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Solar-Chef geht Konsequenter Abgang bei Siemens

Der Chef der Solarsparte verlässt früher als geplant das Haus. Einen Nachfolger hätten die Münchner gar nicht benennen müssen, denn das Solargeschäft spielt für den selbst ernannten grünen Konzern künftig keine Rolle mehr.

Mit seiner Solarsparte hat Siemens auf das falsche Pferd gesetzt - nun verlässt Spartenchef Theodor Scheidegger das Unternehmen Quelle: dpa

Das Solargeschäft war für Siemens nie wichtig und wird es auch künftig nicht sein. Innerhalb der Geschäftseinheit für Erneuerbare Energien gibt es einen Chef für das Windenergiegeschäft und einen für die Solaraktivitäten. Ganz bewusst trenne man die Bereiche, heißt es im Konzern, damit sich die Verantwortlichen in der Windsparte voll auf das einträgliche Geschäft mit Turbinen, Türmen und Rotoren konzentrieren können. „Das Solargeschäft ist ein Stiefmütterchen“, sagte im vergangenen Frühjahr ein Siemens-Manager.

Die Baustellen im Siemens-Konzern
Seit 1. August 2013 steht der ehemalige Finanzvorstand an der Siemens-Spitze. Sein Vorgänger Peter Löscher hinterließ ihm einen Berg von Problemen. Der Konzern hat sich zu weit von seinen Kunden entfernt, ist unübersichtlich und bürokratisch geworden. Siemens blockiert sich selbst. Kaeser will Siemens wieder schlanker und schlagkräftiger machen. Der Umbau soll Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro bringen. Quelle: dpa
Helme mit der Aufschrift "Siemens" Quelle: dapd
Kaeser will sich von der Einteilung des Geschäfts in vier Sektoren mit insgesamt 16 Divisionen verabschieden und stattdessen die Aktivitäten des Konzerns in acht oder neun Divisionen bündeln. Bisher gab es vier Vorstände für vier Sektoren: Siegfried Russwurm (Industrie), Hermann Requardt (Medizintechnik), Roland Busch (Infrastruktur) und Michael Süß (Energie). Energievorstand Michael Süß verlässt das Unternehmen. Auf ihn folgt Shell-Managerin Lisa Davis. Quelle: dpa
Süß wird vor allem vorgeworfen, dass er zu lange nur auf große Gaskraftwerke setzte. Siemens muss nun teuer zukaufen, um die Lücken im Produktportfolio zum Beispiel bei kleineren Gasturbinen zu füllen. Doch das ist nicht das einzige Problem. Quelle: dpa
Im Geschäft mit großen Windkraftanlagen für die Offshore-Parks auf See ist Siemens zwar Weltmarktführer, doch die Anbindung der Parks ans Stromnetz auf dem Land hat in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt. Für schlechte Presse beim Thema Windkraft sorgte zudem im Sommer 2013 ein Unfall in den USA. Im Siemens-Windpark Ocotillo in Kalifornien löste sich ein mehr als 50 Meter langes und elf Tonnen schweres Rotorblatt und fiel auf die Straße. Im April ereignete sich ein ähnlicher Unfall an einem Windrad im US-Staat Iowa. Siemens musste deshalb eine ganze Modell-Charge nacharbeiten, was den Konzern laut Insidern etwa 100 Millionen Euro gekostet haben soll. Der Imageschäden dürfte ungleich größer sein. Doch es zeigt bereits der berühmte Silberstreif am Horizont: Siemens wird 101 Turbinen für einen Meereswindpark in den Staaten liefern sowie deren Wartung übernehmen. Hinzu kommen 448 Anlagen an Land. Auftragsvolumen: rund 2,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Wenn Siemens-Chef Joe Kaeser gen Osten blickt, sieht er vor allem eins: großen Nachholbedarf. Von den Boomstaaten in Asien profitiert Siemens bisher nicht so stark wie andere Technologiekonzerne. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Siemens in Europa, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Diese Regionen stehen für 54 Prozent des Konzernumsatzes - allein acht Prozentpunkte davon erwirtschaften die Münchener in Deutschland. Auf dem amerikanischen Kontinent entstehen 27 Prozent des Umsatzes, davon 14 Prozentpunkte in den USA. Nur 19 Prozent des Umsatzes macht Kaeser in Asien und Australien. Quelle: REUTERS
Im Zuggeschäft reiht sich eine Panne an die nächste. Die Auslieferung der von Siemens produzierten ICEs verzögert sich nun schon über zwei Jahre. Die ersten von 16 ICE sind mittlerweile zugelassen, aber bisher nur für Fahrten auf dem deutschen Schienennetz freigegeben. Eigentlich sollten sie schon 2011 einsatzbereit sein. Dann tauchten Probleme mit dem Steuerungsprogramm der Züge auf. Einige Züge wurden geliefert, jedoch nicht in der bestellten Menge. Ein endgültiger Liefertermin für die restlichen Züge steht noch nicht fest. Quelle: dapd

Gründlich vergaloppiert

Jetzt verlässt Theodor Scheidegger, Chef der Solarsparte, den Konzern. Auch wenn die Münchner mit Michael Axmann, bislang CFO des Bereichs, noch einen Nachfolger benennen – viel zu tun haben dürfte der nicht mehr. Denn bei den Solaraktivitäten hat sich der Konzern gründlich vergaloppiert, die Aktivitäten werden heruntergefahren.

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Siemens hat in der Vergangenheit voll auf die Solarthermie gesetzt, bei der Sonnenlicht in Wärme und dann in Strom umgewandelt wird. Vor knapp vier Jahren kauften die Münchner für 284 Millionen Euro das israelische Unternehmen Solel – ein Fehlgriff wie man heute weiß. Die Technologie ist einerseits aufwendig; andererseits fiel in Krisenländern wie Spanien die Solarförderung weg.

Das Projekt Desertec, in das Siemens einst große Hoffnungen setzte, ist wegen der politischen Turbulenzen in Nordafrika mehr als gefährdet. Insgesamt verbuchte die Solarsparte bei Siemens zwischen Oktober und Dezember einen Verlust von 150 Millionen Euro. Für Solel sucht der Technologiekonzern seit Oktober nun einen Käufer – in diesen Zeiten vermutlich kein leichtes Unterfangen.

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