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Solarbranche Q-Cells soll verkauft werden

Es gibt vielleicht Hoffnung für Q-Cells. Weltweit wird jetzt nach Investoren gesucht, die den insolventen Solarzellenhersteller kaufen. Gerettet wäre er damit aber noch nicht.

Der beispiellose Absturz der Q-Cells-Aktie
Die Achterbahnfahrt der Q-Cells Aktie begann vor einigen Jahren. Im Dezember 2005 rückt die Aktie des Solarherstellers aus dem Prime Standard in den TecDax der Deutschen Börse auf. Seit Juni 2007 ist die Aktie im ÖkoDax aufgeführt. Bis zum Jahresende steigt der Kurswert von 20 Euro auf spektakuläre 80 Euro. Quelle: dpa
Sommer 2008: In der Spitze hat das Q-Cells-Papier einen Wert von mehr als 97 Euro. Q-Cells gilt mit seinen langfristigen Siliziumverträgen und der gut verkauften Produktion als Vorzeigeunternehmen der Branche. Das Unternehmen wird sogar als Kandidat für den Dax-30 gehandelt. Quelle: dpa
2009 wird Q-Cells noch als "Business of the Year" ausgezeichnet - wegen außergewöhnlicher Finanzergebnisse, starkem Wachstum und Marktführerschaft. Im Bild ist Anton Milner, früherer Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zu sehen. Quelle: dpa
Doch im Umfeld der Finanzkrise und der wachsenden Konkurrenz aus Asien sinkt der Aktienkurs im März 2009 auf ein vorläufiges Allzeittief von unter zehn Euro. Bis zum Jahresende geht es auch kaum wieder aufwärts. Quelle: dpa
Im Januar 2010 starten die Anteilsscheine mit noch mehr als zehn Euro. Doch im Jahresverlauf stürzt der Börsenwert des Unternehmens um 73 Prozent ab. Quelle: dpa
Im Dezember 2010 sind es nur noch weniger als 2,50 Euro. So schlecht wie der Solarkonzern hat 2010 keine andere Firma aus Dax, MDax oder TecDax abgeschnitten. Quelle: dpa
25 Prozent legen die Papiere im Februar 2011 innerhalb einer Woche zu, dann machen die Anleger Kasse und es geht wieder steil abwärts – und das obwohl die Zahlen gar nicht so schlecht waren und Q-Cells wieder in der Gewinnzone lag. Das Unternehmen hatte mit seinem Ergebnis für 2010 nicht nur die eigenen, sondern auch die Analystenprognosen übertroffen. Dennoch stürzt die Aktie ab März von drei Euro zeitweise auf knapp 50 Cent ab. Quelle: dapd

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells soll an einen oder mehrere Investoren verkauft werden. Es werde beabsichtigt, damit Q-Cells zu sanieren, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter des Unternehmens aus Bitterfeld-Wolfen mit.

„Unser Ziel ist es, möglichst große Teile von Q-Cells und der Arbeitsplätze zu retten“, sagte der Rechtsanwalt Henning Schorisch von der Kanzlei Winberg Wilhelm in Halle.
Mit der weltweiten Suche nach Investoren sei das Frankfurter Büro der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte beauftragt worden. Zudem werde an alternativen Sanierungslösungen unter Einbeziehung der Gläubiger gesucht.

Die Belegschaft sei trotz der Verunsicherung angesichts der angemeldeten Insolvenz hochmotiviert. „Alle ziehen an einem Strang“, sagte Schorisch. Nach bisherigen Angaben soll am 1. Juli das Insolvenzverfahren gegen Q-Cells offiziell eröffnet werden.

Investoren melden Interesse an Q-Cells

„Die kommenden Wochen werden nun zeigen, wie groß das Investoreninteresse ist“, sagte Schorisch. Es hätte sich bereits eine Reihe von Interessenten bei ihm gemeldet. Darunter seien in- und ausländische Unternehmen, Finanz- und strategische Investoren.

Der ehemals weltweit größte Solarzellenhersteller Q-Cells hatte nach tiefroten Zahlen und einem Rechtsstreit mit Gläubigern am 3. April beim Dessauer Amtsgericht die Insolvenz beantragt. Betroffen sind den Angaben zufolge rund 1.300 Mitarbeiter am Stammsitz von Q-Cells. Im gesamten Konzern gibt es weltweit rund 2.200 Beschäftigte, davon 500 in Malaysia.

Die Produktion sei bei Q-Cells wieder angelaufen, hieß es. „Eine Ausweitung auf den vollen Vier-Schicht-Betrieb an sieben Tagen in der Woche steht bevor“, sagte Schorisch. Dazu sollen Mitarbeiter aus der Solarzellen- in die Solarmodulproduktion wechseln.

Zudem werde die Möglichkeit geprüft, Mitarbeiter der Tochterfirma Solibro in der Zellproduktion einzusetzen, um Engpässe zu schließen.

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Zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung seien die Lager von Q-Cells leer gewesen. Ziel sei, dass Q-Cells trotz des Insolvenzverfahrens von der beginnenden Solar-Saison am Bau profitieren könne. Q-Cells hatte einen Kapital- und Schuldenschnitt geplant, um die drohende Insolvenz zu verhindern, diesen aber wegen rechtlicher Bedenken aufgegeben.

Mehrere namhafte deutsche Solarunternehmen sind in den vergangenen Monaten in die Pleite geschlittert. Zuletzt hatte der US-Konzern First Solar angekündigt, seine Produktionsstätte in Frankfurt (Oder) zu schließen, rund 2.000 Jobs in der Region stehen auf dem Spiel.

Als Gründe für die Misere in der Branche gelten Überkapazitäten, Billigkonkurrenz aus China und die Kürzungen der Solarförderung in Deutschland.

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