Solarindustrie Solarbranche boomt, Deutschland verliert

Euphorische Prognosen, steigende Modulpreise, sinkende Überkapazitäten – weltweit erlebt die gebeutelte Solarindustrie einen Aufschwung. Warum deutsche Unternehmen kaum davon profitieren.

Christian Schmid Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Noch quälen sich täglich die Tanklaster im Schritttempo auf notdürftig geteerten und von Erdrutschen beschädigten Pisten die Ausläufer der argentinischen Anden hinauf. Ihre Fracht: Diesel. Mit dem Treibstoff werden in 4000 Meter Höhe Generatoren betrieben, die zahlreiche Gold- und Kupferminen mit fast 20.000 Arbeitern sowie Bewässerungsanlagen mit Strom versorgen.

Das wird sich bald ändern. Künftig soll der Strom für die Minen aus Solaranlagen kommen. Dafür baut der Maschinenbauer Schmid aus Freudenstadt im Schwarzwald in der Provinzhauptstadt San Juan eine Fabrik für Solarmodule. Der Auftrag, über ein Jahr verhandelt und soeben unterschrieben, habe ein Volumen von mehr als 100 Millionen Euro, freut sich der geschäftsführende Gesellschafter Christian Schmid. Das Werk am Fuße der Anden wird mit einer Produktionskapazität von 70 Megawatt die größte Solarfabrik in Südamerika. Auftraggeber ist der lokale Energieversorger, Schmid fungiert als Generalunternehmer.

Der größte Auftrag für Schmid in seiner 150-jährigen Firmengeschichte passt zu den positiven Nachrichten, die sich seit einigen Wochen rund um den Globus Bahn brechen. Marktforscher, Banken, Berater und Unternehmen berichten von sinkenden Überkapazitäten und stagnierenden, ja sogar leicht steigenden Modulpreisen. Die Preise für die rechteckigen Paneele, aus denen Solarstrom gewonnen wird, waren in den vergangenen Jahren um rund 80 Prozent eingebrochen. Und für 2014 erwarten die Experten weltweit die höchsten Zubauraten für Solaranlagen seit Jahren.

Nur: Vom weltweiten Aufschwung werden viele deutsche Anbieter kaum profitieren. Denn im Heimatmarkt und wichtigen europäischen Märkten wie Italien sagen Experten bestenfalls eine Stagnation voraus. Und in Boommärkten wie China, Japan und den USA geben ausländische Solarkonzerne den Ton an. Für den angeschlagenen Modulbauer Solarworld oder den Maschinenbauer Centrotherm, der erst vor wenigen Monaten aus der Insolvenz den Neustart angegangen ist, ist der weltweite Aufschwung 2014 nur ein Hoffnungsschimmer – wenn es nicht schon zu spät ist. „Wir werden auch 2014 noch Unternehmen finden, die vom Markt verschwinden werden“, sagt Maschinenbauer Schmid.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%