafft, dann die. Aber die Preise von Solarworld sind im Wettbewerbsvergleich zu hoch und trotz der etablierten Marke hat es das Unternehmen immer schwerer. Die europäischen Hersteller können mit der Konkurrenz aus China einfach nicht mithalten. Die jüngsten Zahlen von Solarworld haben die Hoffnung an ein Rückkehr zu alter Stärke schwinden lassen. Die Perspektiven sind nicht gut.

Unter deutschen Solarmodulherstellern und –projektierern hat es mit Solon und Solarhybrid bereits die ersten Pleiten gegeben. Q-Cells kämpft noch gegen die Insolvenz. War das jetzt die erwartete Marktbereinigung?

Die Marktbereinigung in der Solarbranche ist noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil, sie hat erst begonnen. Denn noch haben viele Unternehmen Reserven. Aber selbst Solarworld hat nach Wertberichtigungen von 339 Millionen Euro auf alte Produktionsanlagen und andere Sachwerte im vergangenen Jahr bereits ein Drittel seines Eigenkapitals aufgezehrt. Das reicht nicht ewig.

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    Werden wir noch öfter derart hohe Abschreibungen beobachten?

    Der Abschreibungsbedarf der Hersteller bleibt grundsätzlich ein Problem. Das bedingt einfach der Preisverfall bei den Solarmodulen. Das heißt, die Unternehmen müssen ihre Produktionskosten senken. Das gelingt aber nur mit größeren Produktionsanlagen. Das ist problematisch, weil es jetzt schon weltweit immense Überkapazitäten gibt.

    Zum Jahresbeginn gab es Analysen, die die Produktionskapazitäten der Solarbranche weltweit um mehr als das doppelte über der tatsächlichen Nachfrage sahen. Aber die Nachfrage nimmt noch zu. Sind die Überkapazitäten bald Geschichte?

    Die Überkapazitäten werden sogar weiter zunehmen. China steht seit langem auf dem Expansionsgaspedal, das ist staatlich verordnetes Wachstum. Zwar bleibt auch die Nachfrage auf etablierten Märkten wie Deutschland hoch, aber das hilft den deutschen Herstellern nichts. Der Fall Solarworld hat es gezeigt: Das Unternehmen konnte seinen Absatz deutlich steigern, aber durch den Preisverfall bei Solarmodulen fiel der Umsatz unter dem Strich geringer aus. Deshalb kommen auch gute Unternehmen hierzulande nicht auf einen grünen Zweig.

    Thema Schuldenkrise

    Inwiefern ist denn die Schuldenkrise ein Thema in der Solarbranche?

    Die Schuldenkrise belastet die Branche zusätzlich. Spanien zum Beispiel war vor der Finanzkrise der größte Markt für die Solarmodulhersteller. Mit den plötzlichen Schuldenproblemen des Landes wurde dieser Markt praktisch über Nacht gekappt. Oder die USA: Politisch wurde die Energiewende ausgerufen, doch durch die Finanz- und Schuldenkrise fehlte plötzlich des Geld für die Umsetzung. Viele große Projekte – wie etwa in Kalifornien – verzögern sich deshalb.

    Energie



    Finden denn die deutschen Solarunternehmen nicht außerhalb des Landes bessere Bedingungen vor?

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      Die wichtigsten Märke bleiben schon jene, in denen die Subventionen sprudeln, also die europäischen Länder oder die USA. Auch die Türkei, Südafrika, Mexiko, Brasilien, vor allem aber China und Indien bauen die Solar- und Windenergie aus. Aber das Geld ist knapper geworden. Und in Asien – allen voran in China mit den hohen Solarsubventionen - kommen die westlichen Solarunternehmen gar nicht zum Zuge, die Aufträge gehen an chinesische Firmen.

      Helfen nicht die Großprojekte, die längst geplant sind, den Unternehmen aus dem Tief?

      Solarparks werden auch weiter gebaut. Einige Wettbewerber wie etwa die amerikanische Sunpower profitieren auch davon, dass sie gemeinsam mit großen Energieversorgern solche Projekte umsetzen. Die Großprojekte haben auch kein Finanzierungsproblem. Allerdings kommen sie oft nur schleppend voran. Die Unternehmen sind es, die Probleme haben, sich zu refinanzieren. Die Geldgeber scheuen das Risiko.

      Ist denn beim Preisverfall für Solarmodule nicht auch bald mal ein Boden erreicht?
      Der schnelle Preisverfalls wird weiter anhalten. Ich vermag nicht zu sagen, ob die Preise für Solarmodule in diesem Jahr um zehn oder 30 Prozent fallen – wahrscheinlich jedoch eher letzteres.

      Andererseits sorgen billige Solarmodule ja auch dafür, dass Sonnenstrom in der Herstellung konkurrenzfähig zu anderen Stromarten – etwa aus Kohle oder Gas – wird, die sogenannte Grid Parity. Dann lohnt sich Solarstrom auch ganz ohne Subventionen.

      Die Grid Parity wird viel früher erreicht sein, als noch vor ein paar Jahren vorausgesagt. Aber die Sache hat einen Haken. Zwar werden die Erzeugungskosten für den Strom aus Sonnenkraft bald konkurrenzfähig zu anderen Energieträgern wie Kohle oder Gas sein. Aber der Strom entsteht nicht unbedingt dann, wenn er gebraucht wird. Das Problem bleibt daher die Stromspeicherung. Und die ist immer noch recht teuer. Die Solarbranche hat also ein ähnliches Problem wie die Hersteller von Elektroautos.

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