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Solarworld   Zu nah an der Sonne: Asbeck macht den Ikarus

Die Krise brennt immer tiefere Löcher in die Solarworld-Bilanz. Die werden mit Nebelkerzen und Durchhalteparolen gestopft.

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Der Vorstandsvorsitzende der Solarworld AG, Frank Asbeck. Quelle: dpa

  

Detlef Neuhaus, Chef des vor wenigen Monaten sanierten Dresdner-Solarunternehmens Solarwatt, hatte es vorhergesagt: „2013 wird die Branche eine neue Insolvenzwelle erleben“, sagte er im Dezember des vergangenen Jahres in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Und auch für Solarmarktexperte Wolfgang Hummel  vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung ist ein schnelles Ende der Branchenkrise nicht in Sicht.  Dafür sei die Kluft zwischen Kapazität und Nachfrage einfach zu groß.  Deutschland bleibe bei der Sonnenenergie ein Markt der Überkapazitäten, der Preisdruck werde sich fortsetzen.

Kaum sind zwei Wochen ins Land gezogen, schon brennt es wieder lichterloh in der Branche. Unternehmen, die noch nicht insolvent sind, kämpfen verzweifelt dagegen an. Anfang der Woche präsentierte der Stuttgarter Bosch-Konzern verheerende Zahlen für seine Solarsparte. Und gestern schockte Solarworld seine Aktionäre und Mitarbeiter mit der Nachricht, dass „gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft notwendig“ seien.

Es ist wie immer, wenn es Nachrichten aus der Bonner Unternehmenszentrale gibt: sie sind verklausuliert, lenken ab, führen in die Irre – oder sind gar, wie bei Asbecks spektakulärem Gehalts- und Dividendenverzicht, kaum mehr als ein Marketinggag.   

So wie die legendäre Pressemitteilung zur verheerenden Halbjahresbilanz 2012, die unter dem freudigen Titel „SolarWorld investiert 2012 in Innovationen“ verschickt wurde. Inhalt der Mogelpackung: ein operativer Verlust von mehr als 140 Millionen Euro, nach einem Plus von gut 70 Millionen Euro im Vorjahr. Doch gerade in diesen schweren Zeiten sind Aktionäre oder Anleihezeichner auf klare Worte und konkrete Informationen angewiesen. Bei Solarworld haben sie solche Antworten nicht bekommen. Der Ausblick für 2012 blieb unkonkret und beinhaltete nur Selbstverständlichkeiten, Durchhalteparolen und das allseits bekannte Gejammer über die chinesische Billigkonkurrenz.

Auch in diesen Tagen wird wieder vernebelt so gut es eben für ein börsennotiertes Unternehmen geht. Denn die „Einschnitte“ bei Solarworld bedeuten nichts anderes als: Es geht ums Ganze, es geht um das Überleben des Unternehmens. Solarworld muss über einen Schuldenschnitt verhandeln. Sonst droht die Insolvenz.

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Zum Stichtag 30. September 2012 weist der Finanzbericht von Solarworld Schulden in Höhe von knapp über einer Milliarde Euro aus.  Solarworld hat zwei Anleihen über insgesamt 550 Millionen Euro, die 2016 und 2017 fällig werden. Das Schuldscheindarlehen beläuft sich auf 354 Millionen Euro und Bankdarlehen auf 105 Millionen Euro.

Das Wasser steht dem Unternehmen bis Oberkante Unterlippe. Die Banken haben die Schotten dicht gemacht. Warum sonst sollte es zu einer externen Untersuchung der Finanzen des Unternehmens gekommen sein.  Warum muss die Unternehmensplanung der kommenden Jahre ,vor allem die Ertrags- und Finanzplanung, von externen Sachverständigen geprüft werden?

Asbeck betont derweil, Solarworld sei im Kern gesund. „Wir müssen operativ einige Anpassungen machen, die werden nun kommen.“  Einige Operative Anpassungen? So, so. Und was genau?  Und warum wurde das nicht schon viel eher gemacht?

Helfen würde dem Unternehmen jedenfalls, wenn die Europäische Union endlich Zölle für Billig-Importe aus China einführen würde, fällt Asbeck dann wieder in seine China-Bashing-Litanei. Die Bonner haben im Verbund mit anderen Firmen eine Anti-Dumping-Klage gegen chinesische Unternehmen eingereicht, über die in diesem Jahr entschieden werden soll.  Die dann verhängten Zölle würden uns helfen, glaubt Asbeck.  

Energie



Man muss befürchten, er glaubt wirklich daran. Dass er also mit seiner Anti-Dumping-Klage in den USA und Europa die immer stärker werdende Konkurrenz aus China besiegen könne. Dass die Klage irgendetwas an den gigantischen Überkapazitäten ändern werde, die weltweit die Nachfrage um das doppelte übersteigen.

Solarexperte Hummel zweifelt den überlebensnotwendigen Effekt möglicher Anti-Dumping-Maßnahmen an:  Selbst das neue Volkswagen-Werk in Chattanooga werde durch einen Solarpark versorgt, der trotz der US-Importzölle mit chinesischen Solarmodulen bestückt sei.

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