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Solarenergie Die deutsche Solarbranche steht vor dem Absturz

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Preise unter Druck

Ausgerechnet das deutsche Solar-Fördersystem trägt eine Mitschuld an dieser Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland: Wie sich herausstellt, ist es vor allem ein geniales Entwicklungsprogramm für chinesische Solarunternehmen.

LDK Solar, Suntech, Yingli und andere Hersteller haben ihre Module nach anfänglichen Qualitätsproblemen zu Spitzenprodukten weiterentwickelt. Jetzt nutzen sie niedrige Löhne und großzügige Finanzierungskonditionen der chinesischen Regierung, um die deutsche Konkurrenz mit bis zu 20 Prozent niedrigeren Preisen auszustechen.

Damit haben die Chinesen die deutschen Grünstromer förmlich überrannt. Bereits mehr als die Hälfte aller im ersten Halbjahr hier installierten Module stammten aus China. Gerade einmal zwölf Prozent kamen aus deutschen Werken, rechnet HTW-Forscher Hummel vor. „Würden bei einem Konjunkturpaket mehr als 80 Cent von jedem Euro als Unterstützung an ausländische Unternehmen fließen, gäbe es einen Aufschrei der Empörung“, sagt Hummel.

"Für viele Firmen wird es eng"

Weil aber die Mehrheit der Bundesbürger der Energieerzeugung aus Sonnenlicht wohlwollend gegenübersteht, ist der Protest zögerlich. Doch nach der Erhöhung der Strompreise für Tausende Kunden um fast zehn Prozent, kippt die Stimmung.

Nach Verbraucherschützern und dem Deutschen Mieterbund fordert jetzt auch der CDU-Energieexperte, Thomas Bareiß, die Einspeisevergütung stärker zu kürzen als mit 13 Prozent Anfang Januar vorgesehen. „Die Fotovoltaik ist der größte Kostentreiber im EEG. Sie hat aber auch das größte Kostensenkungspotenzial unter allen erneuerbaren Energien“, sagt Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium. „Entsteht der Eindruck, dass die EEG-Umlage aus dem Ruder läuft, gefährdet dies die Zustimmung für die Erneuerbaren.“

Die Forderung nach zusätzlichen Kürzungen bringt Umweltminister Norbert Röttgen in eine schwierige Lage. Gibt er nach, stürzen die deutschen Hersteller noch tiefer in die Krise. Sie sind von den Solar-Subventionen abhängig. Denn sinken die Zuschüsse, geht auch die Nachfrage nach neuen Anlagen zurück. Zugleich sinken die Preise: 2006 waren Dachanlagen noch 40 Prozent teurer. Weitere Rückgänge aber können die asiatischen Hersteller wegen ihrer Kostenvorteile eher verkraften als ihre margenschwachen deutschen Wettbewerber. „Für viele Firmen wird es eng“, prophezeit Hummel.

Solarworld-Chef Frank Asbeck warnt die Politik daher eindringlich vor zusätzlichen Streichrunden: „Das wäre dumm und destruktiv“.

Nirgends zeigen sich die Probleme der Solarindustrie deutlicher als beim einstigen Star der Branche: Q-Cells. Jahrelang sorgte der Liebling unter den Sonnenkindern für Positiv-Meldungen. Schließlich wurde Q-Cells zum größten Hersteller von Solarzellen. Doch das ist vorbei.

Heute generiert der einstige Star allenfalls noch Negativ-Schlagzeilen: Ausgerechnet im Solar-Boomjahr 2010 musste das Unternehmen nach anhaltend miesen Ergebnissen seinen Chef Anton Milner feuern. Kurz zuvor entließ Q-Cells 500 Mitarbeiter, während in Malaysia eine neue Fabrik aufgebaut wurde.

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