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Solarhersteller Gnadenfrist für Q-Cells

Die Gläubiger gewähren dem angeschlagenen Solarkonzern Q-Cells einen Zahlungsaufschub und geben ihm damit eine zweimonatige Gnadenfrist.

Q-Cells Logo Quelle: dpa/dpaweb

Der Zahlungsaufschub, den die Gläubiger am gestrigen Montag nach einem fast zwölfstündigen Verhandlungsmarathon dem Solarunternehmen Q-Cells gewährten, sei ein Meilenstein für die erfolgreiche Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten der Q-Cells-Gruppe, erklärte das Unternehmen. Nun denn. Schon wieder ein Meilenstein, schon wieder eine Restrukturierung und schon wieder eine Fast-Beinahe-Rettung.

Wer soll das alles noch glauben, nach den verheerenden Jahren und Monaten der Vergangenheit. Seit Jahren schreibt Q-Cells Verluste. Der einstige Weltmarktführer für Solarzellen aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt hat mehr als die Hälfte seines Grundkapitals vernichtet, die Aktie hat dramatisch an Wert verloren. Fast verzweifelt wurde versucht, mit einem Radikalumbau das Unternehmen auf eine solide, zukunftsfähige Basis zu stellen. Hochdotierte Berater haben sich in Bitterfeld die Klinke in die Hand gegeben. Sie sind grandios gescheitert. Auch im laufenden Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen tiefrote Zahlen.

Der beispiellose Absturz der Q-Cells-Aktie
Die Achterbahnfahrt der Q-Cells Aktie begann vor einigen Jahren. Im Dezember 2005 rückt die Aktie des Solarherstellers aus dem Prime Standard in den TecDax der Deutschen Börse auf. Seit Juni 2007 ist die Aktie im ÖkoDax aufgeführt. Bis zum Jahresende steigt der Kurswert von 20 Euro auf spektakuläre 80 Euro. Quelle: dpa
Sommer 2008: In der Spitze hat das Q-Cells-Papier einen Wert von mehr als 97 Euro. Q-Cells gilt mit seinen langfristigen Siliziumverträgen und der gut verkauften Produktion als Vorzeigeunternehmen der Branche. Das Unternehmen wird sogar als Kandidat für den Dax-30 gehandelt. Quelle: dpa
2009 wird Q-Cells noch als "Business of the Year" ausgezeichnet - wegen außergewöhnlicher Finanzergebnisse, starkem Wachstum und Marktführerschaft. Im Bild ist Anton Milner, früherer Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zu sehen. Quelle: dpa
Doch im Umfeld der Finanzkrise und der wachsenden Konkurrenz aus Asien sinkt der Aktienkurs im März 2009 auf ein vorläufiges Allzeittief von unter zehn Euro. Bis zum Jahresende geht es auch kaum wieder aufwärts. Quelle: dpa
Im Januar 2010 starten die Anteilsscheine mit noch mehr als zehn Euro. Doch im Jahresverlauf stürzt der Börsenwert des Unternehmens um 73 Prozent ab. Quelle: dpa
Im Dezember 2010 sind es nur noch weniger als 2,50 Euro. So schlecht wie der Solarkonzern hat 2010 keine andere Firma aus Dax, MDax oder TecDax abgeschnitten. Quelle: dpa
25 Prozent legen die Papiere im Februar 2011 innerhalb einer Woche zu, dann machen die Anleger Kasse und es geht wieder steil abwärts – und das obwohl die Zahlen gar nicht so schlecht waren und Q-Cells wieder in der Gewinnzone lag. Das Unternehmen hatte mit seinem Ergebnis für 2010 nicht nur die eigenen, sondern auch die Analystenprognosen übertroffen. Dennoch stürzt die Aktie ab März von drei Euro zeitweise auf knapp 50 Cent ab. Quelle: dapd

Dass Q-Cells sich auf dem heftig umkämpften Solar-Markt als selbstständiges Unternehmen mit einer zukunftsfähigen Strategie behaupten wird, ist auch mit der jetzt erwirkten zweimonatigen Atempause mehr als ungewiss.

Eigentlich wäre heute der Tag, an dem die Wandelschuldverschreibungen fällig gewesen wären. Doch wie der einstige Branchenprimus  in einer Pressemitteilung bekannt gab, konnte die Geschäftsführung von Q-Cells die Gläubiger auf der gestrigen Versammlung überzeugen, die Rückzahlung zu verschieben. Sie hatten ohnehin nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.  Eine Ablehnung des Schuldentauschs wäre gleichbedeutend mit der Zahlungsunfähigkeit von Q-Cells gewesen.

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