Solarindustrie Irrsinnige Strafzölle gegen Chinas Solarriesen

Die USA haben Strafzölle gegen chinesische Solarmodule erlassen. Ein erfolgsversprechendes Modell ist das nicht. Im Gegenteil: Es könnte die Krise der Solarbranche noch verstärken - auch in Europa.

Die Vorherrschaft der chinesischen Solarmodulhersteller wird mit Strafzöllen allein nicht aufzuhalten sein. Quelle: Reuters

Solarworld-Chef Frank Asbeck frohlockt. Nach monatelangem Ringen hat das US-Handelsministerium chinesischen Billigimporten einen Riegel vorgeschoben. 31 Prozent Strafzoll müssen Hersteller aus Fernost künftig bezahlen, die ihre Produkte in die USA einführen wollen. 31 Prozent wohlgemerkt, für diejenigen, die mit dem Handelsministerium kooperieren. Wer sich widerborstig gibt, zahlt 250 Prozent - das kommt einem Einfuhrverbot gleich. Die Maßnahmen gelten ab sofort.

Für den Chef des deutschen Solarunternehmens Solarworld ist das alles nur der Anfang. Die Entscheidung in den USA gebe Mut, „dass wir zu einem fairen Wettbewerb zurückkehren können“, lässt er melden.

Das Urteil aus den USA sei ein „Signal an Europa, wo vergleichbare Maßnahmen greifen müssen.“ Asbeck war die treibenden Kraft hinter der Klage, die sieben US-Unternehmen in der USA eingereicht haben. Die US-Tochter von Solarworld und sechs weitere Fabrikanten, darunter Helios Solarworks und MX Solar, haben sich zu diesem Zweck in der Coalition for American Solar Manufacturing (CASM) zusammengeschlossen.

Ein Schuss ins Knie

Eine ähnliche Taskforce versucht Asbeck nun in Europa aufzustellen. Schafft er es genug Hersteller hinter sich zu bringen, um 25 Prozent der Jahresproduktion in Europa zu repräsentieren, könnte er damit im Sommer auch vor der EU-Kommission gegen chinesische Importe Klagen. Das Argument ist weltweit dasselbe: Chinesische Produzenten diskriminieren nicht-chinesischen Hersteller von Solarmodulen, machen den Markteintritt ins Reich der Mitte nahezu unmöglich und subventionieren die heimische Industrie in so beträchtlichem Umfang, das Anbieter aus anderen Ländern nicht mithalten können. Deshalb hat sich das US-Ministerium auch für Strafzölle entschieden.

Chinas Solarexporte

Was Asbeck und seine Mitstreiter als Sieg feiern, könnte sich jedoch schon bald als Schuss ins Knie herausstellen. "Anti-Dumping-Zölle werden zwangsläufig auf die Konsumenten übergewälzt", prophezeit Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarforschung. Die gestiegene Nachfrage in USA war wie auch in den Deutschland vom Preisverfall der Module getrieben. Die chinesischen Importe haben Solarmodule für viele Haushalte erst erschwinglich gemacht - ähnlich wie Flachbild-Fernsehern hat der Preisverfall die Nachfrage erst richtig angeheizt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%